Lade Login-Box.
Topthemen: Südthüringen kocht 2020Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wissenschaft

Tier-Mumien: Ägypter opferten Millionen heiliger Vögel

Heilige Ibisse wurden im antiken Ägypten zu Millionen geopfert und in Kultstätten gelagert. Der Vogel verkörperte den Gott der Weisheit und Wissenschaft, Thot. Doch wie kamen die Priester vor rund 2500 Jahren an solche Massen an wilden Tieren?



Heiliger Ibis
Wildlebende Ibisse gibt es heute vor allem in afrikanischen Ländern.   Foto: Daniel Karmann/dpa

Etliche Millionen mumifizierte Vögel finden sich in Kultstätten des alten Ägypten, mitunter stapeln sie sich über Kilometer hinweg in den Katakomben.

Gerätselt wurde bisher, woher die Massen an Heiligen Ibissen (Threskiornis aethiopicus) kamen, die bei Opferritualen vor rund 1800 bis 2700 Jahren getötet wurden. Im Fachjournal «PLOS ONE» vorgestellte Erbgutanalysen weisen nun darauf hin, dass wildlebende Ibisse und keine gezielt über Generationen in Massentierhaltung gezogenen verwendet wurden.

Für ihre Analyse hatten die Forscher um Sally Wasef von der Griffith University in Australien das Erbgut von 40 mumifizierten Ibissen aus sechs ägyptischen Katakomben untersucht. Über einen Vergleich mit der DNA von 26 wildlebenden Ibissen aus zehn afrikanischen Regionen wie Südafrika, Simbabwe, Tansania und Madagaskar bestimmten sie die genetische Vielfalt der heutigen und der vor etwa 2500 Jahren geopferten Vögel.

Die Vielfalt sei in beiden Gruppen ähnlich, berichten die Forscher. Das weise darauf hin, dass wildlebende, höchstens kurz in Gefangenschaft gehaltene Exemplare geopfert wurden - und nicht etwa über Generationen hinweg in speziellen Farmen gezüchtete. Bei gezielter Zucht wäre demnach eine weitaus geringere genetische Vielfalt zu erwarten.

Möglicherweise seien die Tiere von Priestern in ihrem natürlichen Lebensraum - an Gewässern - gefüttert und gezähmt worden oder kurz vor anstehenden Opferritualen gefangen und in Gehegen gehalten worden. «Wenn sie bewusst gezüchtet wurden, dann vermutlich nur für kurze Zeiträume (etwa eine einzige Saison), bevor sie geopfert und beerdigt wurden», erläutern die Wissenschaftler.

Der Heilige Ibis hat weißes Gefieder, einen schwarzen Kopf und ist gut an seinem langen, gekrümmten Schnabel erkennbar. Aus Ägypten verschwand er um das Jahr 1850, heute ist er vor allem in Afrika verbreitet. Im antiken Ägypten galt er als heiliger Vogel, der den Gott der Weisheit und Wissenschaft, Thot, verkörperte.

Die Tiere wurden in den Jahren von etwa 660 vor bis 250 nach Christus massenhaft geopfert und in Grabstätten gelagert. Archäologen entdeckten etliche mumifizierte Vögel in Tongefäßen, die in Katakomben kilometerweit vom Boden bis zur Decke gestapelt wurden - etwa in der bekannten Nekropole Sakkara am Nil. Allein in dieser Anlage seien jährlich Zehntausende Ibismumien deponiert worden, insgesamt rund 1,75 Millionen, so die Forscher. In der Tiernekropole von Tuna el-Gebel seien es sogar vier Millionen - so viele wie von keiner anderen Stätte bekannt.

Mit dem Verschwinden der Art in Ägypten im 19. Jahrhundert dürften die Rituale nichts zu tun haben. Wissenschaftler vermuten eher, dass Bevölkerungswachstum, Städtebau und die Zerstörung von Lebensräumen zum Ende des Heiligen Ibis in Ägypten führten.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 11. 2019
08:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Archäologen Das alte Ägypten Desoxyribonukleinsäure Erbinformationen Geistliche und Priester Genetik Jesus Christus
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Uralt-Welpe

01.12.2019

Welpe 18.000 Jahre im sibirischen Eis konserviert

Der Welpe wurde nur wenige Wochen alt. Dann, vor vielen Tausend Jahren, starb das Tier. Nun hat der Permafrost Sibiriens das vollständig konservierte Jungtier wieder freigegeben. » mehr

He Jiankui

03.06.2019

Gen-Babys: Schutz vor Aids erhöht Risiko für andere Leiden

Der Chinese He Jiankui schockierte Menschen 2018 weltweit mit der Behauptung, zwei Babys per Gentechnik gegen Aids geschützt zu haben. Es gab einen Aufschrei wegen des Eingriffs, doch nun kommen auch noch echte gesundhei... » mehr

Bild mit Video von Qin Jinzhou

09.05.2019

Ethikrat: Eingriffe in Erbgut von Nachkommen unzulässig

Die Möglichkeiten für Genmanipulationen an werdenden Menschen nehmen rasant zu. Doch was ist überhaupt zu verantworten? Wissenschaftler, die den Bundestag beraten, mahnen - vorerst - zu Zurückhaltung. » mehr

Forscher entdecken uralte Grabenanlage

14.10.2019

Forscher entdecken nahe Tübingen uralte Grabenanlage

Der archäologische Fund eines Skeletts aus der frühen Jungsteinzeit wirft Rätsel auf. Schmuckstücke aus Kalksteinperlen - sonst eher im Raum der Karpaten zu finden - sind Grund des Rätsels, aber möglicherweise gleichzeit... » mehr

Genveränderte Affen

25.01.2019

China klont erstmals genveränderten Affen

Gerade erst erschütterte China ein Skandal um genveränderte Babys. Jetzt wurden die ersten genveränderten Klonaffen verkündet. Diesmal soll alles nach internationalen Regeln abgelaufen sein. » mehr

«Zauberschatz» von Pompeji

13.08.2019

Archäologen entdecken «Zauberschatz» in Pompeji

Archäologen haben in Italiens berühmtester Ausgrabungsstätte Pompeji einen Fund gemacht, der selbst Experten Rätsel aufgibt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Jubiläum Meininger Tageblatt Meiningen

Meininger Tageblatt Jubiläum | 24.01.2020 Meiningen
» 43 Bilder ansehen

WG: Brand Meiningen Meiningen

Brand Meiningen | 24.01.2020 Meiningen
» 13 Bilder ansehen

Auto überschlägt sich und landet auf Dach Suhl

Unfall Suhl | 23.01.2020 Suhl
» 6 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 11. 2019
08:34 Uhr



^