1225 Jahre Beinerstadt Jeder Tag ist ein Geschenk

Wolfgang Swietek

Mit einem coronabedingten Jahr Verspätung, dafür aber gleich mit einer ganzen Festwoche wird in Beinerstadt das 1225-jährige Ortsjubiläum gefeiert. Zum Auftakt gab’s eine Festveranstaltung.

„700, 800 oder auch 900 Jahre – das sind schon große Ortsjubiläen, die in unserem Landkreis meist euphorisch gefeiert werden“, hatte Landrat Thomas Müller in seinem Grußwort in der Festschrift von Beinerstadt geschrieben. „Wenn ein Ort wie Beinerstadt aber tatsächlich auf eine 1225-jährige Geschichte zurückblicken kann, dann ist die Feierlaune mit Sicherheit noch um einiges größer.“ Wer zur Festveranstaltung zum Auftakt dieser Festwoche ins Kulturhaus Beinerstadt gekommen war, fand die Vermutung des Landrates bestens bestätigt.

„Mit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 796 beginnt die Reise eines Ortes, die bis heute anhält und noch lange kein Ende kennt“, so der Landrat weiter. „Über Höhen und Tiefen hat Beinerstadt in den letzten Jahrhunderten viel erlebt und sich dabei immer wieder neu erfunden.“ Bürgermeister Hans-Werner Büchel war es dann vorbehalten, einen kurzen geschichtlichen Rückblick über seine Gemeinde zu halten. Dass dies „seine“ Gemeinde ist, kann er nach 28 Dienstjahren in diesem Amt mit Fug und Recht behaupten. Fast drei Jahrzehnte hat er die Geschicke seiner Gemeinde maßgeblich geprägt. Die, so ist er fest überzeugt, noch viel älter ist als die jetzt gefeierten 1225 Jahre, denn eine urkundliche Erwähnung – hier auf einer Schenkungsurkunde an das Kloster in Fulda – sei ja keine Ortsgründung. Den Ort hatte es bei so einer Erwähnung meist schon recht lange Zeit gegeben. Wie dies schon vor etlichen Jahren Günther Wölfing, der damalige Direktor des Hennebergischen Museums in Kloster Veßra, feststellte: „Das heutige Dorf Beinerstadt wurde 796 als Peinheressteti als Ort einer Hofstätte erstmals urkundlich erwähnt und zählt geschichtlich zu den ältesten Dörfern des Amtes Themar. Beinerstadt und die Orte Themar, Trostadt und Marisfeld, die auf der gleichen Urkunde erwähnt wurden, existierten jedoch höchstwahrscheinlich schon einige Jahrhunderte zuvor.“

Nun können so viele Jahrhunderte in einem Festvortrag nicht vollständig beleuchtet werden, dafür gibt es zahlreiche Publikationen. Und so beschränkte sich Bürgermeister Hans-Werner Büchel auf einige wesentliche geschichtliche Fakten, die das Leben in Beinerstadt – einer Gemeinde, die sicher noch nie zu den reichen Orten der Region gehört hat – beeinflusst haben. Lange habe die Gemeinde keine eigene Pfarrei gründen dürfen, für diesen Bereich hatte das Kloster Trostadt das Sagen. An die Not und das Elend, das der Dreißigjährige Krieg über den Ort gebracht hat, erinnerte der Bürgermeister. Vor allem der 16. Oktober 1634 war so ein „schwarzer Tag“, als Graf Isolani in einem Kampf mit vielen Toten den Ort ins Unglück stürzte – nur zehn Familien hatten überlebt, ganze drei Häuser waren übrig geblieben.

An den Bau der Wasserleitung – gemeinsam mit Wachenbrunn – erinnerte Hans-Werner Büchel, an den Bau einer Schule im Jahr 1912 und an 1921, als Beinerstadt elektrisches Licht erhielt. Aber auch von den Folgen des Ersten Weltkrieges und die anschließende Weltwirtschaftskrise berichtete der Bürgermeister. Ebenso vom Zweiten Weltkrieg, in dem Beinerstadt 28 Gefallene beklagen musste. Nach diesem zweiten verheerenden Krieg in Europa waren viele Flüchtlinge in den Ort gekommen, für die nicht nur Wohnraum geschaffen werden musste – insgesamt mussten die Einheimischen und „die Fremden“ zusammenfinden. Von der Gründung der LPG und dem Bau eines Kindergartens sprach der Bürgermeister und seinem Stolz auf die fleißige Arbeit der Beinerstädter, die zu allen Zeiten geleistet worden war. Nach der Wende sei die Arbeitswelt eine völlig andere gewesen, mancher Beruf war auf einmal nichts mehr wert. Als einen richtigen und wichtigen Schritt schätzt Bürgermeister Hans-Werner Büchel die Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Feldstein im Jahr 1994 ein, denn dadurch sei der Fortbestand der Gemeinde Beinerstadt gesichert gewesen. Zweimal war die Gemeinde im Förderprogramm der Dorferneuerung, bei einer dritten Teilnahme könnten weitere Dinge im Ort positiv verändert werden, blickte der Bürgermeister in die Zukunft – die er nach 28 Jahren in diesem Amt nun nicht mehr selbst mitgestalten wird.

Im Namen der Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Feldstein überbrachte die Vorsitzende Dagmar Dummer die Grüße der Bürgermeister, für den Landkreis gratulierte Rolf Kaden. „1225 Jahre – es lässt sich kaum ermessen, was in dieser Zeit alles geleistet worden ist von den Einwohnern dieser Gemeinde“, so Dagmar Dummer. „Besonders möchte ich heute jedoch die Leistung von euerem Bürgermeister hervorheben. Fast dreißig Jahre ehrenamtliches Engagement in diesem nicht immer einfachen Amt, das gibt es nicht allzu oft. Dafür mein herzlicher Dank und große Anerkennung.“ Dass Hans-Werner Büchel in all den Jahren dem Ort Stabilität gegeben habe, wurde auch in weiteren Grußworten immer wieder betont.

Ehe die Singertaler aus Themar die Bühne für ein Konzert betraten, hatten noch weitere Jugendliche aus Beinerstadt das Sagen. Geschichten und Fundstücke aus der Dorfchronik – teils in Mundart – boten sie sehr zur Freude der vielen Besucher. Um den Erbsenbär ging es da, um die „Kermesgesellschaft“ und um die Familiennamen in Beinerstadt. „Jeder Tag ist ein Geschenk“, sagte da ein Junge, und fragte schließlich schmunzelnd: „Der Montag auch?“

 

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