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Blutspende für Bello und Mieze

Haustiere sind heute oft Familienmitglieder. Bei gesundheitlichen Problemen erwarten Halter Hilfe wie in der Humanmedizin. Blutspenden gehört auch dazu. Aber wer weiß das?



Blutspende
Husky Sirius bekommt in der Klinik und Polyklinik für kleine Haustiere in Berlin Blut abgenommen.   Foto: Stephanie Pilick

Wenn sich Kollegen mit einer Blutspende das Leben retten, ist das eine Nachricht - manchmal auch bei Vierbeinern. So erhielt Polizeihund Ivo in Franken im Januar nach einer Tumor-Notoperation Blut von seiner Kollegin, Schäferhündin Kira.

Eine Woche später war er wieder im Dienst. Nur langfristig habe Ivo leider nicht überlebt, bedauerte die Polizei Mitte Juli. Er sei an Krebs gestorben.

Ob treuer Diensthund oder geliebte Katze: Blutspenden können auch Haustieren helfen. Das Verfahren, das in den 1980er Jahren in den USA erprobt wurde, ist seit mehr als 20 Jahren auch in vielen anderen Ländern möglich. Doch wie eine neue Studie aus England und Erfahrungen aus Berlin zeigen, ist das noch immer kaum bekannt.

In Großbritannien haben Tierärzte in einer nicht-repräsentativen Untersuchung 158 Hunde- und Katzenhalter nach ihrem Wissen über Bluttransfusionen bei Vierbeinern gefragt. Im Ergebnis hatten 70 Prozent von ihnen keine Ahnung, dass ihre Lieblinge für Artgenossen spenden können.

Drei Viertel wussten auch nicht, dass es Blutbanken für Haustiere gibt, heißt es im Fachjournal «Vet Record». Doch fast 90 Prozent der Befragten waren bereit, ihre Tiere Blut spenden zu lassen - wenn ein anderes Tier eine Transfusion zum Überleben brauche.

Das deckt sich mit den Erfahrungen an der Freien Universität Berlin (FU). Tierärzte richteten hier bereits 1996 eine Blutbank für Hunde und Katzen ein. «Geschätzt wissen heute nur rund zehn Prozent der Berliner und Brandenburger, dass es das bei uns gibt», sagt Leiterin und Tierärztin Barbara Kohn. Dass Blutspenden auch unter Tieren möglich seien, wisse vielleicht ein Fünftel. «Vor allem, wenn sie Haustiere haben.»

Rund 300 Hunde und 180 Katzen bekommen an der FU pro Jahr eine Bluttransfusion. Sie kann wie beim Menschen nach Unfällen mit hohem Blutverlust nötig werden. «Aber auch Immunerkrankungen und Gerinnungsstörungen können so behandelt werden, manchmal auch geheilt», sagt Kohn. Blut werde auch nach manchen Tumoroperationen gegeben. Oder, wenn ein Tier Rattengift gefressen habe.

Die Idee einer Blutbank für Haustiere brachte Professorin Kohn aus den USA mit nach Berlin. Vielen Tieren hat diese Initiative seitdem das Leben gerettet. Ganz einfach ist die Sache aber nicht. Blut oder seine Bestandteile lassen sich nicht unbegrenzt lagern. Deshalb sind immer wieder neue Spender auf Pfötchen nötig.

Tierärzte müssen Katzen aber in der Regel eine Narkose geben, damit sie ihnen Blut abnehmen können. «Ohne triftigen Grund machen wir das nicht», betont Kohn. Seien nicht genug Blutkonserven für Katzen auf Lager, starte ein Rundruf.

Oft sind es neben Tierhaltern aus der hauseigenen Spenderkartei dann Studenten und Uni-Mitarbeiter, die ihre Miezen vorbeibringen. «Mehr als zweimal im Jahr lassen wir Katzen aber nicht spenden», betont Kohn. Dazu sollten nur Wohnungskatzen Blut spenden. Freigänger trügen mehr Risiken für Infektionskrankheiten in sich.

Die möglichen Blutmengen sind ohnehin gering: Mehr als sieben Milliliter pro Kilo Körpergewicht werden nicht empfohlen. Macht bei einer durchschnittlichen Vier-Kilo-Mieze gerade mal 28 Milliliter - das ist weniger als in eine Mokkatasse passt. Auch bei Katzen gibt es Blutgruppen, mehr als drei sogar. Zumindest europäische Hauskatzen haben aber fast alle «A», nicht zu verwechseln mit der menschlichen Variante.

Das erhöht die Chance, einen passenden Spender zu finden. Manchmal fragen Halter mit einem kranken Tier auch Freunde mit Katzen. Dann muss das Tierblut nicht gelagert werden, je frischer, desto besser. Für Blutbanken für Tiere gibt es ohnehin viele Auflagen. In ganz Deutschland sind sie deshalb heute zumeist an Tierkliniken gekoppelt.

Etwas einfacher ist Blutspenden bei Hunden. Gutmütige Exemplare ließen sich ohne Betäubung «anzapfen», sagt Kohn. Allerdings sollten sie über 20 Kilo wiegen, damit nicht nur geringe Mengen bei einer Spende herumkommen. An der Kleintierklinik der FU gilt die Regel: 10 Milliliter Blut pro Kilo Körpergewicht. Ausnahmen im Notfall kommen vor.

«Das 10-Kilo-Hundchen einer Mitarbeiterin hat auch schon für einen Yorkshire-Terrier gespendet», erinnert sich Kohn. Bei Hunden gibt es über zwölf Blutgruppen. Bei einer ersten Transfusion spiele das keine Rolle. Doch ab der zweiten Übertragung müsse es passen, erläutert die Leiterin der Blutbank.

«Die Erwartungshaltung an die Tiermedizin ist enorm gewachsen», berichtet Achim Gruber vom FU-Institut für Tierpathologie. «Tierhalter erwarten von Tierärzten heute, was sie aus der Humanmedizin kennen.» Das gelte auch für Bluttransfusionen. «Städter lassen das aber eher machen als ein Landwirt mit Hofhund», berichtet Kohn. «Es kommt auch darauf an, ob ein Tier ein Familienmitglied ist. Dann haben Halter einen engeren Bezug.»

Rund 150 Euro kostet eine Transfusion für Bello oder Mieze an der FU. Auch Menschen mit wenig Geld seien bereit, das für ihren Liebling auszugeben, sagt Kohn. Nachteile für die tierischen Spender habe es an der FU seit 1996 extrem selten gegeben, sagt Kohn. «Einmal war ein Hund nach dem Blutspenden schlapper.» Und eine Katze sei gestorben, weil sie an einer vorher nicht bekannten Herzerkrankung litt.

Vor einer Spende würden alle Tiere gründlich untersucht. Was bleibe, sei in der Regel ein kleiner Bluterguss an der Einstichstelle und ein Stückchen geschorenes Fell. «Wenn man das korrekt macht, ist es nicht gefährlich», versichert Kohn.

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
09:43 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
09:43 Uhr



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