Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wissenschaft

WHO will mehr Studien über Mikroplastik im Trinkwasser

Der Plastikmüll belastet die Erde - auch in seiner kleinsten Form. Die Weltgesundheitsorganisation hat Studien zum Mikroplastik im Trinkwasser ausgewertet - und noch viele Fragezeichen dazu.



Trinkwasser
Nach Überzeugung der WHO muss das Vorkommen von Mikroplastik im Trinkwasser und seine etwaigen gesundheitlichen Auswirkungen noch viel genauer untersucht werden.   Foto: Patrick Pleul, dpa

Die Vorkommen von Mikroplastik im Trinkwasser und seine etwaigen gesundheitlichen Auswirkungen müssen nach Überzeugung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch viel genauer untersucht werden.

Das gelte für die Verbreitung dieser Partikel und auch für die Risiken, teilte die WHO am Mittwoch in Genf mit. «Basierend auf den begrenzt verfügbaren Informationen scheint Mikroplastik im Trinkwasser auf dem jetzigen Niveau kein Gesundheitsrisiko darzustellen», so die WHO-Expertin Maria Neira. Andere Verunreinigungen des Wassers seien aus heutiger Sicht wesentlich bedeutsamer, sagte WHO-Experte Bruce Gordon.

Es gelte in jedem Fall, die Wissensbasis zu erweitern und vor allem das Wachsen des weltweiten Plastikmüllbergs zu stoppen. «Mikroplastik ist überall in der Umwelt, auch im Wasserkreislauf», heißt es in dem WHO-Report.

Woher das Mikroplastik im Trinkwasser im Detail stammt, ist oft unklar. Wichtige Quellen seien Regen- oder Schmelzwasser und Abwasser. Insgesamt seien die verfügbaren Studien aber zu lückenhaft, um das jeweilige Ausmaß dieser Zuflüsse genauer zu bestimmen oder die Quellen noch exakter zu erfassen. «Darüber hinaus kann eine Verschmutzung auch bei anderen Prozessen wie der Behandlung, der Verteilung und dem Abfüllen passieren.»

Im Jahr 2017 seien weltweit rund 348 Millionen Tonnen Plastik, ohne Berücksichtigung der Produktion von Fasern, angefallen. Diese Menge werde sich angesichts des Bevölkerungswachstums, des Verbrauchs und des Wegwerfverhaltens bis 2025 verdoppeln und bis 2050 wohl verdreifachen, schätzt die WHO. Der Markt sei riesig. Allein in Europa stellten 60 000 Firmen mit 1,5 Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von 355 Milliarden Euro Plastik her.

Mit einer fachgerechten Reinigung könne das Abwasser von 90 Prozent des Mikroplastiks gereinigt werden. Das gelte auch für die Behandlung von Trinkwasser, so die WHO weiter. Das Problem sei, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung aktuell nicht in den Genuss einer adäquaten Wasser- und Abwasserbehandlung komme.

Den Ruf nach mehr Forschung insbesondere bei der möglichen Wirkung von Mikroplastik über 150 Mikrometer teilt auch der Umweltmediziner Hanns Moshammer von der Medizinischen Universität Wien. «Gesunde Haut oder Schleimhaut stellt tatsächlich eine recht effiziente Barriere gegenüber größeren Teilchen dar.» Forschungsbedarf bestehe aber zum Barriereverhalten von erkrankter Haut oder Schleimhaut - zum Beispiel nach Verletzungen oder bei Entzündungen.

Jüngst hatte ein Forscherteam unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven berichtet, dass Mikroplastik-Teilchen im Schnee aus der Luft auf die Erdoberfläche rieseln - selbst in der abgelegenen Arktis. Die winzigen Teilchen werden in der Atmosphäre transportiert und können so über weite Strecken verteilt werden.

Menschen nehmen nach Angaben australischer Forscher täglich Mikroplastik zu sich - durch Nahrung, Trinkwasser oder durch bloßes Atmen. Bis zu fünf Gramm der winzigen Teilchen kommen so pro Woche in den Körper - abhängig von den Lebensumständen. Eine Kreditkarte wiegt in etwa fünf Gramm. Die Untersuchung basiert auf Daten zu Mikroplastik - also Teilchen kleiner als 5 Millimeter - in der Atemluft, im Trinkwasser, in Salz, Bier und in Schalentieren.

In deutschem Leitungswasser sei erheblich weniger Mikroplastik entdeckt worden als in Mineralwasser, sagte Martin Wagner von der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim. Es sei davon auszugehen, dass Kläranlagen den Großteil der Plastikpartikel entfernen. «Das Problem hierbei ist allerdings, dass sich das Mikroplastik dann im Klärschlamm befindet und wieder in die Umwelt gelangt, wenn der Klärschlamm zur Düngung in der Landwirtschaft verwendet wird.» Über die gesundheitlichen Auswirkung von Mikroplastik könne man noch keine generellen Aussagen machen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 08. 2019
08:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abwasser Arktis Forscherteams Gesundheitsgefahren und Gesundheitsrisiken Klärschlamm Kranke Martin Wagner Mikroplastik Plastikmüll Trinkwasser Umwelt Universität Wien Weltgesundheitsorganisation
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mikroplastik im Meer

20.11.2019

Mikroplastik belastet Mantarochen und Walhaie

Mantarochen und Walhaie gehören zu den größten Tieren in den Weltmeeren. Was ihnen in den gewaltigen Schlund strömt, können sie nicht bestimmen - zunehmend ist es Plastikmüll. Vor allem kleine Mikroplastik-Teilchen seien... » mehr

Mikroplastik

14.08.2019

Studie: Es schneit Mikroplastik

Winzige Plastikteilchen finden sich in den Tiefen der Meere, an entlegenen Stränden und fernen Bergregionen. Selbst in der Arktis ist Mikroplastik nachgewiesen. Wie es dort hingelangt, haben Forscher nun untersucht. » mehr

Tuberkulose

17.10.2019

WHO braucht Geld für Tuberkulose-Prävention bei Kindern

Die Kinder von Tuberkulose-Patienten müssen besser geschützt werden, vor allem in Ländern mit niedrigem Einkommen, verlangt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Nur ein Viertel der Kinder unter fünf Jahren, die mit Tub... » mehr

Schwammspinner

21.06.2019

Klimawandel ein Grund für Schwammspinner-Raupenplagen

Die Raupen des Schwammspinners sind derzeit in einigen deutschen Regionen eine Plage - nach Ansicht eines Experten liegt das auch am Klimawandel. » mehr

Ebola-Virus

15.08.2019

Ebola-Ausbruch im Kongo: Burundi startet Impfkampagne

Wegen des Ebola-Ausbruchs im Kongo hat nun auch das Nachbarland Burundi eine Impfkampagne gegen die gefährliche Krankheit gestartet. Zunächst würden rund 4000 Menschen geimpft, sagte Susannah Savage, eine Sprecherin der ... » mehr

Sauberes Trinkwasser?

18.06.2019

Milliarden Menschen noch ohne sauberes Trinkwasser

Zwar haben heute mehr Menschen sauberes Trinkwasser und Toiletten als vor 20 Jahren, aber die Qualität lässt oft zu wünschen übrig, stellen die UN fest. Viel zu viele Menschen sterben deshalb weiter an vermeidbaren Krank... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Hubschrauber-Säge Baumbeschneidung Sonneberg Sonneberg

Baumfällarbeiten Sonneberg | 09.12.2019 Sonneberg
» 37 Bilder ansehen

Meiningen Mallorca Party

Meiningen Mallorca Party | 08.12.2019 Meiningen
» 138 Bilder ansehen

Weihnachtsmarkt in Eisfeld Eisfeld

Weihnachtsmarkt Eisfeld | 08.12.2019 Eisfeld
» 53 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 08. 2019
08:02 Uhr



^