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Mobilität und Energie

Der steinige Weg zum geteilten Auto

Für viele junge Menschen ist ein Auto kaum erschwinglich. Wenigstens zeitweise können Studenten und Auszubildende die Freiheit auf vier Rädern günstig genießen - mit Carsharing zum Uni-Tarif oder mit einem Mietwagen. Das klappt aber vor allem in Großstädten.



Mobil im Alltag: Junge Menschen müssen auf ein Auto nicht verzichten. Beim Carsharing können sie mitunter vergünstigte Tarife buchen. Allerdings ist das Angebot in der Region dünn.
Mobil im Alltag: Junge Menschen müssen auf ein Auto nicht verzichten. Beim Carsharing können sie mitunter vergünstigte Tarife buchen. Allerdings ist das Angebot in der Region dünn.  

Die Brieftasche von jungen Menschen quillt selten über. Das Budget für ein Auto hat nicht jeder. Dabei halten junge Erwachsene viel von Autos: 89 Prozent der Bundesbürger zwischen 18 und 24 Jahren mögen die Freiheit am Steuer, wie eine repräsentative GfK-Umfrage im Auftrag der Allianz-Versicherung aus dem Jahr 2014 zeigt. Neun von zehn jungen Erwachsenen (92 Prozent) haben bereits einen Führerschein. Häufig fehlt es jedoch am Geld, um den Wunsch nach uneingeschränkter Mobilität zu verwirklichen.

Auto fahren können junge Erwachsene trotzdem. Vergleichsweise günstig kommen angehende Akademiker beim Carsharing weg. Nach einer Untersuchung von Stiftung Warentest können Autos bereits ab 1,99 Euro pro Stunde auf Zeit gemietet werden. Der Vorteil: Kfz-Steuer, Versicherungsbeiträge, sowie Kosten für Reparaturen entfallen. "Einige Anbieter haben auch Studenten-Tarife im Programm", sagt Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbandes Carsharing (BCS).

Ein Anbieter mit Uni-Konditionen ist Cambio. Das Carsharing-Unternehmen unterhält stationsgebundene Autos in 19 Städten Deutschlands und bietet einen Campus-Tarif an. Studenten müssen keine monatliche Grundgebühr zahlen, die je nach Tarif und Stadt bei 3 bis 25 Euro liegen kann. Ebenfalls vergünstigt ist der Mietpreis bei vielen Automodellen. "Für junge Autofahrer wollen wir die Einstiegshürden zum Autofahren so niedrig wie möglich halten", sagt Bettina Dannheim, Sprecherin der Cambio-Gruppe. Mittlerweile nutzen schon mehr als 6220 Kunden den Campus-Tarif. Allerdings hat die Sache einen haken: In Thüringen ist Cambio nicht vertreten. Wer jedoch in Berlin, Bielefeld oder Oldenburg studiert, der kann auf das Angebot zurückgreifen.

Auch Flinkster, Carsharing-Dienst der DB Services GmbH und mit etwa 300 000 Kunden größter Anbieter stationsgebundener Autos, gewährt Nachlässe für Studenten. Doch auch hier gilt - wie fast immer beim Carsharing - die Angebite gibt es nur in großen Städten. Immerhin: Flinkster-Autos stehen auch in Erfurt, Gotha, Eisenach oder Jena bereit. In Ilmenau allerdings oder Schmalkalden, den beiden großen Hochschulen im Süden Thüringens: Fehlanzeige. Generell gelten die Flinkster-Rabatte für Studenten bislang nur in Trier, Oestrich-Winkel und Wiesbaden. "Wir sind gerade dabei, auch mit anderen Universitäten Kooperationen auszuhandeln", bestätigt ein Sprecher. Der größte Anbieter des stationsunabhängigen Carsharing, DriveNow mit 430 000 Kunden, bietet an manchen Universitäten ebenfalls Sondertarife an. Wo diese gelten, erfahren Studenten auf der Uni-Homepage. Doch auch bei dem Tochterunternehmen von BMW gilt: In Köln, Hamburg und Berlin ist es kein Problem, einmal einen Mini oder gar einen elektrisch angetriebenen I3 zu fahren. In Suhl, Ilmenau oder Bad Salzungen jedoch: Fehlanzeige.

Generell gilt: Carsharing ist derzeit noch ein Phänomen der Großstädte. In Meiningen gibt es mit Carsharing für Meiningen einen Anbieter in der Region. Eine andere Möglichkeit, Autos zu teilen, sind private Börsen im Internet. Tamyca, Autonetzer und Nachbarschaftsauto listen auf ihren Internet-Seiten auch Angebote von Privatleuten in Südthüringen auf, die ihr Auto gegen ein Entgelt zur Verfügung stellen. Allerdings bleibt hier die Frage der Versicherung relativ vage.

Wollen Studenten auf ein Festival, ins Ausland oder in die Heimat, ist ein Mietwagen die bessere Wahl. "Bei Ausflügen ab drei Tagen sind gemietete Autos in jedem Fall günstiger als ein Carsharing-Pkw", sagt Falk Murko, Mietwagen- und Reiseexperte bei der Stiftung Warentest. Beim klassischen Carsharing setzen sich die Preise aus Fahrtzeit und Kilometern zusammen. Je weiter und zeitintensiver die Tour ist, desto teurer wird es - dann sind die Kosten schnell höher als für einen Mietwagen.

Anbieter für Mietwagen wie Europcar, Hertz, Sixt und Avis bieten Vergünstigungen für Studenten an. Bei Hertz etwa bekommen Hochschüler Rabatt von 20 Prozent auf einen Pkw, wenn sie mindestens 19 Jahre alt sind und ihren Führerschein länger als ein Jahr haben. Auf solche Vergünstigungen sollten sich Studenten aber nicht verlassen. "Andere Anbieter sind unter Umständen ohne Studententarif günstiger", sagt Falk Murko. Preise vergleich Studenten am besten auf Mietwagenportalen im Netz. Stiftung Warentest empfiehlt nach einer kürzlichen Untersuchung vor allem die Seiten www.billiger-mietwagen.de, www.ihrmietwagen.de oder www.mietwagencheck24.de.

Für manche Studenten ist ein Auto auf Zeit zu wenig. Unabhängigkeit bietet für sie nur ein eigener Pkw, am besten ein günstiger Gebrauchtwagen. Der ADAC warnt jedoch davor, nur auf einen günstigen Preis zu schielen. Ein Kleinwagen mag für 2000 Euro zwar ein Schnäppchen sein. Doch mit 100 000 Kilometern auf dem Tacho ist das Risiko groß, dass der Wagen bei geringen Schäden zum wirtschaftlichen Totalausfall wird, erklärt Thomas Pitschi vom ADAC. "Über relevante Sicherheitssysteme wie ESP oder ABS sollte der Wagen in jedem Fall verfügen", so der Experte.

Studenten mit größerem Budget können sich unter Umständen einen Neuwagen leisten. Billigautos starten bereits bei knapp 7000 Euro. Der ADAC beurteilt Portale wie www.autohaus24.de, www.meinauto.de, www.carworld-24.de und www.netcar.de in Bezug auf Rabatte als "sehr gut". Grundsätzlich sollten Studenten beim Neukauf eines eigenen Wagens jedoch bedenken, dass der Wiederverkaufswert rasant sinkt: "Im ersten Jahr ist der Wertverlust am größten", sagt Vincenzo Lucà vom Tüv Süd. Je nach Laufleistung und Modell können Autos nach drei Jahren nur noch die Hälfte wert sein.

Entschließen sich Studenten zum Kauf, kommen hohe Beitragssätze für die Kfz-Versicherung obendrauf. Bei Fahranfängern liegt der Beitrag bei 230 bis 240 Prozent über dem Basistarif, weil sie mit der niedrigsten Schadenfreiheitsklasse einsteigen. "Glück haben Studenten jedoch, wenn die Eltern das Auto als Zweitwagen versichern", erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Wenn der Wagen bei Mutter oder Vater registriert ist, sinken die Beitragssätze auf 100 Prozent. Später können Eltern ihre Schadenfreiheitsklasse für den Zweitwagen auf den Nachwuchs übertragen, der damit günstiger einsteigen kann.

Stressiger Weg zu Arbeit

Viele Berufstätige kommen schon gestresst bei der Arbeit an: Laut einer GfK-Umfrage muss knapp jeder Vierte, genau 23,8 Prozent, mit dem Auto zu seinem Arbeits- oder Ausbildungsplatz fahren und ist davon sehr gestresst. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, macht es auch nicht unbedingt besser: Gut zehn Prozent (11,7 Prozent) sind auf Bus, Bahn und Co. angewiesen - und auch sehr gestresst. Jeder fünfte Befragte (19,9 Prozent) empfindet seinen Arbeitsweg als viel zu lang. Die GfK befragte im Auftrag der Apotheken Umschau 1359 Männer und Frauen, die berufstätig oder in der Ausbildung sind.

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Von Alexander Tietz und Jolf Schneider
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Veröffentlicht am:
22. 10. 2015
00:00 Uhr

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Von Alexander Tietz und Jolf Schneider

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22. 10. 2015
00:00 Uhr



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