Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Wissenschaft

Forscher entdecken zum ersten Mal Mikroplastik im Menschen

Plastik in Gewässern aber auch in Böden wird immer mehr zum Problem. Forscher haben winzige Plastikpartikel nun auch in menschlichen Stuhlproben gefunden - und zwar bei Probanden weltweit.



Plastikmüll am Mittelmeerstrand
Plastikmüll an einem Strand bei Keserwan im Libanon.   Foto: Marwan Naamani

Bei einer Pilotstudie haben Forscher aus Österreich nach eigenen Angaben erstmals Mikroplastik in Stuhlproben von Menschen nachgewiesen. Die Kunststoffpartikel wurden in den Proben von allen acht Studienteilnehmern gefunden.

Das teilten die Medizinische Universität Wien und das österreichische Umweltbundesamt am Dienstag mit.

Die Probanden im Alter zwischen 33 und 65 Jahren, die auf verschiedenen Kontinenten leben und sich nicht kennen, führten demnach eine Woche lang ein Ernährungstagebuch und gaben anschließend die Probe ab. Alle Teilnehmer nahmen in dieser Zeit in Plastik verpackte Lebensmittel oder Getränke aus PET-Flaschen zu sich. Die Mehrzahl von ihnen aß auch Fisch oder Meeresfrüchte, niemand ernährte sich ausschließlich vegetarisch.

«In unserem Labor konnten wir neun verschiedene Kunststoffarten in der Größe von 50 bis 500 Mikrometer nachweisen», erklärte Bettina Liebmann, Expertin für Mikroplastik-Analysen im Umweltbundesamt. Vor allem die Vielfalt der Kunststoffe habe sie überrascht. Am häufigsten fanden sich Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) in den Proben. Ein Zusammenhang zwischen dem Ernährungsverhalten und einer Belastung mit Mikroplastik konnten die Wissenschaftler aufgrund der kleinen Probandengruppe nicht herstellen.

Nach Liebmanns Angaben ist vor der Studie noch nicht viel zum Thema Mikroplastik im Menschen bekannt gewesen. Daher habe man sich zunächst auf eine Untersuchung mit wenigen Probanden konzentriert. Die Ergebnisse werden am Dienstag bei einem Kongress in Wien vorgestellt. Laut Liebmann soll dann die wissenschaftliche Publikation der Studie folgen. Danach wollen sich die Forscher um eine größere Studie bemühen.

Mikroplastik gelangt unter anderem durch Autoreifen-Abrieb, Zerkleinerung von Bauschutt oder Kosmetika in die Umwelt, vielfach vor allem in Gewässer. Eine Studie im Auftrag von Chemiekonzernen, Kosmetikherstellern, Wasserverbänden, Abfallentsorgern und Hochschulen hat ermittelt, dass rund 330.000 Tonnen dieses primären Mikroplastiks pro Jahr in Deutschland freigesetzt werden. Sekundäres Mikroplastik entsteht dagegen durch Verwitterung und Zerfall großer Plastikteile.

Das Wissen über Herkunft, Verbreitung und Folgen von Plastik in der Umwelt ist aber insgesamt noch sehr lückenhaft. Deshalb hat das deutsche Forschungsministerium ein großes Programm aufgelegt: 18 Projekte mit rund 100 Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden und Kommunen sollen ein Gesamtbild zeichnen, wie Kunststoffe produziert, eingesetzt, gehandelt und entsorgt werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 10. 2018
13:03 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Gewässer Kunststoffarten Meeresfrüchte Mikroplastik Umweltbundesamt Universität Wien Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Österreichisches Umweltbundesamt
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mikroplastik

12.06.2020

US-Nationalparks: Forscher finden große Mengen Mikroplastik

Mehrfach schon wurde an entlegenen Orten fernab von Städten Mikroplastik nachgewiesen - auf Berggipfeln etwa und in der Arktis. Nun haben Forscher in Naturschutzgebieten Ausschau gehalten - mit erschreckendem Ergebnis. » mehr

Trinkwasser

22.08.2019

WHO will mehr Studien über Mikroplastik im Trinkwasser

Der Plastikmüll belastet die Erde - auch in seiner kleinsten Form. Die Weltgesundheitsorganisation hat Studien zum Mikroplastik im Trinkwasser ausgewertet - und noch viele Fragezeichen dazu. » mehr

Mikroplastik-Teilchen

16.04.2019

Mikroplastik liegt in der Luft

Mikroskopisch kleine Plastikteile gelangen über viele Wege in die Umwelt - auch in abgelegene, kaum besiedelte Regionen. Für ein Berggebiet haben Forscher nun gezeigt, dass Luftströmungen einen immensen Anteil daran habe... » mehr

Angler am Baggersee

21.05.2020

Angler sorgen für mehr Fisch-Vielfalt in Baggerseen

Baggerseen sind nicht gerade für ihren Artenreichtum bekannt. Doch Angler sorgen dafür, dass sich viele dieser Gewässer durchaus sehen lassen können, berichtet das Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binne... » mehr

Delfine

04.02.2019

Großer Teil der Meeressäuger mit Mikroplastik belastet

Die kleinen Plastikteilchen sind tückisch. Tiere im Meer nehmen sie leicht auf. Nun haben Forscher Meeressäuger genauer unter die Lupe genommen. Mit deprimierendem Ergebnis. » mehr

Patente auf Schimpansen ungültig

02.07.2020

Patente auf Schimpansen gelten nicht mehr

Mäuse, Bakterien, Insekten, Kühe und sogar Menschenaffen: Immer wieder werden Tiere für Tierversuche genetisch verändert - und dann patentiert. Nun hat eine gerichtliche Instanz des Europäischen Patentamts eine neue Rich... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Motorradunfall Streufdorf Streufdorf

Motorradunfall Streufdorf | 04.07.2020 Streufdorf
» 8 Bilder ansehen

Kellerbrand Benshausen Benshausen

Kellerbrand Benshausen | 03.07.2020 Benshausen
» 10 Bilder ansehen

Autokino Konzert mit der Band Die Letze Rettung Meiningen

Autokino Konzert | 27.06.2020 Meiningen
» 24 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 10. 2018
13:03 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.