Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wissenschaft

All-Machtfantasien: Wettstreit um den Zugang zum Weltraum

Ein Weltraumbahnhof in Deutschland - für BDI-Präsident Dieter Kempf ist das realistisch. Das All ist längst nicht mehr nur Ziel unserer Entdeckerfantasien. China, die USA und Russland ringen dort um die Vorherrschaft. Die EU will da mitmachen.



Sternenhimmel
Sterne leuchten am Nachthimmel. Verlagert sich der Kampf um Rohstoffe eines Tages in das Weltall?.   Foto: Google/dpa

Ein Weltraumbahnhof in Rostock-Laage oder in Nordholz bei Cuxhaven? Das klingt mehr nach «Captain Future» als nach Zukunftsplan. Doch hinter dieser Idee stecken knallharte Wirtschaftsinteressen. Längst ist unter den Supermächten China, USA und Russland ein Gerangel um die Vormacht im All entbrannt. Die EU will da mitmischen.

«Wir brauchen einen unabhängigen Zugang zum All», sagte Andreas Hammer vom Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie jüngst bei einer Veranstaltung in Berlin. «Ohne den Weltraum funktioniert unser normales Leben nicht mehr. Jeden Tag, den wir weiterleben, werden wir abhängiger von den Aktivitäten im Weltraum».

Satelliten im All füttern unsere Smartphones mit GPS-Daten oder der Wettervorhersage. Auch unsere Navis im Auto brauchen Daten von Satelliten. «Heutzutage hat keiner mehr den Faltplan im Auto und streitet sich mit seinem Partner, wenn man sich verfahren hat», sagte Hammer, der auch für die Rüstungs- und Raumfahrtsparte von Airbus (Defense & Space) tätig ist.

Im Weltraum geht es aber nicht allein um Smartphones und Navis. Im All lagern ungenutzte Geldberge - in Form von Rohstoffen. Bis diese auf Asteroiden oder Planeten gefördert werden könnten, sei es zwar noch etwas hin, heißt es in einem Grundsatzpapier des BDI. «Doch aufgrund rasanter technologischer Innovationen rückt die Förderung von Rohstoffen im Weltraum in den Bereich des Möglichen.»

«Auch wenn die Idee am Anfang idiotisch klingt - gebt ihr eine Chance», mahnte der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Johann-Dietrich Wörner, mit Blick auf frühere Missionen zum Mond. Dieser sei zunächst als «toter Stein» verschrien gewesen. Dank der Flüge dorthin wüssten wir, dass es Wasser nicht nur auf der Erde gebe, betonte Wörner. «Jetzt fliegen sie alle hin, Ost wie West.»

Damit die deutsche Industrie am künftigen Geschäft im All mitverdienen kann, brauche es doppelt so viel Geld von der Bundesregierung wie bisher. Das zumindest fordert der Bundesverband Deutscher Industrie (BDI). Statt aktuell knapp 300 seien 700 Millionen Euro nötig. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vertröstete die Industrie zuletzt noch. Er könne nicht mehr Geld versprechen, sagte der CDU-Politiker beim «Weltraumkongress» in Berlin.

Anders als der Abbau von Rohstoffen ist das machtpolitische Gerangel um die All-Macht bereits in vollem Gange. Dabei geht es vor allem um den Schutz kritischer Infrastruktur. «Wenn Sie durch Berlin laufen, stehen vor jeder Botschaft Wachmänner», sagte Hammer. Auch Atomkraftwerke werden geschützt. Nur im All sei es anders: «Wir haben im Moment im Weltraum Infrastruktur, die vollkommen ungeschützt ist», betonte Hammer. Von dieser Infrastruktur hängen wir demnach auf der Erde ab. Und sie könne das Ziel feindlicher Attacken werden.

Die EU hat schon ein eigenes Navigationssystem namens Galileo entwickelt. Die USA etwa können in ihren GPS-Systemen ganze Regionen einfach ausblenden, sagte der CDU-Politiker Thomas Jarzombek, der die deutsche Luft- und Raumfahrt für die Bundesregierung koordiniert. Wenn die USA also nicht wollen, dass jemand ein bestimmtes Gebiet auf einer Karte sieht, dann sieht er es auch nicht. «Wenn man eine robuste Auseinandersetzung hat, braucht man ein eigenes System», ergänzte Jarzombek. Gemeint sind Krisen, Konflikte und Kriege.

Statt mehr Geld für europäische Projekte dieser Art auszugeben, wird es einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» zufolge wohl weniger Mittel geben: Die Bundesregierung will demnach der europäischen Raumfahrtagentur Esa die Gelder kürzen. Die große Koalition setzt künftig verstärkt auf rein deutsche Vorhaben und weniger auf europäische Gemeinschaftsprojekte: Laut einem Antrag der Bundesregierung sollen der Esa bis zu 80 Millionen Euro pro Jahr weggenommen und deutsche Raumfahrtprogramme mit rund 12 Millionen Euro mehr gefördert werden.

Das Bundeswirtschaftsministerium widerspricht dieser Darstellung. Auch andere Ministerien zahlten in das Esa-Budget ein; dieses werde auch 2020 ungefähr gleich bleiben.

Zurück zum Weltraumbahnhof Rostock und einem Missverständnis: Dort sollen keine «Space-Shuttles» ins All geschossen werden, betonte eine Sprecherin des Energieministeriums. Es gehe um Starts von kleinen Trägerraketen, die ebenso kleine Satelliten transportierten. Ob der Flughafen Rostock-Laage dafür in Frage komme, solle ein Gutachten bis 2020 prüfen. Die Sprecherin betonte aber: «Es handelt sich keinesfalls um ein deutsches Cape Canaveral.»

Veröffentlicht am:
12. 11. 2019
19:55 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Airbus GmbH BDI BDI-Präsidenten Bundesministerium für Wirtschaft Bundeswirtschaftsminister Cape Canaveral Deutscher Bundestag Europäische Union Europäische Weltraumorganisation Große Koalition Johann-Dietrich Wörner Ministerien Peter Altmaier Politiker der CDU Raumfahrtbehörden Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Satelliten Space Shuttle Thomas Jarzombek
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Start einer Vega-Trägerrakete

17.11.2020

Erneuter Fehlstart von europäischer Vega-Rakete

Was für eine Blamage: Zum zweiten Mal innerhalb von anderthalb Jahren misslingt der Start einer Vega-Rakete. Anfangs sieht es noch so aus, als ob alles glatt gehen würde. Doch dann gibt es Probleme - die Rakete macht nic... » mehr

Europäischer Weltraumbahnhof Kourou

21.10.2019

Altmaier will deutschen Weltraumbahnhof prüfen

Die Industrie wünscht sich einen Weltraumbahnhof in Deutschland. Wirtschaftsminister Altmaier zeigt sich aufgeschlossen, doch die ESA zweifelt an einem Standort in Deutschland. » mehr

Ariane-Rakete

12.11.2019

Bundesregierung will Gelder für Raumfahrtagentur Esa kürzen

Die Bundesregierung will der europäischen Raumfahrtagentur Esa die Mittel kürzen und mehr Geld für rein deutsche All-Missionen ausgeben. Das sieht ein Antrag der Großen Koalition vor. Über das Papier berichtete zuerst di... » mehr

Start

16.11.2020

Vier Astronauten starten mit neuem SpaceX-Raumschiff ins All

Bei der Nasa und bei SpaceX knallen die Sektkorken. Jetzt sollen Flüge ins All aus den USA wieder zur Normalität werden. Zwei Präsidenten gratulieren. » mehr

Söder

07.09.2020

Raketen-Start-up Isar Aerospace startet Produktion

In Ottobrunn bei München beginn das Start-up Isar Aersopace seine Raketenproduktion. 2021 soll die erste starten. Währenddessen prüft das Wirtschaftsministerium Pläne für einen deutschen Weltraumbahnhof in der Nordsee. » mehr

Nasa-Roboter schickt Proben in die Mars-Umlaufbahn

11.11.2020

Nasa bereit für Zurückschicken von Mars-Probe zur Erde

Gerade erst hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa eine Probe von einem Asteroiden entnommen, jetzt geht es schon an die nächste große Herausforderung: Eine Probe vom Mars. Das wäre zwar noch lange hin - gut aufgestellt sei di... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall_Lkw_Oberhof Oberhof

Lkw-Unfall Oberhof | 24.11.2020 Oberhof
» 11 Bilder ansehen

Schnee Steinhied

Der erste Schnee in der Region |
» 7 Bilder ansehen

Unfall Meiningen Meiningen

Unfall Meiningen | 22.11.2020 Meiningen
» 6 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 11. 2019
19:55 Uhr



^