48. Rennsteiglauf Vom Yukon an den Rennsteig

2012 ausgewandert: Kristin Daniel, 38, aus Schmiedefeld. Foto: Berit Richter

Sieben Jahre musste die gebürtige Schmiedefelderin Kristin Daniel auf ihren zehnten Rennsteiglauf-Marathon warten. Der Grund ist ihr Job im hohen Norden Kanadas.

Schmiedefeld - Aus der Corona-Not geboren erwies sich die Verlegung des GutsMuths-Rennsteiglaufs aufs erste Oktoberwochenende für Kristin Daniel als Glücksfall. „So konnte ich endlich meinen zehnten Marathon hier laufen“, sagt sie. „Im Mai geht das nämlich immer nicht.“

Dabei liegen die sportlichen Wurzeln der 38-Jährigen vor der Rennsteiglauf-Haustür, stammt sie doch aus Schmiedefeld. Und doch zählte sie am Samstag zu den Teilnehmern mit der weitesten Anreise, sie kam nämlich aus dem hohen Norden Kanadas ins „schönste Ziel der Welt“.

„2012 bin ich ausgewandert“, erzählt die junge Frau, nachdem sie im Ziel von so manchen Bekannten aus dem Org-Team freudig begrüßt worden war. Der Ort im Thüringer Wald war ihr damals zu klein, zu eng geworden. „Ich wollte raus, erst mal reisen, die Welt sehen. Auswandern war nicht unbedingt geplant“, berichtet sie. Doch in Kanada „blieb sie hängen“ und hat es nicht bereut. „Ich liebe die Weite dort, die Einsamkeit. Man fährt ein paar Kilometer aus der Stadt raus und ist allein in der Wildnis.“

Ihre Zelte hat Kristin Daniel in Whitehorse aufgeschlagen, der Hauptstadt des Yukon-Territoriums im Nordwesten Kanadas. „Die Stadt ist etwa so groß wie Ilmenau, rund 30 000 Einwohner“, erzählt sie. Auch einen Lauf gäbe es dort, „aber nicht so groß wie der Rennsteiglauf“. Diesen kennt sie von Kindesbeinen an, war 18-mal am Start. „Doch auf meinen zehnten Marathon musste ich sieben Jahre warten.“ Das hat berufliche Gründe: Zwar hat die Schmiedefelderin Geologie studiert, arbeitet heute aber als Landschaftsgärtnerin, „und da geht die Saison im Mai immer richtig los. Da kann ich einfach nicht weg.“

Die Arbeit in der Natur sei genau ihr Ding, sagt sie. Und im Winter, wenn in Kanada Eis und Kälte herrschen, kümmert sie sich um die Eisbahn in Whitehorse. Dort, so sagt sie, liege jetzt schon Schnee. Umso schöner sei es gewesen, in Schmiedefeld noch einmal Sonne zu tanken.

Zugegeben: Es war eigentlich nicht der Rennsteiglauf, der Kristin Daniel in die alte Heimat zog, sondern ein Heimatbesuch. „Dass der Lauf erst jetzt stattfindet, das habe ich erst mitbekommen, als der Flug schon gebucht war. Da habe ich mir natürlich gleich gesagt: Jetzt machst du endlich deinen zehnten Marathon.“

Mit ihrem Ergebnis konnte sie mehr als zufrieden sein: 3:38:52 Stunden, Sieg in der Altersklasse W35 und als Gesamtzehnte in den Top Ten – da hatte sich die Anreise doch gelohnt.

 

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