3. Treppenlauf in Zella-Mehlis Und jetzt die Beine hochlegen?

Der Papa ist schneller, aber die Tochter ist besser: Lars Degner nahm gemeinsam mit Tochter Miya (nicht im Bild) am dritten Treppenlauf teil. Foto: frankphoto.de/Karl-Heinz Frank

Kurz vor Ferienbeginn hat der SC Motor Zella-Mehlis eine Prüfung vorbereitet, die wehtut und am Ende doch glücklich macht: die dritte Stadtmeisterschaft im Treppenlauf.

Zella-Mehlis - Ausgerechnet da, wo die Beine am meisten vor Schmerzen schreien möchten, ist das Glücksgefühl am größten: Da, wo gut sichtbar „letzte Stufe“ auf den Boden geschrieben steht und 179 Treppenstufen hinter einem liegen. „Bei der letzten Stufe geht es einem gut. Der erste Schritt über die Startlinie ist der schwerste. Da muss man dann einfach los und auf Tunnelblick schalten.“ Das sagt Lars Degner, in hiesigen Breitengraden als Kämpfer in der Disziplin Karate bekannt und vorige Woche einer der ältesten Starter bei der Zella-Mehliser Stadtmeisterschaft im Treppenlauf, für die insgesamt 118 Sportler aus 22 Thüringer Vereinen gemeldet hatten.

Lars Degner ist im Januar 50 geworden und will sich noch nicht an den Streckenrand stellen und den eigenen Nachwuchs nur anfeuern. „Ich will den eigenen Kindern als Vorbild dienen und als Elternteil nicht nur dabei stehen.“ Die zusätzliche Motivation funktioniert. Während Papa Lars für die 179 Stufen beziehungsweise 850 Meter Streckenlänge und 50 Höhenmeter hinauf zum Denkmal 4:02,3 Minuten benötigt und so auf Rang drei abschließt, gewinnt Tochter Miya in der Altersklasse U12 vor vier Konkurrentinnen in 4:14,9 Minuten. Der Treppenlauf des SC Motor Zella-Mehlis soll für Lars Degner erst der leichte Auftakt für einen anspruchsvollen Sommer werden: Am 14. August folgt der Getting Tough in Oberhof (hier sind es an den Schanzen im Kanzlersgrund 720 Treppenstufen) sowie am 12. September der Beerberg-Berglauf.

Urlaub in den Ferien wird also ziemlich relativ sein. Degner senior zieht es auf Rügen, Ausdauertraining inklusive. Und auch der Thüringer Wintersport-Nachwuchs wird ein paar Hausaufgaben in die eigentlich freien Wochen mitnehmen.

„Ich gebe immer Hausaufgaben für die Ferien auf“, sagt Nachwuchstrainer Thomas Straube vom Ski- und Wanderverein Goldlauter-Heidersbach, während er auf die letzten seiner Schützlinge neben der Strecke wartet. Je nachdem, wo die Reise hingeht, gibt es einen passenden Trainingsplan. Bergtouren für die Höhe, Schwimmeinheiten für niedrigere Gefilde. Was eigentlich fast immer geht: Crossläufe und Inliner fahren. „Die Großen kriegen auch Skiroller mit“, erklärt Thomas Straube. Möglichst jeden zweiten Tag soll in den Sommerferien geschwitzt werden.

Dass sich Ganzjahres-Training in Ergebnissen niederschlägt, bestätigt Marcus Müller. Der einzige Starter des WSV Schmiedefeld gewinnt die dritte Auflage des Treppenlaufs in der Männerkonkurrenz in neuer Bestzeit. Statt bei 3:29 steht sie dank des 32-Jährigen nun bei 3:19,4. Müller ließ damit auch prominente Konkurrenz wie Ex-Langläufer Marius Cebulla (SWV Goldlauter) hinter sich, der in 3:22,5 Zweiter vor Albert-Christhard Hyneck (TSV Benshausen/3:24,9) wurde. Langstreckenläufer Müllers Tipp für das kurze Treppen-Intermezzo: „Bei so kurzen Rennen lautet die Devise: Immer Vollgas! Wenn man gewinnen will, muss man über die Schmerzgrenze gehen.“

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