Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Wissenschaft

Wie Deutschland im Weltall punkten will

Der Weltraum bietet Platz, Rohstoffe, Forschungspotenzial und bald vielleicht sogar frisches Gemüse. Also alle ab ins All? Deutschland setzt große Hoffnungen auf die Raumfahrt. Doch um erfolgreich zu sein, braucht es Personal, Geld und neue Regeln.



Wettbewerbsfähig bleiben
Eine Ariane 5 Rakete startet 2016 in Französisch-Guyana.   Foto: S Martin/Arianespace Cnes/Csg/ARIANESPACE

Die Menschheit im Weltraum - für viele klingt das futuristisch und ziemlich weit weg. Doch die ersten Touristen haben schon einen Trip zum Mond gebucht.

Noch ein paar Jahre später wird wohl sogar das gelingen, was Wissenschaft und Industrie mit Hochdruck vorbereiten: dass Menschen den Mars betreten. Für die Forschung, aber auch die Industrie, ist der Weltraum eine Goldgrube - eine Goldgrube, in der Deutschland neben großen Weltraumnationen wie Russland oder den USA vorne mitspielen will.

«Klar ist: Wir wollen wettbewerbsfähig sein», sagte Deutschlands Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU), am Donnerstag in Berlin bei einer Gesprächsrunde mit Teilnehmern aus Politik, Wissenschaft und Industrie.

Vor wenigen Wochen schickte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt einen Satelliten mit Gewächshaus ins All, auf dem Tomaten sprießen sollen, die mit dem Urin von Astronauten bewässert werden. Kurz vor Weihnachten kehrte der deutsche Astronaut Alexander Gerst von der Internationalen Raumstation (ISS) zurück. Nächstes Jahr soll die Ariane 6 ihr Debüt feiern, die neueste Version der europäischen Trägerrakete mit starker deutscher Beteiligung. Das sind nur einige von vielen Weltraumprojekten, die Deutschland vorantreibt.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Luxemburg etwa hat sich das Ziel gesetzt, bei den Großen im All mitzuspielen. Neben steuerlich günstigen Bedingungen hat das Land noch etwas, das Deutschland bisher nicht hat: ein Weltraumgesetz. Für Unternehmer bietet das mehr rechtliche Sicherheit. Die Bundesregierung will diese Lücke schließen und im Jahr 2020 einen Entwurf für ein solches Gesetz vorlegen. In der vergangenen Wahlperiode war ein ähnlicher Vorstoß gescheitert.

«Wir müssen verhindern, dass eine Gesetzeslage geschaffen wird, bei der Start-Ups in andere Länder abwandern», mahnt das Präsidiumsmitglied des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Andreas Hammer. Jarzombek zufolge soll das Gesetz Deutschlands Position im internationalen Wettbewerb stärken. Es soll etwa regeln, wer haftet, wenn Schäden entstehen. Beim Thema Weltraumbergbau, also der Gewinnung von Rohstoffen aus dem All, plädiert der Raumfahrt-Koordinator hingegen für Regeln auf der Ebene der Vereinten Nationen. Die Bundesregierung berate aber darüber, ob man zu Forschungszwecken etwa den Abbau geringer Mengen seltener Erden auf Asteroiden erlaube.

Im vergangenen Jahr lag der Umsatz der deutschen Luft- und Raumfahrt nach Angaben des Bundesverbands bei 40 Milliarden Euro und damit sechs Prozent höher als im Jahr zuvor. Fast drei Viertel davon machen Exporte aus. Doch die wachsende Branche will mehr: Deutschland solle 500 Millionen Euro bis 2020 locker machen, fordert Hammer. Jarzombek sieht in der Raumfahrt auch eine große Chance für den Mittelstand. «Da gibt es viele Hidden Champions», sagte er. Diese wolle man fördern.

Damit auch der Nachwuchs ins All strebt, sollten naturwissenschaftliche Fächer besser gefördert werden, fordern die Industrievertreter. «Wir brauchen hochqualifizierte Mitarbeiter», sagt Hammer. «Wir müssen für die Raumfahrt begeistern.» 2017 beschäftigte die Branche rund 109 500 Menschen.

So kompliziert und schwer greifbar der Weltraum auch ist - er ist und bleibt auch ein Sehnsuchtsort. Selbst Raumfahrt-Unternehmer schwärmen davon, wie sehr Mars-Missionen die Menschen berühren. Und Jarzombek berichtet von Vorwürfen seiner Frau, er habe den gemeinsamen Sohn «spacified» (zu deutsch: «weltraumisiert»). «Einmal von außen auf die Erde zu gucken ist etwas, das viele fasziniert», sagt Deutschlands Mann fürs All. «Mich auch.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 01. 2019
15:30 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alexander Gerst Asteroiden Bewässerung Bundesverbände CDU Deutsche Presseagentur ISS Mars Mars-Missionen Naturstoffe und Naturmaterialien als Wirtschaftsgüter Rechtssicherheit Thomas Jarzombek Trägerraketen UNO Weltall
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Alexander Gerst

07.06.2019

Alexander Gerst über der Sinn einer Mondmission

50 Jahre ist es her, dass Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betreten hat. Zum Jubiläum sprechen in Erfurt zwei große deutsche Astronauten über den Zweck der Raumfahrt - und darüber, wofür sie nicht stehen soll. » mehr

Mark und Scott Kelly

11.04.2019

Zwillingsstudie zeigt Folgen eines längeren All-Aufenthalts

Fast ein ganzes Jahr verbrachte Scott Kelly auf der Internationalen Raumstation. Sein Zwillingsbruder Mark Kelly blieb währenddessen auf der Erde. Beide wurden in dieser Zeit intensiv untersucht - jetzt sind erste Ergebn... » mehr

Roboter-Maulwurf

06.03.2019

Aus nach 30 Zentimetern: Deutscher Marsmaulwurf hängt fest

Bei seinem Einsatz hat sich der deutsche Marsmaulwurf rasch in den Boden gebohrt - kam aber nur 30 Zentimeter tief. Nun macht er wegen eines Hindernisses erstmal Pause. » mehr

Roboter-Maulwurf gräbt auf dem Mars

02.03.2019

4000 Hammerschläge auf dem Roten Planeten

Vier Stunden lang hämmerte sich der Marsmaulwurf bei seinem ersten Einsatz in den Boden. Der Roboter gelangte nicht allzuweit in die Tiefe. Wahrscheinliche Ursache: ein Stein. » mehr

Mondmission

17.06.2019

Koordinator: Deutschland ist gerne bei Mondmission dabei

Bei der Rückkehr zum Mond hat Deutschland den USA Unterstützung signalisiert, aber zugleich klare Aussagen eingefordert. » mehr

Nasa-Lander «InSight»

27.11.2018

Nasa-Roboter «InSight» sicher auf dem Mars gelandet

Jubel und Freudentränen bei der Nasa: Nach dem Rover «Curiosity» 2012 ist nun auch der Roboter «InSight» erfolgreich auf dem Mars gelandet. Mit an Bord ist ein deutscher «Marsmaulwurf». Ersten Anzeichen nach funktioniert... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Festumzug zum Meininger Stadt- und Hütesfes Meiningen

Festumzug zum Meininger Stadt- und Hütesfest | 16.06.2019 Meiningen
» 71 Bilder ansehen

Gestohlene Kunstgegenstände Bad Liebenstein

Gestohlene Kunstgegenstände Bad Liebenstein | 17.06.2019 Bad Liebenstein
» 7 Bilder ansehen

Schaumburgfest Schalkau Schalkau

Schaumburgfest | 16.06.2019 Schalkau
» 11 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 01. 2019
15:30 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".