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Wissenschaft

Tigermücke hat sich in Deutschland kaum weiter ausgebreitet

Zika, Chikungunya, Dengue - alle drei Tropenkrankheiten wurden in Ländern Europas bereits von dort lebenden Mücken auf Menschen übertragen. Von Tigermücken, die es auch in Deutschland gibt. Wie war der Sommer für die eingewanderte Art?



Tigermücke
Die Asiatische Tigermücke kann auch in Europa Tropenkrankheiten übertragen.   Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE/dpa

Die Asiatische Tigermücke, die auch in Europa Tropenkrankheiten übertragen kann, hat sich in diesem Jahr in Deutschland wahrscheinlich wenig ausgebreitet.

«Wir kennen nur zwei neue Populationen in Bayern. Eine in München und eine in Fürth», sagte Doreen Werner, Mückenforscherin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung im brandenburgischen Müncheberg (Zalf). Nachweise habe es darüber hinaus nur an bereits bekannten Fundstellen gegeben, zum Beispiel in Frankfurt (Main), Heidelberg, Freiburg, dem Oberrheingraben und Jena.

Tigermücken können tropische Erreger wie Zika-, Chikungunya- und Dengue-Virus übertragen. Für Deutschland gilt das bisher noch als wenig wahrscheinlich, weil sich die Viren - abgesehen von Chikungunya - nur bei hohen Temperaturen gut in den Mücken vermehren können. In Südfrankreich wurden in dieser Woche aber die ersten Zika-Fälle in Europa gemeldet, die von dort heimischen Tigermücken übertragen wurden. Dieses Virus ist vor allem für Schwangere gefährlich, da es beim ungeborenen Kind zu Hirn- und Schädelfehlbildungen führen kann.

Eine repräsentative Übersicht über die Tigermücken-Bestände in Deutschland gibt es nicht. Für Hinweise auf Populationen ist die Wissenschaftlerin Doreen Werner auf die Mithilfe der Bevölkerung für das Forschungsprojekt «Mückenatlas» angewiesen. Jeder Interessierte kann dafür tote Stechmücken - gleich welcher Art - an das Zalf in Müncheberg schicken. Dort werden alle Blutsauger in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit bestimmt. Bislang schickten private Mückenjäger rund 24.400 Tiere ein. In Deutschland gibt es geschätzt 50 unterschiedliche Mückenarten, weltweit rund 3500.

Asiatische Tigermücken waren in Deutschland früher nicht heimisch. Mit dem Klimawandel hat sich das geändert. Theoretisch könnten Tigermücken inzwischen sogar im Norden Deutschlands überleben, erläuterte Werner. Das hätten kontrollierte Tests auf der Ostsee-Insel Riems gezeigt. Nachgewiesen wurden die Blutsauger im Norden bisher noch nicht.

Tigermücken sind weiß gestreift. Sie umkreisen ihre Opfer in Schwärmen, verfolgen sie penetrant und greifen auch beim Verscheuchen schon nach wenigen Sekunden wieder an. Bekommt Doreen Werner ein totes Exemplar zugeschickt, fährt sie meist sofort zur Fundstelle. Manchmal ist es falscher Alarm und Tigermücken sind zum Beispiel in einem Auto nach der Urlaubsrückkehr mit eingereist. Gibt es aber eine Population, werden lokale Behörden für eine Bekämpfung informiert. Manche Bestände sind so eliminiert worden und von der Karte im Mückenatlas wieder verschwunden.

Bei der Bekämpfung von Mücken sei die Hilfe der Bevölkerung gefragt, betonte auch Norbert Becker von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) in Speyer. Von der Regentonne über die Gießkanne zur Vogeltränke - offene Wasserstellen in Gärten seien Brutstätten für Mücken und müssten ausgetrocknet oder abgedeckt werden. Der Experte empfiehlt auch sogenannte BTI-Tabletten für Regenfässer. Der biologische Wirkstoff zerstört den Darm von Mückenlarven und tötet sie. Gerade bei der Tigermücke sei Aufmerksamkeit geboten. «Es ist wichtig, dass alle mitmachen. Ein oder zwei Grundstücke können ganze Gebiete verseuchen.»

Die Forscher wollen die Ausbreitung der Art auch mit Hilfe sterilisierter Männchen eindämmen. Einige 100.000 Exemplare haben sie zwischen April und Oktober ausgesetzt. «Es scheint sehr gut zu funktionieren», so Becker.

In einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Krankenkasse KKH haben exotische Mücken in Deutschland Angst-Potenzial: Knapp die Hälfte (43 Prozent) der Befragten sorgt sich vor einer Übertragung gefährlicher Krankheiten. Befragt wurden 2019 rund 1000 Menschen im Alter von 18 bis 70 Jahren.

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dpa

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Veröffentlicht am:
25. 10. 2019
13:46 Uhr

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dpa

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25. 10. 2019
13:46 Uhr



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