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Wissenschaft

Mehr psychische Probleme bei Kindern in der Corona-Krise

Kein normaler Schulbetrieb, wenig persönlicher Kontakt zu Freunden: Die Corona-Pandemie hat das Leben von Kindern und Jugendlichen in Deutschland wochenlang völlig verändert. Welche Spuren hinterlässt das? Eine neue Studie gibt Antwort.



Schulkinder
Viele Kinder leiden einer Studie zufolge unter der Corona-Krise.   Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

Sie sind häufiger gereizt, niedergeschlagen oder können schlecht einschlafen: Die Corona-Krise hat die Lebensqualität und psychische Gesundheit von vielen Kindern und Jugendlichen in Deutschland einer neuen Studie zufolge verschlechtert.

Betroffen seien vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien, sagte die Leiterin der sogenannten Copsy-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), Ulrike Ravens-Sieberer.

«Die meisten Kinder und Jugendlichen fühlen sich belastet, machen sich vermehrt Sorgen, achten weniger auf ihre Gesundheit und beklagen häufiger Streit in der Familie.» Bei jedem zweiten Kind habe das Verhältnis zu seinen Freunden durch den mangelnden physischen Kontakt gelitten.

Die Copsy-Studie war laut UKE die erste bundesweite Studie ihrer Art. Die Wissenschaftler befragten in Zusammenarbeit mit infratest dimap zwischen 26. Mai und 10. Juni mehr als 1000 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren per Online-Fragebogen zu ihrer aktuellen Situation. Auch mehr als 1500 Eltern von Kindern zwischen 7 und 17 Jahren nahmen teil. Um herauszufinden, wie sich die Werte verändert haben, verglichen sie die UKE-Forscher mit vor der Corona-Krise erhobenen Daten bundesweiter Studien.

Die Ergebnisse sollen Handlungsempfehlungen für die Prävention liefern. «Wir brauchen dringend Konzepte, wie wir die Familien in belasteten Phasen besser unterstützen können», sagte Ravens-Sieberer. Im März 2020 habe sich das Leben für die Kinder und Jugendlichen schlagartig verändert. Auch die Stimmung in den Familien habe sich verschlechtert, es habe mehr Streit gegeben. 71 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen spürten der Studie zufolge im Zuge der Pandemie seelischen Belastungen. Zwei Drittel der Befragten sehen ihre Lebensqualität als niedrig an - vor der Krise waren es laut UKE nur ein Drittel. «Wir haben mit einer Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens in der Krise gerechnet. Dass sie allerdings so deutlich ausfällt, hat auch uns überrascht», sagte Ravens-Sieberer.

Das Risiko für psychische Auffälligkeiten steige von rund 18 Prozent vor Corona auf 31 Prozent während der Krise. Hyperaktivität, emotionale Probleme und Auffälligkeiten im Verhalten gab es laut Studie häufiger. Auch psychosomatische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Einschlaf-Schwierigkeiten seien vermehrt aufgetreten. «Fehlende finanzielle Ressourcen und ein beengter Wohnraum führen ebenfalls zu einem hohen Risiko für psychische Auffälligkeiten», erklärte die Leiterin der Studie.

Ihr Fazit: «Also es gibt eine deutliche Zunahme an seelischer Belastung im Vergleich zu der Zeit vor Corona.» Das müsse man sicherlich ernst nehmen. «Aber ich würde davor warnen, das zu dramatisieren», sagte Ravens-Sieberer. Andere Befragungen hätten bereits gezeigt, dass die Belastungen mit zunehmenden Lockerungen abgenommen hätten. «Um das allerdings wissenschaftlich abzusichern, brauchen wir natürlich Daten im Zeitverlauf.» Deshalb seien weitere Untersuchungen geplant, dabei solle es auch einen Vergleich mit anderen europäischen Ländern geben.

Das UKE präsentierte noch eine weitere Studie: Sie zeigt, dass das Coronavirus auch das Herz befallen kann. Sars-CoV-2 könne Herzzellen infizieren und sich darin vermehren, sagte der Leiter der Studie, Dirk Westermann. Zudem sei das Virus in der Lage, die Genaktivität infizierter Herzzellen zu verändern. Allerdings ließe sich noch nicht abschließend klären, ob dies Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf von Herzpatienten habe, hieß es. Die veränderte Genaktivität in den Herzzellen könnte Langzeitfolgen für die Gesundheit von Betroffenen haben. Künftig seien Reihenuntersuchungen an lebenden Covid-19-Patienten notwendig.

Für die Studie wurden laut UKE 39 gestorbene Herzpatienten untersucht, die mit Sars-CoV-2 infiziert waren. Sie waren im Mittel 85 Jahre alt. Bei rund zwei Drittel dieser Patienten konnten die Forscher im Herzgewebe das Virus nachweisen, wie das UKE weiter mitteilte. In 16 Fällen fanden sie den Angaben zufolge das Virus in Mengen, die klinische Auswirkungen hätten haben können.

© dpa-infocom, dpa:200710-99-744204/3

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Veröffentlicht am:
10. 07. 2020
16:26 Uhr

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10. 07. 2020
16:26 Uhr



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