130 Jahre Bahnstrecke Steinbach-Hallenberg – Zella-Mehlis

Zugfahren wie anno dazumal, das war im Februar 2019 möglich, als der Rodelblitz in der Haseltalstadt Station machte. Die Eröffnung des Teilstücks vor 130 Jahren ist Thema einer Sonderausstellung, die am kommenden Mittwoch eröffnet wird. Foto: Sascha Willms

Mit einer Sonderausstellung würdigt das Metallhandwerksmuseum jetzt die Einweihung der Bahnstrecke von Steinbach-Hallenberg nach Zella-Mehlis vor 130 Jahren. Für die Ingenieure war sie eine Herausforderung, denn die rund 13 Kilometer haben es in sich.

Der Geschichte der Bahnverbindung von Wernshausen nach Zella-Mehlis mangelt es nicht an Jubiläen. Der Abschnitt von Wernshausen nach Schmalkalden wurde am 2. April 1974 eröffnet, hier soll im kommenden Jahr gefeiert werden. Der nächste Abschnitt bis nach Steinbach-Hallenberg ging am 15. Dezember 1891 in Betrieb.

Den Termin der Inbetriebnahme der gesamten Strecke bis nach Zella-Mehlis nimmt sich nun das Team des Metallhandwerksmuseum in Zusammenarbeit mit Eisenbahnenthusiasten der Region zum Anlass für eine Sonderausstellung. „Zug um Zug – 130 Jahre Eisenbahnstrecke Zella-Mehlis – Steinbach-Hallenberg“ heißt die Schau, die am Tag der Einweihung, am 25. Januar, eröffnet wird. Gleichzeitig ist das erste Projekt der neuen Museumsleiterin, Tanja König, die Interessierte am kommenden Mittwoch kennenlernen können, wenn sie die Sonderausstellung um 17 Uhr im Museum eröffnet.

Im Mittelpunkt stehe die 130-jährige Geschichte des letzten Streckenabschnitts, denn der hatte es für die Eisenbahningenieure, aber vor allem auch die Arbeiter, in sich, weiß sie nach ihren Recherchen zu berichten. Genau 13,18 Kilometer lang war war das Teilstück 1893, als die ersten Züge in den Nachbarort rollten wo der Bahnhof damals noch Zella St. Blasii hieß. Heute heißt er Zella-Mehlis und der damalige Bahnhof Melis heißt heute Zella-Mehlis West.

Die schwierige Strecke durch Berg und Tal machte es notwendig, große Felsenmassen zu sprengen, enorme Erdmassen zu bewegen, mehrere Viadukte und hohe Dämme zu errichten. Drei der vier Tunnel der insgesamt rund 30 Kilometer langen Strecke liegen auf dem finalen Abschnitt: Der Mehliser Tunnel zwischen Zella-Mehlis West und dem Haltepunkt Benshausen, der etwas mehr als 110 Meter lang ist. Der Rote-Wand-Tunnel im selben Abschnitt, der über 130 Meter lang ist und der immerhin circa 170 Meter lange, sogenannte Rote-Bügel-Tunnel. Er unterquert den Roten Bühl zwischen Benshausen und Viernau. Auch das vierte Bauwerk, der 90 Meter lange Hirschbergtunnel, liegt nahe Altersbach und damit noch in der Region.

Im Mai 1893 nahm sie den regulären Fahrbetrieb auf. Wurden die vorherigen Abschnitte noch von der Stadt Schmalkalden bezahlt, übernahm die Preußische Staatsbahn ab 1890 den Bau des letzten Stücks. Bevor, im Mai 1893, der reguläre Betrieb aufgenommen werden konnte, mussten die Bauarbeiter ran. Waren es Anfangs rund 500 an der Zahl, sei ihre Zahl in den Folgejahren stetig angestiegen. Etwa die Hälfte kam aus der Region, die andere Hälfte waren Ausländer aus Italien und Tschechien. Und die hatten mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie Eisenbahnhistoriker berichten. So war der Mehliser Tunnel in den Planungen gar nicht vorgesehen, musste aber eines tiefen Taleinschnitts in schwierigem Gelände gegraben werden.

Trotz der Widrigkeiten brauchten die Arbeiter nur rund drei Jahre, was angesichts damaliger Technik bis heute als schnell gilt. Noch mehr historische Fakten erwarten die Besucher der Sonderausstellung, verspricht Tanja König. „Wir laden Sie ein, in die Eisenbahngeschichte einzutauchen und allerhand wissenswertes zur Historie der Strecke, der Bahnhöfe und zu dem Eisenbahnmaler Peter König zu erfahren“, macht die Museumsleiterin neugierig.

www.eisenbahntunnel-portal.de

www.metallhandwerksmuseum.de

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