Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wissenschaft

Frauen sind bei Herzinfarkt-Symptomen oft zu zögerlich

Nach einem Herzinfarkt muss es schnell gehen. Dabei werden Männer oft schneller behandelt als Frauen. Woran liegt das?



Rettungswagen im Einsatz
Notarzt rufen: Frauen stellen trotz Beschwerden oft Verpflichtungen in Haushalt und Familie voran.   Foto: Nicolas Armer

Bei Verdacht auf Herzinfarkt rufen Frauen zwar zügig den Notarzt für ihren Partner - bei eigenen Herzproblemen sind sie aber zögerlicher.

Das ist das Fazit polnischer Forscher, die zwei Studien dazu auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) im spanischen Malaga vorstellten. Frauen würden trotz Beschwerden oft Verpflichtungen in Haushalt und Familie voranstellen. «Wir hören immer wieder, dass diese Verantwortlichkeiten Frauen davon abhalten, rechtzeitig einen Krankenwagen zu rufen», sagte Mariusz Gasior vom Polnischen Register für Akute Koronarsyndrome (PL-ACS) laut einer ESC-Mitteilung.

Wegen eines späten Notrufs würden insbesondere bei jüngeren Frauen Infarkte seltener im empfohlenen Zeitraum behandelt als bei Männern. Den Kardiologen zufolge gebe es auch eine mangelnde Aufklärung über Herzerkrankungen bei Frauen. Die Ergebnisse, die auf dem PL-ACS basieren, wurden mit Blick auf den Weltfrauentag am Freitag vorgestellt, der unter dem Motto «Balance for Better» dazu aufruft, die Gleichstellung der Geschlechter weltweit zu fördern.

Die Deutsche Herzstiftung macht zudem darauf aufmerksam, dass es gerade bei älteren Frauen nach einem Herzinfarkt im Schnitt länger dauert, bis sie in der Notaufnahme sind. So vergingen bei über 65-jährigen Frauen bis zu viereinhalb Stunden, bei über 65-jährigen Männern seien es rund dreieinhalb Stunden, heißt es in einer Mitteilung von Mittwoch unter Verweis auf eine ältere Untersuchung.

Das sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass ältere Frauen oft alleine leben und im Notfall niemanden haben, der bei einem Herzinfarkt Hilfe holt, hieß es. Außerdem würden betroffene Frauen wegen unspezifischer Symptome häufig nicht erkennen, dass sie einen Herzinfarkt haben.

In die Analysen der polnischen Mediziner flossen Werte von 7582 Patienten mit einer besonders schweren Form von Herzinfarkt ein, bei dem eine Hauptarterie, die das Herz mit Blut versorgt, blockiert ist. Durch eine schnelle Wiederherstellung des Blutflusses kann mehr Herzmuskel gerettet und infolgedessen das Todesrisiko gesenkt werden.

«Frauen werden unter anderem deshalb seltener innerhalb der empfohlenen Zeit behandelt, weil sie länger brauchen, um einen Krankenwagen zu rufen, wenn sie Symptome haben», sagte Gasior. Forschungskoordinator Marek Gierlotka ergänzt, dass Frauen eher zu untypischen Symptomen neigen, was dazu führen kann, dass die medizinische Versorgung verzögert wird.

Schmerzen in der Brust und im linken Arm gelten als bekannteste Anzeichen eines Herzinfarkts. Bei Frauen treten aber auch Rücken-, Schulter- oder Bauchschmerzen auf. Dauerten diese mehr als 15 Minuten an, sollte ein Krankenwagen gerufen werden, hieß es.

Allerdings trug den Studien zufolge auch das medizinische Personal zu Verzögerungen bei. «EKG-Ergebnisse für jüngere Frauen wurden seltener an das Herzinfarktzentrum geschickt, was zur Beschleunigung der Behandlung empfohlen wird», sagte Gasior.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 03. 2019
12:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Brustschmerzen Frauen Herzinfarkt Herzinfarktverdacht Krankenwagen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Depressionen

26.06.2019

Studie: Jeder 7. Befragte hat Erfahrung mit Depressionen

Wie gesund sind die Bundesbürger? Die Nako-Langzeitstudie fragt seit 2014 bei Erwachsenen sehr genau nach. Die ersten Ergebnisse klingen nun nicht überraschend, legen aber den Finger in so manche Wunde. » mehr

Genom-Studie zu Herz-Kreislauf-Krankheiten

27.09.2019

Studie zu Ursachen von Herzkrankheiten

Rauchen, Übergewicht, ungesunde Ernährung - es gibt Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber was löst eine Herzschwäche oder einen Infarkt wirklich aus? Hamburger Forscher wollen sich nun das Erbgut von 9000 ... » mehr

Hitze

23.09.2019

Hitze führt zu mehr Herzinfarkten

Der Klimawandel sorgt nicht nur für einen steigenden Meeresspiegel und mehr Dürren - er gefährdet auch die Gesundheit. Vor allem das Herz-Kreislauf-System wird von zunehmender Hitze gestresst. Experten sehen das Gesundhe... » mehr

Blutdruck-Messungen

18.07.2019

Beide Blutdruck-Werte können Krankheitsrisiko anzeigen

Was ist wichtiger - der «obere» oder der «untere» Blutdruck-Messwert? Darüber waren sich lange Zeit auch Experten uneins. Eine aktuelle Datenanalyse trägt nun zur Klärung der Frage bei. » mehr

Paprika statt Pillen

03.09.2018

Vitamintabletten schützen nicht vor Herzinfarkt

Vitaminpillen senken laut einer Studie nicht das Risiko, an einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt zu erkranken. » mehr

Kopftuch

07.08.2019

Wer Hidschab trägt, erfährt weniger Hilfsbereitschaft

Amerikanische Forscher finden heraus: Passanten helfen Frauen mit Hidschab oder Kopftuch etwas seltener als anderen. Dazu haben sie ein Experiment im öffentlichen Raum durchgeführt - und zwar in Deutschland. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall Schulbus Milz Römhild

Schulbusunfall | 18.10.2019 Römhild
» 14 Bilder ansehen

Unfall B 281 Sachsenbrunn Sachsenbrunn

Unfall B281 Sachsenbrunn | 16.10.2019 Sachsenbrunn
» 14 Bilder ansehen

Gebäudebrand Merbelsrod Merbelsrod

Gebäudebrand Merbelsrod | 15.10.2019 Merbelsrod
» 14 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 03. 2019
12:26 Uhr



^