20 Jahre Wildgehege Wild im Herzen

Seit 20 Jahren hegt und pflegt Klaus Günther in Unterschönau sein Wildgehege am Lautenberg. Zum Jubiläum widmete die Stadt dem Areal jetzt einen Rundwanderweg.

Unterschönau - „Das war schon immer mein Traum“, so die schlichte Begründung des gebürtigen Viernauers, Klaus Günther, warum er vor zwei Jahrzehnten an die zehn Hektar Wald und Bergwiese am Unterschönauer Lautenberg zum Teil kaufte, zum Teil pachtete. Am 1. Juni 2001 eröffnete er sein Wildgehege und heute streifen hier Rotwild, Damwild, die Esel Winni und Kira sowie zwei Ziegen zuweilen recht zutraulich an den Zäunen entlang. Selbst das Schwarzwild lasse sich manchmal sehen.

Für manche Zeitgenossen könnten die Tiere durchaus etwas scheuer sein. Neulich, so erzählt Günther, habe doch tatsächlich jemand einem der Esel ein gehöriges Stück seiner Schwanzhaare, der sogenannten Quaste, abgeschnitten. Zu den Situationen, in denen nicht ganz klar sei, auf welcher Seite des Zauns der Esel steht, gehören auch die heimlichen Fütterungen. Vor allem, wenn die Tiere Durchfall von den Abfällen bekommen. Selbst über die Zäune steigen einige. Die weitaus meisten aber wissen sich zu benehmen, sagt er. Sie suchen die Erholung und die Ruhe am Berg, die sich mit den eigentlich wilden Tieren zur eindrucksvollen Kulisse paaren.

„Während der Corona-Zeit war hier richtig was los. Manche haben Kaffee getrunken oder ihr Abendbrot mitgebracht“, erzählt der 69-Jährige. Laufe alles gesittet ab, sei das auch überhaupt kein Problem. Auch Tourismus-Chefin Janine Holz weiß die Arbeit deswegen zu schätzen, lockt Günther doch auch Touristen in die Region. Ihre Kollegin Claudia Scheerschmidt, damals noch in der Oberschönauer Tourist-Info, hatte das Projekt von Beginn an begleitet und unterstützt. „Wir freuen uns über so viel Engagement und danken Herrn Günther für seinen großartigen Einsatz“, sagt Janine Holz. Als Wertschätzung seiner Arbeit habe die Verwaltung jetzt einen elf neuen Rundwanderwege hier ausgewiesen, die in einer neuen Wanderbroschüre der Tourist-Info beschrieben werden, sagt Bürgermeister Markus Böttcher. Zu danken sei dafür auch dem Landkreis für die 50-prozentige Förderung sowie auch der Viernauer Firma Matec, die auf Nachfrage sofort Unterstützung zusagte und die acht Tafeln mit den Porträts der einheimischen Tierarten lieferte, die am rund drei Kilometer langen Rundweg Wildgehege stehen. Beginn der Tour ist am Hellenbach, begehbar sei er allerdings nur von April bis August, da die Tiere für die Brunftzeit und die Geburt des Nachwuchses Ruhe brauchen.

Dafür kostet der Rundweg keinen Cent Eintritt. Das Wildgehege ist Klaus Günters Vollzeit-Hobby, Geld verdienen lasse sich damit ohnehin nicht. Um die Kosten zu decken, helfen EU-Fördermittel und die Direktvermarktung von Wildfleisch- und Wurstwaren. Klaus Günther ist selbst seit Jahrzehnten Jäger und darf seine eigenen Tiere auch selbst verarbeiten – eine Sonderregelung der EU. Die Produkte seiner landwirtschaftlichen Wildhaltung verkauft er im Geschäft im Hellenbach. Natürlich landen nicht alle hier. Der handzahme Hirsch Bruno zum Beispiel gehört längst zu den Unterschönauer Einwohnern. Er kann auch weiterhin durchs Gitter gestreichelt werden, versichert Klaus Günther.

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