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Wissenschaft

Ariane 6 auf Kurs - Bremer Oberstufen-Zentrum startklar

Wie bei der Ariane 5 kommt auch beim Nachfolge-Modell Ariane 6 die Oberstufe aus Bremen. Ende 2020 soll der Erststart der Trägerrakete erfolgen. Die Ingenieure fiebern dem Countdown schon jetzt entgegen.



ArianeGroup-Deutschland-Chef Pierre Godart
ArianeGroup-Deutschland-Chef Pierre Godart in Bremen.   Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Es ist eine Art Hightech-Produktionsstraße, auf der die Einzelteile der rund zwölf Meter hohen Ariane-6-Oberstufe 20 Stationen in der Halle durchwandern.

Riesige Tanks für Flüssig- Wasserstoff sowie -Sauerstoff werden dort ausgestattet und montiert. Das Vinci-Triebwerk mit einer Schubleistung von bis zu 18 Tonnen wird in die Oberstufe integriert. Schaltkästen werden angebracht, Rohrleitungen gelegt und die Bestandteile der äußeren Hülle weltraumtauglich präpariert.

«Wir können auf dieser Taktstraße zwölf Oberstufen im Jahr bauen», sagt Produktionsingenieur Max Reinhardt, der für den besonders geschützten Reinraum zuständig ist. «Darüber würden wir uns natürlich freuen.» Am 29. Oktober wird das Ariane-6-Zentrum in der Nähe des Bremer Flughafens offiziell eröffnet.

Vom Vorgängermodell Ariane 5, die seit 1996 über 100 Starts absolvierte, werden im Schnitt etwa fünf bis sechs Modelle im Jahr gefertigt. Die Trägerrakete startet stets von Kourou in Französisch-Guayana aus ins Weltall. Ihre Nachfolgerin soll dort spätestens im Dezember 2020 erstmals abheben. «Die Ariane 6 ist Realität. Wir haben schon acht Aufträge für Missionen», sagte Pierre Godart, Deutschlandchef vom Hersteller ArianeGroup.

Die Serienfertigung für die ersten 14 Raketen lief bereits im Mai an. Der Produktionsprozess ist durch und durch digitalisiert. Während die Mitarbeiter bei der Ariane 5 mit Papier aus über 150 Aktenordnern voller Baupläne und Zeichnungen hantieren müssen, werden die Ingenieure bei der Ariane 6 mit Tablets unterwegs sein, mit denen die einzelnen Bauschritte und Abläufe en detail beschrieben, visualisiert und gesteuert werden.

Als die Entwicklung der Ariane 6 im Jahr 2015 beschlossen worden sei, habe das Motto gelautet: Möglichst schnell und kostengünstiger als die Ariane 5, so Godart. Aus gutem Grund, denn der Markt der Trägerraketen ist umkämpft. Vor allem das US-Unternehmen SpaceX macht der Ariane Konkurrenz. «Wir wollten die Kosten um 40 Prozent im Vergleich zur Ariane 5 senken. Und das haben wir geschafft», betont Godart.

ArianeGroup steht an der Spitze eines Industrienetzwerks, das mehr als 600 Unternehmen - darunter 350 kleine und mittelständische Unternehmen - in 13 europäischen Ländern umfasst. Raumfahrt ist extrem teuer. Für das Trägerraketen-Geschäft gilt: Ohne Aufträge - sprich ohne Kundenschaft - geht gar nichts.

«Die kommerziellen Auftraggeber sind zurzeit zurückhaltend», konstatiert aber der Wissenschaftler und Satelliten-Experte Siegfried Voigt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Seien vor einigen Jahren noch 25 bis 30 größere Telekommunikationssatelliten pro Jahr ins All gebracht worden, seien es derzeit gerade mal sieben bis zehn. Allerdings rechnet die Branche mit deutlichem Wachstum. Das Stichwort lautet «New Space Economy» - und es geht um kleine Satelliten aber in großen Mengen.

Die Rede ist von hunderten oder tausenden Satelliten, die ins All gebracht werden könnten, um eine flächendeckende Internet-Versorgung auf der Erde zu sichern. «Das würde natürlich einen gigantischen Markt eröffnen», sagt Voigt. Auch Trägerraketen wie die Ariane 6 oder die Falcon 9 von SpaceX wären für den Transport geeignet. Die Erbauer der Ariane 6 loben vor allem deren Flexibilität, weil das Oberstufentriebwerk wiederzündbar ist, das heißt im schwerelosen Raum kann sie je nach Wunsch Satelliten in unterschiedlicher Höhe absetzen.

Im geostationären Orbit (GEO) sind etwa 300 Satelliten in rund 36.000 Kilometer Höhe unterwegs, in der niedrigen erdnahen Umlaufbahn (LEO) (200 bis 2000 Kilometer) sind es laut Voigt etwa 1000 bis 2000. Zum Höhenvergleich: Die Raumfahrtstation ISS kreist auf etwa 400 Kilometer Höhe um die Erde. Das Konzept «New Space Economy» bedeutet mehr Geschäft, mehr Wettbewerb und vor allem, dass die Kosten für Satelliten und Trägersysteme weiter deutlich sinken müssten.

Auch dazu wollen die Ariane-Bauer im November in Sevilla beim Treffen der Europäischen Weltraumorganisation Esa weitere Ideen diskutieren. Statt wie bisher vorwiegend Metall könnte verstärkt Kohlefaser als Material zum Einsatz kommen. Dadurch könnten bis zu zwei Tonnen Gewicht gespart werden, die wieder für Nutzlast frei würden. Auch das Projekt «Prometheus» für ein wiederverwendbares Triebwerk unter Einsatz von 3-D-Druck-Technologie ist Thema. «Das könnte die Kosten fast um Faktor zehn senken», blickt Godart weit in die Zukunft.

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
11:25 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
11:25 Uhr



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