10 Jahre Ausbildungszentrum Drei Stunden Festakt: Reden, Anekdoten und ein Zeitmesser

Vor Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung feierte das Hildburghäuser Bildungszentrum (HBZ) in Eisfeld das zehnjährige Jubiläum seines dort ansässigen Ausbildungszentrums für Metallberufe. Nur die Zeit hatte niemand im Blick.

Eisfeld - Wer hat an der Uhr gedreht? Die Geschäftsführerin? Der Gastredner? Der Moderator? Oder die Wirtschaftsvertreter? Am Ende wollte es keiner so richtig gewesen sein, obwohl Moderator Reinhard Jacob, meinte: Es habe am langen Vortrag des Professors gelegen. Und der heißt Frank Barthelmä, bis vor kurzem Geschäftsführer der Gesellschaft für Fertigungstechnik und Entwicklung in Schmalkalden und nun im Ruhestand. Er sorgte mit seinem locker formulierten Gastreferat, illustriert mit vielen historischen Fotos und Grafiken, nicht nur für Heiterkeit, sondern durchaus für einen gewissen Zeitverzug. Es sei ihm verziehen. Denn: Die Geschichte, die Tradition, den Fortschritt sowie die Herausforderungen und Perspektiven der Zukunft für die Metallbearbeitung in Thüringen von 1360 bis in die heutige Zeit darzustellen, das geht eben nicht mal im Schweinsgalopp oder im Twitter-Format.

Eine satte Stunde länger, als eigentlich geplant, dauerte der Festakt, bis die geladenen Gäste zum Rundgang durch das Ausbildungszentrum aufbrechen konnten. Einige verabschiedeten sich deshalb schon vorher, weil sie noch andere Termine hatten. Andere waren erst gar nicht gekommen, hatten abgesagt oder Vertreter geschickt. So wie der ehemalige Ministerpräsident Dieter Althaus, der in seiner Regierungszeit zusammen mit Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz im Jahr 2009 satte 85 Prozent der Kosten in Höhe von 5,3 Millionen Euro für den Neubau des Eisfelder Ausbildungszentrums als Fördermittel bewilligte: finanziert aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, vom Bund und vom Freistaat Thüringen. Oder wie der damals schon und heute noch amtierende IHK-Chef von Südthüringen, Peter Traut, der eine Vertreterin schickte.

Zum Zeitverzug von einer guten Stunde beigetragen hatte auch die Geschäftsführerin des Hildburghäuser Bildungszentrums, Ulrike Hermes. Acht eng beschriebene DIN-A4-Seiten war ihre Begrüßungsrede lang. Sie erwähnte viele Firmen, Personen und Organisationen, die den Neubau unterstützt sowie den Eigenanteil von rund 800 000 Euro mit geschultert hätten. So zum Beispiel Landrat Thomas Müller, die Sparkasse, die Regionale Aktionsgruppe LEADER oder die Landesentwicklungsgesellschaft. Man habe damals eine wichtige Investition in die Zukunft getätigt, so Hermes. In den vergangenen zehn Jahren seien über 400 Lehrlinge im betrieblichen Ausbildungszentrum Eisfeld ausgebildet worden. Mit hervorragenden Ergebnissen. Die Auszeichnung mit vielen Bildungsfüchsen und Superfüchsen durch die IHK Südthüringen sprächen für die hohe Qualität der Ausbildung.

Mit den ‚Tagen der Offenen Tür‘ in der Eisfelder Einrichtung „haben wir viel getan, um unsere Wahrneh-mung in der Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern und zur Stärkung der dualen Berufsausbildung beizu-tragen“, sagte Hermes. Mehr als 2000 Schhulpflichtige der 8. und 9. Klassen seien mit Perspektiven und Chancen in der Industrie vertraut gemacht worden und konnten direkten Kontakt mit den Firmen aufnehmen, die sich dort präsentiert haben. Sie lobte die Zusammenarbeit mit den Berufsschulen in der Region ebenso wie mit der IHK Südthüringen und der Heimatzeitung „Freies Wort“. Das Ausbildungs-zentrum in Eisfeld gehöre heute zu den bundesweit innovativsten Ausbildungsstätten für Metallberufe.

Die vielen Wirtschaftsvertreter erzählten in der Diskussion amüsante Anekdoten aus der damaligen Gründungszeit. Am Ende des Festakts oder nach dem Rundgang konnten alle ein kleines Gastgeschenk mit nach Hause nehmen. Es handelt sich um einen von den Lehrlingen des Ausbildungszentrums angefertigten Zeitmesser mit dem Logo des Hildburghäuser Bildungszentrums. Vielleicht mahnt dieses Geschenk ja Redner, Moderator und Diskussionsteilnehmer daran, dass sich jeder hätte kürzer fassen können, um die vorgegebene Zeit von zwei Stunden für den Festakt bis zum Imbiss der Veranstaltung einzuhalten und nicht um eine satte Stunde zu überziehen. Das war in Zeiten der großen öffentlich-rechtlichen Fernsehshows eigentlich nur dem „Einer wird gewinnen“-Moderator Hans-Joachim Kulenkampff und dem „Wetten, das...“-Moderator Thomas Gottschalk vorbehalten.

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