Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wissenschaft

Mikroplastik liegt in der Luft

Mikroskopisch kleine Plastikteile gelangen über viele Wege in die Umwelt - auch in abgelegene, kaum besiedelte Regionen. Für ein Berggebiet haben Forscher nun gezeigt, dass Luftströmungen einen immensen Anteil daran haben können.



Mikroplastik-Teilchen
Forscher haben nachgewiesen, dass Mikroplastik-Teilchen in der Atmosphäre zu weit entfernten Regionen transportiert werden können.   Foto: Bernd Wüstneck

Mikroplastik kann in der Atmosphäre zu weit entfernten Regionen transportiert werden. Das haben Forscher mit Analysen in den französischen Pyrenäen nachgewiesen.

Im Schnitt hätten sich dort 365 Mikropartikel pro Quadratmeter täglich abgelagert, berichten sie im Fachmagazin «Nature Geoscience». Bisher sei angenommen worden, dass Mikroplastik weit entfernte Regionen vor allem über Flüsse erreicht, die die Partikel ins Meer tragen. Ihre Analyse zeige nun, dass auch die Atmosphäre ein wichtiger Weg beim Transport in unberührte, abgelegene Regionen sein könnte, schreiben die Forscher.

Expertenschätzungen zufolge wurden allein im Jahr 2016 weltweit etwa 335 Millionen Tonnen Plastik produziert, 60 Millionen Tonnen davon in Europa großteils für Verpackungen, wie es in der Studie heißt. Hochrechnungen nach lande jährlich etwa ein Zehntel des hergestellten Plastiks in den Meeren - auf welchen Wegen, sei noch nicht im Detail geklärt. Analysen in Megastädten wie Paris und Dongguan im chinesischen Perlflussdelta hätten gezeigt, dass Mikroplastik - etwa der Reifenabrieb von Autos - über die Atmosphäre transportiert und in der Region abgelagert wird. Die vorliegende Analyse belege nun, dass die Partikel auch in weit entfernte Regionen getragen werden.

Die Forscher um Steve und Deonie Allen vom Forschungsinstitut Ecolab in Castanet-Tolosan hatten 2017/18 über fünf Wintermonate hinweg ein spärlich besiedeltes Gebiet in den Pyrenäen untersucht. Die Gegend liegt weit entfernt von Großstädten, Industriezentren und großen Landwirtschaftsflächen. Wie viel Mikroplastik abgelagert wird, hängt demnach nicht zuletzt von Wetterphänomenen wie Regen, Schnee und starkem Wind ab. Unter den im Mittel 365 abgelagerten Partikeln täglich pro Quadratmeter in dem gut 1400 Meter hoch liegenden Gebiet waren bis zu 750 Mikrometer (0,75 Millimeter) lange Fasern und Kunststoffpartikel mit bis zu 300 Mikrometer (0,3 Millimeter) Durchmesser.

Aus Modellrechnungen schlossen die Forscher, dass die Partikel von bis zu 95 Kilometer entfernten Quellen stammten. In diesem Bereich lägen kleinere Städte mit weniger als 25.000 Einwohnern, aber keine Großstädte wie Toulouse oder Saragossa. Mit den verwendeten Rechenmodellen lasse sich nur sehr eingeschränkt auf die Herkunft von Luftmassen schließen, gerade in dem vorliegenden, komplexen Terrain, gibt Volker Matthias vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material und Küstenforschung (HZG) dazu zu bedenken. Die Aussagekraft halte er daher für sehr begrenzt.

Zu beachten sei zudem, dass es in wärmeren Jahreszeiten einen stärkeren Vertikaltransport in der Atmosphäre gebe. «Höher gelegene und wenig besiedelte Regionen sollten noch stärker durch die Deposition von Stoffen, die in größerer Entfernung in die Atmosphäre gelangt sind, betroffen sein», erklärte Matthias, der selbst nicht an der Studie beteiligt war. «Insofern wäre bei künftigen Studien eine längere Beobachtungsdauer wünschenswert.»

Der HZG-Forscher sieht Parallelen zum Transport von Sahara- und Vulkanstaub in der Atmosphäre. Wenn die Partikel durch Luftbewegungen einmal in größere Höhen gebracht wurden, könnten sie auch über größere Entfernungen transportiert werden. Fasern hätten durch ihre spezielle Form zudem geringere Sinkgeschwindigkeiten als kugelförmige Teilchen der gleichen Masse. «Ich halte es nicht für überraschend, dass auch verhältnismäßig große Mikroplastikpartikel über große Distanzen transportiert werden können», sagte Matthias.

Kunststoffe sind langlebig, größere Teile werden zu immer kleineren zersetzt. Als Mikroplastik werden Kunststoffteilchen bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Dazu zählen etwa Reibekörper in Kosmetik und beim Waschen freigesetzte synthetische Fasern. Der im vergangenen Jahr vorgestellten Studie «Kunststoffe in der Umwelt» zufolge kommen allein in Deutschland jährlich rund 330.000 Tonnen Mikroplastik zusammen - gut vier Kilogramm pro Kopf. An der Spitze der Verursacher steht demnach der Abrieb von Autoreifen: Rund ein Drittel der Mikroplastik-Emissionen entfallen darauf.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 04. 2019
16:08 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abrieb Ecolab GmbH & Co oHG Kunststoffe und Kunststoffprodukte Mikroplastik Natur Reifenabrieb Transport Verpackungen Wetterphänomene Wind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Niedrige Wasserstände am Rhein

06.08.2020

Fluss-Wasserstände Monate im Voraus berechnet

Bei Extrem-Sommern führen Flüsse nur wenig Wasser. Auf großen Strömen ruht dann teilweise die Binnenschifffahrt. Lieferengpässe wie 2018 sind die Folge. Doch die hätten womöglich vermieden werden können. » mehr

Bissspuren von Säugetieren auf Dinosaurierknochen entdeckt

31.07.2020

Kleine Säugetiere haben Fleisch von Dinosauriern gefressen

Tübinger Wissenschaftler stoßen auf eine seltene Spur. Winzige Säuger, nicht größer als eine heutige Spitzmaus, ernährten sich vor 160 Millionen Jahren offenbar auch von den größten Lebewesen der Erde. » mehr

Eisbären

21.07.2020

Eisbären könnten bis 2100 aus Arktis verschwinden

Infolge des schmelzenden Eis in der Arktis ist das Überleben von Eisbären bis 2100 nach Berechnungen von Forschern gefährdet. » mehr

Windkraft an der Nordsee

22.11.2019

Mehr Wind auf der Nordhalbkugel - Effekt für ein Jahrzehnt?

Wind weht immer irgendwo - doch nicht immer in gleicher Stärke. Auch bei den Windgeschwindigkeiten gibt es globale Fluktuationen. Forscher stellen eine Analyse dazu vor. Ihre Prognosen könnten Windpark-Planern von Nutzen... » mehr

Leuchtende Pflanzen

28.04.2020

Pilz-Gen sorgt für leuchtende Pflanzen

Forschern ist es gelungen, Pflazen heller leuchten zu lassen als dies bisher möglich war. Bei ihren Versuchen setzten sie Pilz-DNA in Tabakpflanzen ein. » mehr

Ablösung für «Polarstern»-Forscher unterwegs

18.05.2020

Arktis-Expedition steht vor Personalwechsel

Sie können sich in ihrem jetzigen Lebensraum bewegen, ohne Maske und Mindestabstand: 100 Forscher sind nach zweiwöchiger Quarantäne Richtung Nordpolarmeer aufgebrochen - zum Eisbrecher «Polarstern». » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Picknickkonzert in Kloster Veßra Kloster Veßra

Picknick-Konzert Kloster Veßra | 14.08.2020 Kloster Veßra
» 12 Bilder ansehen

Dachstuhl geht in Flammen auf

Dachstuhlbrand in Sonneberg |
» 29 Bilder ansehen

Unwetter Meiningen 11.08.20 Meiningen

Starkregen in Meiningen | 11.08.2020 Meiningen
» 4 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 04. 2019
16:08 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.