2380 „Möhrchenhefte“ übergeben Auch als „Brückenschlag zu den Eltern“

Thomas Klämt

Ein Hausaufgabenheft brauchen 2380 Grundschüler im Ilm-Kreis für nächstes Schuljahr nicht kaufen. Das gibt es vom Kreis geschenkt, dem damit fast ein Serien-Bestseller gelingt; diesmal samt Wissen, das selbst in der Politik Nachhilfe ersparte.

Mit Begeisterung durchs Hausaufgabenheft blättern? Ida und ihre Klassenkameraden in der 1a in Großbreitenbach zeigen gleich nach Übergabe des „Möhrchenheftes“ großes Interesse am Lernen für ihre klimatische Zukunft. Foto: Thomas Klämt

Großbreitenbach/Arnstadt - Das neue Hausaufgabenheft für Grundschüler im Ilm-Kreis wurde am Dienstag verteilt. Viele Politiker reden seit Jahren am Klimaschutz vorbei. Damit das nicht ewig so weitergeht, will der Ilm-Kreis dem Nachwuchs die nötige Umweltbildung mit auf den Weg geben und legt erneut das „Möhrchenheft“ für seine Grundschüler auf – ein Hausaufgabenheft 2021/22 vollgepackt mit kindgerecht aufbereitetem Wissen um Natur und Umwelt sowie Anregungen für Spiele, Experimente und kleine Wettbewerbe bis hin zu Bastelmöglichkeiten und sogar Rezepten. Der aktuelle Titel: „Natur – Biologische Vielfalt“.

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„Gerade zeigen die jüngsten Unwetter: Wenn wir nicht endlich handeln, haben wir verloren“, sagte Landrätin Petra Enders zur Übergabe der Hefte in der Grundschule Großbreitenbach vor Schülern der Klasse 1a. Umwelt solle aber auch Spaß machen „und da sind Kinder gut zu begeistern“, stellte Enders fest, als die Mädchen und Jungen eifrig im eben übergebenen Möhrchenheft zu blättern beginnen. Das Maskottchen „Kiki Karotte“ führt die Kinder durch ein ganzes Schuljahr mit vielen Geschichten um Natur, Tiere und Pflanzen, aber auch umweltgerechtem Handeln.

Ein eingelegter Erntekalender weckt das besondere Interesse der Erstklässler. „Habt Ihr denn Schulgarten“, fragt die Landrätin. „Jaaa“, brüllen ihr die Kinder lautstark entgegen. „Und – macht Ihr das gerne?“ „Jaaa“, schallt es ein weiteres Mal voll Begeisterung durch den Raum. Der Anbau war zwar dieses Jahr dort eher schwierig, aber es sei bisher das beste daraus gemacht worden. Volker Hertwig, der als Vize-Bürgermeister der Landgemeinde die Übergabe des Möhrchenheftes begleitete, hofft, dass das Hausaufgabenheft auch als „Brückenschlag zu den Eltern dient“, was Umweltfragen anbelangt. Die Kreischefin wusste, dass Kinder zu Hause auch sehr direkt agieren, was Exaktheit der Mülltrennung etwa betrifft und so mitunter zum Erzieher der Eltern würden.

„Die Sensibilisierung für solche Themen ist ganz, ganz wichtig“, schätzte Hertwig ein, „denn die Kinder wissen zwar, dass der Kohlrabi im Supermarkt im Regal liegt, aber eher weniger, wo er herkommt und welcher Aufwand dafür nötig ist.“ 19 teilnehmende Schulen im Landkreis nutzen das Angebot des Möhrchenheftes, nur drei Grundschulen also haben sich nicht angeschlossen, dies allerdings, weil sie bereits eigene Angebote haben, wie Felix Schmigalle, Klimaschutzmanager des Ilm-Kreises, erklärt. Das ist eine enorme Steigerung des Interesses, nachdem das erste spezielle Hausaufgabenheft, das nun alljährlich gesellschaftsrelevante Themen für den Nachwuchs aufbereitet, im Jahre 2016 mit 872 Heften 13 Schulen erreichte. Schmigalle hatte das Heft mit kreisübergreifender Unterstützung einst mitentwickelt. Er sei auch gerne bereit, in die Schulen zu kommen und weitere Umweltprojekte mit anzuschieben, verdeutlichte die Kreischefin. Der Landkreis selbst habe Möglichkeiten, solche Initiativen dann finanziell zu unterstützen.

Dass die öffentliche Übergabe der Hefte ausgerechnet an der südlichsten Schule des Ilm-Kreises stattfand, in Großbreitenbach, liegt an der Dimension, die das Interesse dort ausmacht. Die Grundschule Großbreitenbach bezieht mit 400 Heften die meisten Exemplare vor der Ilmenauer Grundschule Ziolkowski mit 265 Stück. Im dreistelligen Bezugsbereich liegen auch die Grundschulen Stadtilm, Karl Zink in Ilmenau, Martinroda, Gehren, Stützerbach, Wachsenburg, Ichtershausen sowie zwei Arnstädter Grundschulen. 70 Prozent der Kosten werden vom Thüringer Umweltministerium gefördert, sagte Schmigalle, der zusätzlich zum Heft auch „einen original Klimaschutzstift“ und Aufkleber an die Erstklässler der 1a verteilte. Erstmals gibt es dieses Jahr auch Begleitmaterial für die Lehrer zur Themenvertiefung.