Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wissenschaft

An Menschen getesteter Corona-Impfstoff zeigt kleine Erfolge

Chinesische Forscher haben eine erste kleine Wirkung eines Corona-Impfstoffs am Menschen nachgewiesen. Ein Malariamittel, das US-Präsident Trump angeblich nimmt, ist dagegen bei einer großen Studie mit Probanden durchgefallen.



Test
Eine Frau wird in Wuhan von einer Person in Schutzanzug auf das Coronavirus getestet. Wissenschaftler haben in der chinesischen Metropole Freiwilligen den Wirkstoff Ad5-nCoV verabreicht und berichten von ersten Erfolgen.   Foto: Xiao Yijiu/XinHua/dpa

Chinesische Forscher haben weltweit erstmals mit einem möglichen Corona-Impfstoff eine Reaktion des Immunsystems bei Menschen hervorgerufen.

Einen Rückschlag gab es dagegen für die Malariamittel Chloroquin und Hydroxychloroquin. Eine große Analyse der Daten von Corona-Patienten zeigte keinen Erfolg.

Der in China getestete Impfstoff Ad5-nCoV habe sich in einer ersten Versuchsphase als sicher und gut verträglich herausgestellt, schreiben die Forscher im Journal «The Lancet» vom Freitag. Vor allem aber habe er eine Immunabwehr-Reaktion auf das Virus Sars-CoV-2 im menschlichen Körper erzeugt. Weitere Versuche seien notwendig, um herauszufinden, ob diese Reaktion auch eine Infektion mit dem Virus verhindere.

«Diese Ergebnisse stellen einen wichtigen Meilenstein dar», erklärte Hauptautor Wei Chen vom Beijing Institute of Biotechnology. Eine einzelne Dosis von Ad5-nCoV reiche demnach aus, um in 14 Tagen bei den Probanden virusspezifische, neutralisierende Antikörper und eine entsprechende Reaktion spezieller Abwehrzellen (T-Zellen) zu erzeugen. Er riet dazu, die Ergebnisse dennoch «vorsichtig» zu interpretieren. Ein Impfstoff, der allen zugänglich sei, sei noch weit entfernt. Ad5-nCoV wurde 108 gesunden Freiwilligen im chinesischen Wuhan verabreicht. Momentan sind nach «Lancet»-Angaben mehr als 100 mögliche Corona-Impfstoffe weltweit in der Entwicklung.

Eine umfassende Datenanalyse von Forschern aus den USA und der Schweiz bekräftigt, dass sich die Malaria-Arzneien Chloroquin und Hydroxychloroquin wahrscheinlich nicht zur Behandlung von Covid-19 eignen. Im Gegenteil, die Wirkstoffe erhöhen womöglich die Todesrate und führen zu mehr Herzrhythmusstörungen, berichten die Forscher im Journal «The Lancet». Sie hatten Daten von gut 96 000 Patienten aus Hunderten Kliniken ausgewertet, von denen fast 15 000 eines der Mittel allein oder in Kombination mit einem Antibiotikum bekommen hatten. Die Autoren um Mandeep Mehra von der Harvard Medical School sprechen sich dafür aus, die Mittel nur im Rahmen von klinischen Studien einzusetzen und sorgfältig zu prüfen. Zu ähnlichen Ergebnissen waren zuvor schon kleinere Studien gekommen.

Virologen aus Ulm haben das neue Coronavirus erstmals in der Muttermilch einer an Covid-19 erkrankten Frau nachgewiesen. Auch ihr Säugling sei an dem Virus erkrankt, teilte das Team um Jan Münch und Rüdiger Groß von der Universität Ulm mit. Es sei noch unbekannt, ob die Viren in der Milch auch infektiös sind und durch das Stillen auf den Säugling übertragen werden könnten, betonen die Forscher. Sie veröffentlichten die Studie ebenfalls im Journal «The Lancet».

Die Virologen hatten die Muttermilch von zwei Frauen auf Erbgut des neuen Coronavirus untersucht, die sich nach der Entbindung im Krankenhaus zusammen mit ihren Neugeborenen ein Zimmer teilten. Als eine der Frauen Krankheitssymptome entwickelte, wurde sie mit ihrem Neugeborenen isoliert und beide wurden positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Die Zimmernachbarin bemerkte erst später Symptome und wurde dann - ebenso wie ihr Kind - auch positiv getestet.

In den Muttermilch-Proben der zuerst erkrankten Frau fanden die Wissenschaftler keine Hinweise auf das neue Coronavirus. Das Ergebnis in den Proben der zweiten Mutter war dagegen vier Mal positiv. Nach 14 Tagen sei kein Virus mehr in der Muttermilch nachweisbar gewesen und die Mutter sowie ihr Kind erholten sich von Covid-19.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bisher keinen Nachweis des neuen Coronavirus in Muttermilch verzeichnet. «Es gibt keinen Grund, das Stillen zu vermeiden oder zu beenden», heißt es dazu in den Empfehlungen auf der Homepage der Organisation.

Ärzte der Augsburger Uniklinik haben bei der Obduktion verstorbener Corona-Patienten durchweg «ungewöhnlich schwere, teils mutmaßlich irreversible» Schäden im Lungengewebe festgestellt. Sie seien offensichtlich nicht bei der Beatmung, sondern am ehesten direkt durch das Virus entstanden, teilte die Uniklinik am Freitag mit. Das Ärzteteam sehe die Veränderung als Todesursache an. Die Ergebnisse ihrer ersten zehn Obduktionen beschreibt es im «Journal of the American Medical Association» («Jama»). «Alle Patienten litten an schweren Grunderkrankungen, die jedoch nicht unmittelbar zum Tod führten», sagte Professor Bruno Märkl, Direktor der Pathologie an der Uniklinik. In den übrigen Organen seien keine augenscheinlich schweren Veränderungen nachgewiesen worden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 05. 2020
09:10 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abwehrzellen Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Deutsche Presseagentur Donald Trump Immunsystem Infektionskrankheiten Klinische Studien Mütter Pathologie Stillen Universität Ulm Universitätskliniken Weltgesundheitsorganisation Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Corona-Impfstoff

20.07.2020

Studie: Britischer Corona-Impfstoff könnte zweifach wirken

Forschern der Universität Oxford in England ist offenbar ein großer Schritt auf dem Weg zu einem Coronavirus-Impfstoff gelungen. Bis zu einem Durchbruch ist es aber noch ein weiter Weg. » mehr

Britischer Corona-Impfstoff

20.07.2020

Studie: Britischer Corona-Impfstoff könnte zweifach wirken

Forschern der Universität Oxford in England ist offenbar ein großer Schritt auf dem Weg zu einem Coronavirus-Impfstoff gelungen. Bis zu einem Durchbruch ist es aber noch ein weiter Weg. » mehr

Säugling

22.05.2020

Erstmals neues Coronavirus in Muttermilch nachgewiesen

In der Muttermilch einer mit Sars-CoV-2 infizierten Frau haben Forscher das Erbgut der Viren nachgewiesen. Unklar ist aber, ob ihr ebenfalls erkranktes Kind sich tatsächlich darüber angesteckt hat. » mehr

Tübinger Impfstoff-Studie

11.07.2020

Ansturm von Freiwilligen für Corona-Impfstudie in Tübingen

Rund 4000 Freiwillige haben sich in der Tübinger Universitätsklinik als Probanden für eine Corona-Impfstudie gemeldet. «Wir sind in einer Luxuslage wie noch bei keiner klinischen Studie. Sonst müssen wir um Probanden rin... » mehr

Impfung

14.06.2020

Bieten zugelassene Lebendimpfstoffe Schutz vor Covid-19?

Bis zur Zulassung eines Corona-Impfstoffs werden noch viele Monate vergehen. Derweil könnten bereits zugelassene Lebendimpfstoffe das Covid-19-Risiko senken, vermuten Forscher. Doch welche Vakzine böte sich an? » mehr

Ulf Dittmer

11.06.2020

Blutwerte erlauben Prognose über Covid-19-Verlauf

Wie schwer eine Covid-19-Erkrankung verläuft, lässt sich einer Studie zufolge schon früh an zwei Typen von Abwehrzellen im Blut vorhersagen. Das Resultat könnte die Therapie beeinflussen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Güllelaster Rudolstadt

Umgekippter Güllelaster Rudolstadt |
» 2 Bilder ansehen

Flugzeugabsturz Kühndorf Dolmar

Flugzeugabsturz Dolmar | 19.10.2020 Dolmar
» 17 Bilder ansehen

Unfall Tunnel Hochwald

Unfall A71 Tunnel Hochwald |
» 25 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 05. 2020
09:10 Uhr



^