Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wissenschaft

Künstliche Intelligenz schlägt Hautärzte bei Krebsdiagnose

Ein Algorithmus beurteilt Hauttumoren in einer Studie präziser als Hautärzte. Wird künstliche Intelligenz Mediziner künftig bei der Diagnose ersetzen?



Hautkrebs-Früherkennung
Die künstliche Intelligenz war präziser als die klinische Diagnostik.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Künstliche Intelligenz kann Hautkrebs besser diagnostizieren als Dermatologen.

In einer Untersuchung traten 157 Hautärzte aus zwölf Universitätskliniken in Deutschland gegen die Computer an: Sowohl die Ärzte als auch der eigens programmierte Algorithmus beurteilten 100 Bilder danach, ob es sich um ein Muttermal oder um schwarzen Hautkrebs handelt. Am Ende war die künstliche Intelligenz präziser als die klinische Diagnostik, wie das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg mitteilte. Die Studie ist im Fachmagazin «European Journal of Cancer» erschienen.

Den Algorithmus haben Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Universitäts-Hautklinik und des NCT entwickelt. Er kann verdächtige Hautveränderungen digital beurteilen. Die Innovation werde die ärztliche Diagnose aber nicht überflüssig machen, hieß es. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz werde in der Dermatologie zukünftig wichtiger werden, um präzise Diagnosen zu erstellen. «Der Algorithmus könnte die klinische Beurteilung von Hauttumoren sinnvoll ergänzen», erläuterte Jochen Sven Utikal, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit des DKFZ.

«Es ist ähnlich wie beim Autopiloten im Flugzeug: Bei gutem Flugwetter und häufigen Strecken ist das Assistenzsystem hilfreich. Bei schwierigen Landungen muss ein erfahrener Pilot hingegen Verantwortung übernehmen. Das kann ein Computer so allein nicht leisten», sagte Titus Brinker, Leiter der Studie und Wissenschaftler am DKFZ und NCT Heidelberg.

Außerdem wird der Algorithmus der ärztlichen Praxis bisher nicht gerecht. Denn er kennt nur zwei Diagnosen: Muttermal oder schwarzer Hautkrebs. «Die klinische Realität ist allerdings eine völlig andere: Ein Facharzt muss bei der körperlichen Untersuchung zwischen mehr als hundert Differentialdiagnosen unterscheiden können. Davon sind viele sehr selten, einige sind kaum allein am Bild zu erkennen, sondern brauchen weitere Informationen wie zum Beispiel Tasteindrücke», erklärte Alexander Enk, Direktor der Universitäts-Hautklinik Heidelberg.

In der Studie wurden 100 Bilder von Hautauffälligkeiten verwendet, 20 davon zeigten schwarzen Hautkrebs (Melanom) und 80 gutartige Muttermale. Die Dermatologen von zwölf deutschen Universitäts-Hautkliniken (Berlin, Bonn, Erlangen, Essen, Hamburg, Heidelberg, Kiel, Magdeburg, Mannheim, München, Regensburg, und Würzburg) sollten das weitere Vorgehen bestimmen: entweder eine Biopsie vornehmen oder dem Patienten von der Gewebeprobe abraten.

Dieselben 100 Bilder wurden anschließend von einem zuvor mit 12 378 anderen Bildern trainierten Algorithmus automatisiert bewertet. Nur sieben der 157 Dermatologen schnitten besser ab als der Algorithmus. 14 erzielten gleich gute Ergebnisse und 136 hatten schlechtere Ergebnisse. Im Durchschnitt war der Algorithmus präziser in der Beurteilung der Hauttumoren als die Hautärzte. Dabei spielte es keine Rolle welche Position und Erfahrung der jeweilige Arzt hatte. Im Durchschnitt waren Assistenzärzte über Fach- und Oberärzte bis zum Chefarzt dem Algorithmus unterlegen.

Das maligne Melanom der Haut, auch schwarzer Hautkrebs genannt, ist die bösartigste Form von Hautkrebs, der vor allem durch hohe UV-Belastung der Haut begünstigt wird. Nach Angaben von Fachleuten treten in Deutschland jährlich mehr als 21 000 Neuerkrankungen auf. Etwa 3000 Menschen sterben pro Jahr am schwarzen Hautkrebs. Die Studie ist Teil des vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Skin-Classification-Projekts.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 04. 2019
12:21 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Assistenzärzte Biopsien Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung Computer Dermatologen Dermatologie Hautkrebs Klinische Medizin Krebsdiagnosen Universitätskliniken Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Hautkrebs-Risiko bei der Arbeit

04.09.2019

Berufskrankheit Hautkrebs: Braucht Deutschland eine Siesta?

Der Sommer 2019 war einer der sonnenintensivsten der vergangenen Jahrzehnte. Mit der UV-Strahlung steigt die Hautkrebs-Gefahr. Ärzte plädieren im Zuge des Klimawandels für mehr Prävention vor allem für besonders gefährde... » mehr

Gedankensteuerung

17.06.2019

Den Rollstuhl mit Gedanken lenken: Ein Praxistest

Für Gelähmte kann innovative Technologie vieles ändern: In einer Bochumer Studie testen Patienten, wie sich Rollstühle mit Gedankenkraft steuern lassen. Alltagstauglich ist dies noch nicht. » mehr

Hautkrebs-Früherkennung

02.08.2019

Zahl der Hautkrebspatienten rasch gestiegen

Er führt zu Überschwemmungen, Dürren, Unwettern - bringt der Klimawandel den Deutschen jetzt auch noch mehr Hautkrebserkrankungen? Die Antwort auf diese Frage fällt unterschiedlich aus. » mehr

Hautkrebs

02.05.2019

Erbe der 70er: Dermatologen rechnen mit mehr Hautkrebs

Nur ein bisschen Sonnenbrand? Auch wenn das Bewusstsein für Hautkrebs gestiegen ist, sehen Mediziner bei der Prävention Luft nach oben. Die Effekte werden sich erst viel später zeigen. Heutige Erkrankungen sind oft ein E... » mehr

Brustkrebs

20.06.2019

Kasse zahlt Biomarker-Test bei Brustkrebs im Frühstadium

Chemotherapie ja oder nein - bei Brustkrebs im Frühstadium ist diese Frage oft schwer zu beantworten. In vielen Fällen kann ein Biomarker-Test helfen. Davon dürften bald mehr Frauen profitieren. » mehr

Operationssaal

05.07.2019

Querschnittlähmung: Nerventransfer ermöglicht Bewegungen

Tetraplegie ist eine schwere Form der Querschnittlähmung - Patienten sind an allen vier Gliedmaßen gelähmt. Ärzte haben bei Betroffenen nun Nervenbahnen umgeleitet - mit erstaunlichen Ergebnissen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Feuerwehreinsatz Floh-Seligenthal

Feuerwehreinsatz an der Ebertswiese |
» 4 Bilder ansehen

Eröffnung der Sonderausstellung „Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche Entjudungsinstitut 1939-1945“

Eröffnung Sonderausstellung |
» 12 Bilder ansehen

Brand Hütte Suhl Suhl-Heinrichs

Brand Suhl-Heinrichs | 17.09.2019 Suhl-Heinrichs
» 16 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 04. 2019
12:21 Uhr



^