Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Wissenschaft

Zu hoher Fleischkonsum, zu viel Rodung

Am Donnerstag veröffentlicht der Weltklimarat IPCC einen Sonderbericht. Im Fokus: Klimawandel und Landnutzung. Schon jetzt ist klar: Die Essgewohnheiten des Westens und die Lebensmittelverschwendung sind ein großes Problem.



Weltklimarat
Rindfleisch braucht 20 Mal so viel Land und es entstehen 20 Mal so viele Treibhausgase pro Gramm essbaren Eiweißes wie bei pflanzlichen Eiweißen.   Foto: Monika Skolimowska

Rund 820 Millionen Menschen weltweit sind unterernährt. Auf der anderen Seite gibt es einen sehr hohen Fleischkonsum, der viel Land verbraucht, und viele Lebensmittel werden einfach weggeworfen.

Die wachsende Weltbevölkerung auf gerechte Weise mit ausreichend Lebensmitteln zu versorgen ist eine gewaltige Herausforderung - und sie wird durch den Klimawandel noch größer. Die Landwirtschaft braucht Flächen, zugleich sind aber auch viele Wälder nötig, denn sie speichern das Treibhausgas Kohlendioxid. «Die Nahrungsmittelsicherheit und der Schutz der Wälder sollten unverhandelbar sein», sagt Charlotte Streck, Mitgründerin des Thinktanks Climate Focus. Ein Widerspruch?

Nein, sagt Streck, das Entweder-Oder-Spiel stört sie. Beides sei möglich. Die aus ihrer Sicht wichtigsten Hebel: Den Fleischkonsum senken und den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen forcieren. «Rindfleisch ist besonders ressourcenintensiv. Es braucht 20 Mal so viel Land und es entstehen 20 Mal so viele Treibhausgase pro Gramm essbaren Eiweißes wie bei pflanzlichen Eiweißen, etwa aus Bohnen, Erbsen oder Linsen», erklärt Streck. Und die Ressource Land ist begrenzt. Zudem werden nach Angaben der Welternährungs- und landwirtschaftsorganisation FAO ein Drittel der Lebensmittel weltweit weggeworfen.

Diese Fakten wird aller Voraussicht nach auch der Sonderbericht des Weltklimarats IPCC deutlich machen, der am Donnerstag in Genf veröffentlicht wird und der sich vor allem mit der Landnutzung und dem Klimawandel beschäftigt.

Die Situation ist schwierig. Der Bericht könnte daher auch eine scharfe Mahnung an die Weltbevölkerung, die Politik und die Wirtschaft enthalten. «Zu einer Zeit, in der wir es uns am wenigsten erlauben können, verlieren wir fruchtbaren Boden und biologische Vielfalt in einem alarmierenden Tempo», sagte die Geschäftsführerin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep), Inger Andersen, bereits am Freitag zur Eröffnung der mehrtägigen IPCC-Sitzung. «Wir müssen die Nutzung unserer Landflächen an den Klimawandel anpassen, damit wir die Nahrungsmittelproduktion für die heutige und für zukünftige Generationen sicherstellen können.»

Ein großes internationales Forscherteam hat für den IPCC in den vergangenen Jahren eine sehr umfangreiche Analyse über den derzeitigen weltweiten Wissensstand zu diesen Themen erstellt. Seit Freitag sitzen vor allem politisch Delegierte der IPCC-Mitliedsländer in Genf zusammen und beraten über die Zusammenfassung der Analyse. Den so entstandenen Report will der IPCC am Donnerstag präsentieren. Das einwöchige Prozedere soll dafür sorgen, dass der IPCC-Sonderbericht auch von den Mitgliedsländern anerkannt wird.

Dass nun überhaupt über die Rolle der Wälder und der Landwirtschaft diskutiert wird, wertet Expertin Streck bereits als einen großen Erfolg. «Das Thema betrifft uns direkt, wir sehen brennende Wälder, viel Schädlingsbefall. Die Waldqualität geht ja auch bei uns bergab», sagt Streck, die vor allem einem Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen viel Potenzial beimisst.

«Die Klima-Modelle werden immer wilder, wenn wir an den fossilen Brennstoffen festhalten und immer mehr Aufforstungsflächen zur Kompensation ausweisen müssen.» Ein Ende der fossilen Brennstoffe würde also viel Druck aus der Debatte um mögliche Landkonflikte nehmen. Der globale Ausstoß etwa von Kohlendioxid (CO2) müsste nach dem jüngsten IPCC-Bericht zum 1,5-Grad-Ziel von 2010 bis 2030 um 45 Prozent fallen und im Jahr 2050 Null erreichen.

Neben einem nachhaltigen Landmanagement werden Themen wie Dürren, Versteppung, Hitzewellen und Überschwemmungen in dem Bericht eine Rolle spielen. Der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, Hoesung Lee, betonte vergangenen Freitag vor allem die symbolische Wirkung auf die Öffentlichkeit, die der Report aussenden könnte. «Ich hoffe, dass wir die Aufmerksamkeit der Menschen für die Gefahren und Herausforderungen erhöhen können, die der Klimawandel für das Land bereithält, auf dem wir leben und das uns ernährt.»

Veröffentlicht am:
07. 08. 2019
11:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Biodiversität Biologie Fleischkonsum Hitzewellen Hochwasser und Überschwemmung Intergovernmental Panel on Climate Change Klimaveränderung Lebensmittelsicherheit Treibhausgase UNO Umweltprogramm der Vereinten Nationen Wald und Waldgebiete Weltbevölkerung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bodennutzung

02.08.2019

Weltklimarat: Mangel an fruchtbaren Böden droht

Der Erdboden ist eines der wertvollsten Vermögen der Menschheit, sagt die Chefin des UN-Umweltprogramms. Doch wird mit den Landflächen nachhaltig genug umgegangen? Der Weltklimareport geht dieser Frage nach. » mehr

Abgeholzt

22.05.2020

UN-Report: Mit dem Verschwinden des Waldes sterben die Arten

Jedes Jahr verschwinden von der Erde rund zehn Millionen Hektar Wald - das ist eine Fläche, die fast so groß ist wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen. » mehr

Baumfällungen in der EU haben stark zugenommen

01.07.2020

Baumfällungen in der EU haben stark zugenommen

In der EU werden Forschern zufolge immer mehr Waldflächen gefällt. Das könnte auch Auswirkungen auf das Klima haben. In Deutschland sieht es jedoch anders aus. » mehr

Klimaschutz

05.11.2019

Bericht: Klimaschutz-Pläne weltweit meist unzureichend

Kurz vor der nächsten Weltklimakonferenz haben Experten unter die Lupe genommen, was die Staaten bisher im Rahmen des Paris-Abkommens versprechen. Das Ergebnis ist ernüchternd - es gibt aber Ausnahmen. » mehr

Eisberg

31.03.2020

Hitzewelle in der Antarktis

Auf der Antarktischen Halbinsel ist es zu warm. Experten haben eine Aneinanderreihung von mindestens drei Tagen mit extrem hohen Temperaturen gemessen und befürchten drastische Auswirkungen. » mehr

Eis auf Flüssen geht zurück

06.01.2020

Weniger Eis auf Flüssen durch Klimaerwärmung

Das Eis auf Flüssen dient in manchen Regionen als wichtiger Transportweg. Auch der Einfluss auf Ökosysteme ist groß. Wie wird sich die winterliche Eisbedeckung mit dem Klimawandel verändern? Ein deutliches Minus droht Fo... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Motorradunfall Linden

Motorradunfall Linden | 10.07.2020 Linden
» 7 Bilder ansehen

Verkehrsunfall Oberhof Oberhof

Unfall Oberhof | Oberhof
» 6 Bilder ansehen

Verkehrsunfall Hildburghausen Hildburghausen

Verkehrsunfall Hildburghausen | 07.07.2020 Hildburghausen
» 11 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
07. 08. 2019
11:29 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.