Lade Login-Box.
Topthemen: Südthüringen kocht 2020Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wissenschaft

Grund zur Hoffnung: Mehr Rentiere auf Spitzbergen

Über einen Zeitraum von drei Jahren haben norwegische Forscher in Spitzbergen Rentiere gezählt. Das Ergebnis gibt Anlass zu Hoffnung. Doch weltweit schrumpft die Population.



Rentiere
Eine Wissenschaftlerin betrachtet eine Rentier-Herde auf Spitzbergen.   Foto: Mathilde Le Moullec/dpa/Archivbild

100 Jahre, nachdem der Mensch das Rentier auf der Inselgruppe Spitzbergen im Nordatlantik stark dezimiert hatte, hat sich die Art wieder weitgehend erholt.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) in Trondheim. «Um 1900 waren die Rentiere auf Svalbard (norwegischer Name der Inselgruppe) mehr oder weniger ausgerottet», sagt die Biologin Mathilde Le Moullec. Damals habe es nur noch ein paar Tausend Tiere gegeben.

Nachdem sie und Kollegen zwischen 2013 und 2016 die Inselgruppe in vier Expeditionen zu Fuß und mit dem Boot erforscht haben, schätzen sie die Population auf Spitzbergen auf rund 22.000 Tiere. Für das Projekt erfassten die Forscher Tierbegegnungen ebenso wie Satellitenbilder der Vegetation und Funde von Knochen und Geweihen. Die Überreste gaben Auskunft, wo auf den verschiedenen Inseln die Tiere im Laufe der Jahrhunderte gelebt haben und wie lange. Der älteste Fund ist vermutlich 3600 Jahre alt.

Mit der Ankunft des Menschen auf den eisigen Inseln wurden die Tiere zur begehrten Beute. Nachdem der Niederländer Willem Barents 1596 über die Entdeckung berichtet hatte, kamen etwa Walfänger, Fischer und andere Besucher auf die Inseln, um Rentiere zu jagen. Als im späten 19. Jahrhundert Kohle gefunden wurde, wurde ihr Fleisch zum Nahrungsmittel für die Minenarbeiter.

Nur in einigen isolierten Gebieten verblieben damals kleine Populationen. Ihnen sei es zu verdanken, dass der Bestand wieder wachsen konnte, nachdem die norwegische Regierung die Tiere 1925 unter Schutz stellte, sagt Le Moullec. Von einer vollständigen Erholung spricht die Biologin aber nicht. «In den Gebieten, in denen sie ausgerottet wurden, hat ihre Anzahl noch Potenzial zu steigen.»

Zur weltweiten Entwicklung des Rentierbestandes gibt es unterschiedliche Angaben. Nach Angaben der Umweltorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) liegt er bei rund 2,8 Millionen wilden Tieren. Andere Quellen sprechen von 3,8 Millionen. In den vergangenen 25 Jahren sei die Zahl der Tiere um 40 Prozent zurückgegangen, sagt Roland Gramling vom WWF. So habe die russische Taimyr-Riesenherde noch im Jahr 2000 aus etwa einer Million Tieren bestanden. Inzwischen sei sie auf geschätzt 380.000 Exemplare geschrumpft. Ein Grund sei Wilderei. «Es gibt wahre Rentier-Massaker. Die Geweihe werden zu Pulver verarbeitet und vor allem in China als Heilmittel verkauft. Zungen sind als Delikatesse gefragt», so Gramling.

Hinzu kommt der Klimawandel: Die Erderwärmung führt dazu, dass in warmen Wintern mehr Tiere sterben, weil sie nicht ausreichend Nahrung finden. Der Schnee schmilzt und gefriert dann zu Eis, was den Boden verschließt. Für große Populationen reicht die Nahrung dann nicht mehr aus. Auf Spitzbergen ist die Durchschnittstemperatur seit 1961 um 5,6 Grad gestiegen. Hier haben die Forscher festgestellt, dass die Rentierpopulationen im Landesinneren stärker gedeihen als an der Küste, wo die Winter regnerischer und wärmer sind.

Ein anderes Problem sei, dass zur Kalbungszeit im Frühjahr die Flüsse immer häufiger schon getaut seien und die neugeborenen Jungtiere Kilometer durch das eisige Wasser schwimmen müssten, so Gramling.

Die norwegischen Forscher betonen, der Zusammenhang zwischen Rentierbeständen und den Klimaveränderungen solle genau beobachtet werden: «Angesichts der Tatsache, dass es ungefähr ein Jahrhundert gedauert hat, bis sich die Unterarten von der Überjagung auf Svalbard erholt haben, ist die Anpassungsfähigkeit der Rentiere möglicherweise zu langsam, um mit der Geschwindigkeit des zukünftigen Klimawandels Schritt zu halten.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 12. 2019
10:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ausrottung Bergarbeiter Biologen Erderwärmung Expeditionen Natur Norwegische Regierungen Regierungen und Regierungseinrichtungen Tiere und Tierwelt Umweltschutzorganisationen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler World Wide Fund For Nature
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kegelrobben erobern Küstengewässer zurück

29.12.2019

Kegelrobben erobern Küstengewässer zurück

Das größte freilebende Säugetier in Deutschland ist die Kegelrobbe. Sie galt als ausgerottet, nachdem 1920 das letzte Exemplar in deutschen Gewässern erlegt wurde. Jetzt erobern sich die Robben die Küste zurück. » mehr

Vietnam-Kantschil wiederentdeckt

12.11.2019

Jahrzehntelang verschwundene Hirschferkel-Art entdeckt

1990 wurde das letze bekannte Vietnam-Kantschil erschossen. Dann galt das kleine Huftier aus der Familie der Hirschferkel als verschollen. Nun haben Fotofallen neue Aufnahmen geliefert - und zwar gleich mehr als 200 Mal. » mehr

Sumatra-Nashorn

01.10.2019

Malaysia will Sumatra-Nashörner retten

Mit künstlicher Befruchtung will Malaysia seine Sumatra-Nashörner vor dem Aussterben retten. Wissenschaftlern gelang es nach Presseberichten, dem letzten weiblichen Tier des Landes namens Iman eine Eizelle zu entnehmen. » mehr

Biber

22.09.2019

Mega-Projekt zur Verbreitung von Säugetierarten in Europa

Wo genau leben die etwa 270 Säugetierarten, die es in Europa gibt? Ein Projekt erforscht ihre Verbreitung in 42 Ländern. Die Karten sollen auch zeigen, wie sich Bestände verändert haben. » mehr

Roboter kann fliegen

17.01.2020

Roboter mit echten Taubenfedern kann fliegen

Durch die Lüfte gleiten wie eine Taube. Das kann auch ein Roboter, wenn sich deren Erbauer viel von den Vögeln abgeschaut haben. » mehr

Bestanden

19.12.2019

«Mars 2020»-Rover besteht Fahrprüfung auf der Erde

Vorwärts, rückwärts und über Hindernisse - Rover «Mars 2020» hat erfolgreich seinen Führerschein bestanden. Zunächst auf der Erde - bald soll es auf den Roten Planeten gehen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Max Raabe in der Erfurter Messehalle Erfurt

Max Raabe in Erfurt | 19.01.2020 Erfurt
» 18 Bilder ansehen

brand saalborn Saalborn

Wohnhausbrand Saalborn | 17.01.2020 Saalborn
» 29 Bilder ansehen

Platz 1:Auferstanden

Blende 2020 "Verkehrte Welt" |
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 12. 2019
10:29 Uhr



^