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Wissenschaft

SpaceX: Software an Satelliten-Ausweichmanöver schuld

Weil die Gefahr einer Kollision steigt, müssen zwei Satelliten im Weltraum ihren Kurs ändern. Die Esa kontaktiert das US-Unternehmen SpaceX. Doch das sieht keinen Grund zum Handeln - wohl wegen einer Computer-Panne.



Aeolus und Starlink 44
Grafische Darstellung der Flugbahnen von "Aeolus" und "Starlink 44".   Foto: Esa

Nach dem Ausweichmanöver eines europäischen Esa-Satelliten mit einem «Starlink»-Satelliten von SpaceX macht das US-Raumfahrtunternehmen seine Software für mangelhafte Kommunikation verantwortlich.

SpaceX verwies gegenüber der Deutschen Presse-Agentur auf einen Fehler in seinem Nachrichtensystem. Dies habe dazu geführt, dass ein Mitarbeiter nicht gesehen habe, dass die US-Luftwaffe die Wahrscheinlichkeit einer Kollision beider Satelliten hochgestuft hatte.

«Hätte der Starlink-Mitarbeiter die Korrespondenz gesehen, hätten wir uns mit der ESA abgestimmt, um den besten Lösungsansatz zu ermitteln (...)», teilte das private Raumfahrtunternehmen aus Kalifornien mit. SpaceX werde das Problem untersuchen und beheben.

Nach Angaben der europäischen Raumfahrtorganisation Esa hatte ein Satellit der Agentur am Montag erstmals einen Satelliten einer sogenannten Großkonstellation umsteuert. Groß- oder auch Megakonstellationen bezeichnen Verbünde von zum Teil vielen Tausend Satelliten. Mehrere Unternehmen - darunter SpaceX - versuchen, solche Konstellationen aufzubauen.

Der Erdforschungssatellit «Aeolus» zündete seine Triebwerke am Montagmorgen, wie die Esa auf Twitter mitteilte. Experten berechneten vorher das Kollisionsrisiko und entschieden anschließend, «Aeolus» etwas weiter von der Erde wegzubewegen. «Aeolus» hat den SpaceX-Satelliten also überflogen. Laut Esa lag die Wahrscheinlichkeit für eine Kollision bei etwa 1 zu 1000.

Zuvor hatte die Esa SpaceX kontaktiert. Das amerikanische Unternehmen habe daraufhin die Esa informiert, dass sie momentan kein Manöver planen, hieß es von der Esa. Diese Reaktion ist laut SpaceX auf den Fehler in der eigenen Kommunikations-Software zurückzuführen. Die Esa entschied sich eigenen Angaben zufolge, einseitig auszuweichen und teilte dies SpaceX mit.

Die Absprache sei wichtig, sagte Holger Krag, der Leiter des Esa-Büros für Raumfahrtrückstände. Ansonsten könnte es im schlimmsten Fall sein, dass beide Satelliten in die gleiche Richtung ausweichen. Die Absprache mit SpaceX funktionierte laut dem Experten gut, die Kommunikation könnte aber intensiver sein. «Es gibt Satellitenbetreiber, die reagieren gar nicht, wenn man sie anschreibt.»

Im Weltall gebe es bislang keine Vorfahrtsregeln, erläuterte Krag. Rund 90 Prozent der potenziell gefährlichen Begegnungen passierten mit inaktiven Weltraumrückständen - da sei klar, dass der aktive Satellit ausweichen muss. Bei Begegnungen zwischen zwei aktiven Satelliten müssen die Betreiber von Fall zu Fall entscheiden, was passiert.

Esa-Chef Jan Wörner kündigte an, das Thema bei der Ministerratskonferenz im November in Sevilla auf die Tagesordnung zu setzen. «In Zeiten, in denen Megakonstellationen geplant und etabliert werden, werden neue Regelungen notwendig», betonte Europas Raumfahrtchef. Kollisionen seien nicht nur für die direkt Betroffenen kritisch, sondern könnten weiteren gefährlichen Weltraummüll zur Folge haben.

«Der künftig dichte Satellitenverkehr allein ist Anlass genug - und die Tatsache, dass die niedrigen Kosten der Satelliten in den Megakonstellationen zwangsweise zu geringerer Zuverlässigkeit führen, verschärft die Situation», betonte er. Bei der Ministerratskonferenz sollten konkrete Maßnahmen zur Vermeidung von Kollisionen - zum Beispiel durch künstliche Intelligenz - sowie das Entfernen ausgedienter Satelliten und entsprechende Regelungen diskutiert werden.

Das Projekt «Starlink» von SpaceX könnte in den kommenden Jahren aus bis zu 12.000 Satelliten bestehen. Das erdumspannende Netz soll künftig auch entlegene Erdregionen mit schnellem Internet versorgen. Der Esa-Satellit «Aeolus» misst mittels Laser die Winde rund um die Erde. Er umkreist den Planeten in rund 300 Kilometern Höhe und ist seit etwas mehr als einem Jahr im All.

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 09. 2019
10:41 Uhr

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04. 09. 2019
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