Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wissenschaft

Drosten für kürzere Quarantäne und Kontakt-Tagebücher

Die Infektionshäufigkeit wird mit den erfassten Corona-Zahlen unterschätzt. Masken zu tragen macht wirklich Sinn. Und fünf Tage Quarantäne könnten ausreichen. Mit neuen Erklärungen und Vorschlägen ist Christian Drosten in die neue Podcast-Saison gestartet.



Christian Drosten
Virologe Christian Drosten meldet sich nach der Sommerpause mit seinem Podcast zurück.   Foto: Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Steigende Infektionszahlen, Quarantäne-Dauer, Maskendebatte - in seinem ersten NDR-Podcast nach der Sommerpause hat sich der Berliner Virologe Christian Drosten vieldiskutierten Corona-Themen gewidmet.

So betonte er, dass die seit Ende Juli steigenden Fallzahlen in Deutschland nicht nur auf die Zunahme von Tests zurückzuführen seien. Es sei auch schon im Mai und Juni viel getestet worden, als die Infektionszahlen sehr niedrig waren, erläuterte der Experte von der Berliner Charité gewohnt sachlich und unaufgeregt. «Die jetzigen Zahlen, die sind schon real.»

Die wirkliche Infektionshäufigkeit in der Bevölkerung spiegelten aber auch sie nicht wider, sie würde aus unterschiedlichen Gründen unterschätzt. Zum einen könne man einfach nicht alle Menschen testen, so Drosten. Zum anderen infizierten sich zunehmend junge Menschen, die nur harmlose, milde Infektionen hätten. Die würden womöglich ihre Infektionen verheimlichen und nicht in die Statistik einfließen. «Wenn ich auf 'ner illegalen Techno-Party war, dann hab ich ja noch mehr die Tendenz, meine Symptome zu verstecken und mich nicht diagnostizieren zu lassen.»

Um die Akzeptanz der Maßnahmen in der Gesellschaft zu erhalten, sprach sich Drosten für eine Verkürzung der Quarantänezeit aus. Menschen mit Verdacht auf eine Infektion sollten sich nur noch 5 statt 14 Tage isolieren müssen. Mit diesem Vorschlag gehe er «bis an die Schmerzgrenze der Epidemiologie», sagte er. «Das ist schon, sagen wir mal, eine steile These, dass man sagt, nach fünf Tagen ist eigentlich die Infektiosität vorbei.» Die Überlegung sei aber: «Was kann man denn in der Realität machen, damit man nicht einen de-facto-Lockdown hat?», erklärte er. «Es nützt ja nichts, wenn man alle möglichen Schulklassen, alle möglichen Arbeitsstätten unter wochenlanger Quarantäne hat.»

Wer einmal eine Covid-19-Erkrankung überstanden hat, ist nach Ansicht des Virologen - zumindest für die Dauer dieser Pandemie - immun. «Da bin ich sehr zuversichtlich.» In Ausnahmefällen könne es zwar bei erneutem Kontakt mit dem Virus zu einer neuerlichen, oberflächlichen Infektion kommen, zu einer schweren Lungenentzündung würde es dann aber nicht kommen. Auch dürften aus solchen Fällen keine Infektionsketten mehr erwachsen, da die Viruskonzentration bei den Betroffenen zu gering sei.

Drosten warb erneut für das Tragen von Alltagsmasken. Trotz einiger Schwächen trügen sie zum Schutz vor einer Corona-Infektion maßgeblich bei. Sie senkten zumindest zum Teil auch die Ansteckungsgefahr durch Aerosole. Um die Nachverfolgung von Infektionsketten zu erleichtern, empfahl Drosten, Kontakt-Tagebücher zu führen. Nicht jeder sei bereit, die Corona-App zu nutzen. Es sei aber sinnvoll, sich jeweils abends zu notieren, wann man mit mehreren Menschen in einer Gruppe zusammen war. Auch er selbst führe solch ein Tagebuch. Um gut über den Herbst zu kommen, sei die «maximale Kooperation des Großteils der Bevölkerung nötig», sagte Drosten. 

Eine Prognose, bis zu welcher Grenze sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen noch kontrollieren lasse und wann eine massenhafte Ausbreitung beginne, sei kaum möglich. «Das ist ganz schwer einzuschätzen, ab wann das passiert.» Klar sei aber, dass die Lage außer Kontrolle geraten könne. Bei immer mehr unentdeckten Clustern - weil Menschen ihre Infektion nicht bemerken oder verschweigen - könne es einen Schwelleneffekt geben. Die Zahlen stiegen dann schlagartig, ohne dass ein Grund erkennbar sei. «Ich habe das Gefühl, das ist, was wir gerade in Frankreich sehen.»

© dpa-infocom, dpa:200901-99-391831/4

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 09. 2020
18:33 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bevölkerung Christian Drosten Corona-Apps Covid-19 Epidemiologie Infektionsketten Infektionskrankheiten Infektionszahlen Quarantäne Virologen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Corona-Fallzahlen

24.09.2020

2143 Corona-Neuinfektionen in Deutschland registriert

Mit der schwindenden Zahl von Reiserückkehrern zum Ende der Sommerferien schien sich die Corona-Lage in Deutschland zu stabilisieren. Doch nun steigen mehrere Kennwerte merklich an. Droht ein massiver Anstieg, wie er in ... » mehr

Ein Abstrich für das Testverfahren auf das Coronavirus

24.09.2020

Corona-Schnelltests kommen - doch was können sie wirklich?

Schnelltests erlauben einen Corona-Nachweis mit relativ wenig Aufwand. Erste Produkte werden erprobt und bereits eingesetzt. Was können die Tests leisten - und was nicht? » mehr

Der Virologe Christian Drosten

27.08.2020

Das «Coronavirus-Update» ist zurück

Der preisgekrönte NDR-Podcast mit Christian Drosten war eine feste Instanz seit Beginn der Corona-Pandemie. Jetzt kommt das Format mit Verstärkung zurück aus der Sommerpause. » mehr

Heinsberg

04.05.2020

Heinsberg-Studie: Möglicherweise 1,8 Millionen Infizierte

Der Virologe Hendrik Streeck hat in dem kleinen Ort Gangelt die Verbreitung des Coronavirus untersucht. Auf dieser Grundlage nimmt er jetzt eine Schätzung für ganz Deutschland vor - was umstritten ist. » mehr

Schwangerschaft und Corona

09.09.2020

Schwangere mit Corona: Mehr frühe Geburten

Experten haben untersucht, welche Auswirkungen Corona auf Schwangere haben kann. Demnach entwickeln sie bei einer Infektion wohl seltener Fieber - haben aber öfter Frühgeburten. Wie kommt es dazu? » mehr

Christian Drosten

23.09.2020

Drosten: «Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen»

Die Zahl der Corona-Erkrankungen steigt weltweit weiter an. Auch Deutschland ist dem Berliner Virologen Christian Drosten zufolge nicht ausreichend auf die zukünftige Entwicklung der Pandemie vorbereitet. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

SEK schießt Mann in Lengfeld an Lengfeld

SEK-Einsatz Lengfeld | 29.09.2020 Lengfeld
» 16 Bilder ansehen

Gebäudebrand Hildburghausen Hildburghausen

Gebäudebrand Hildburghausen | 29.09.2020 Hildburghausen
» 14 Bilder ansehen

Oldtimerteilemarkt Suhl Suhl

Oldtimer-Teilemarkt Suhl | 27.09.2020 Suhl
» 44 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 09. 2020
18:33 Uhr



^