Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Wirtschaft

Zehntausende demonstrieren in Berlin für eine Agrarwende

Zur Branchenmesse Grüne Woche machen Landwirte und Bürger aus ganz Deutschland in der Hauptstadt Druck für eine andere Agrarpolitik. Internationale Minister setzen auf die Chancen der Digitalisierung.



Brandenburger Tor
Demonstranten fordern am Brandenburger Tor unter dem Motto «Wir haben Agrarindustrie satt!» mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft.   Foto: Ralf Hirschberger » zu den Bildern

Angeführt von Traktoren haben mehrere zehntausend Menschen in Berlin eine Wende zu mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft verlangt.

Unter dem Motto «Wir haben Agrarindustrie satt» führte der Demonstrationszug anlässlich der Ernährungsmesse Grüne Woche am Samstag durch das Regierungsviertel. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich 35.000 Menschen an dem Protest. Eine in Berlin tagende Agrarminister-Konferenz sprach sich für mehr weltweite Kooperation bei der stärkeren Digitalisierung der Landwirtschaft aus.

Zu der Demonstration für eine Agrarwende hatte ein Bündnis von Landwirten, Tier- und Umweltschützern aufgerufen. Los ging es am Morgen mit einer Sternfahrt von rund 170 Traktoren zum Brandenburger Tor. Auf drei Routen waren sie aus dem Umland in die Stadt gefahren.

An der Agrarminister-Konferenz im Außenministerium übergaben sie eine Protestnote. Darin stand, dass «bäuerliche Arbeit auf den Äckern und Feldern und in den Ställen etwas sehr Wertvolles und vor allem Schützenswertes» ist. Das Bündnis fordert auch für die Verhandlungen zur künftigen EU-Agrarfinanzierung mehr Klima- und Naturschutz, mehr Unterstützung für kleinere Höfe und artgerechte Tierhaltung.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) wandte sich mit Blick auf die Demonstration gegen Polarisierungen. Es sei eine Herausforderung, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähre: «Wir werden sie nicht satt machen mit einem Teilausstieg aus der landwirtschaftlichen Produktion.» Es komme auf eine nachhaltigere, effizientere und umweltgerechtere Produktion an. «Aber wir brauchen den Landwirt.» Es gehe nicht mit einem Gegeneinander und Pauschalisierungen.

Am Brandenburger Tor zeigte sich ein buntes Bild: Demonstranten in Bienen und Imkerkostümen, überlebensgroße Luftballons in Form von Insekten, Transparente. Eine Landwirtin aus dem niedersächsischen Wendland sagte: «Die Agrarindustrie lässt uns kleine Bauern wegsterben.» Ihre Familie müsse jedes Jahr gucken, wie es weitergehe.

Grünen-Chef Robert Habeck rief dazu auf, bewusst einzukaufen: «Wir müssen wegkommen im Alltag von diesem «Wir stopfen uns noch schnell Kalorien rein, und es ist egal, wie sie entstanden sind».» Laut Polizei verlief der Protestzug zunächst friedlich.

Die Agrarminister-Konferenz mit Regierungsvertretern aus 74 Staaten beschloss, einen Anstoß für mehr Kooperation bei der Digitalisierung zu geben. Die Welternährungsorganisation FAO solle dafür ein Konzept für einen Digitalrat ausarbeiten, sagte Klöckner als Gastgeberin. Er solle Länder beraten und den Erfahrungsaustausch vorantreiben. Die Digitalisierung stärke ländliche Räume und bekämpfe Fluchtursachen. Daher sollten gemeinsame Lösungen gesucht werden, um den Zugang zu Technologien auch für Kleinbauern auf der ganzen Welt zu verbessern.

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis zeigte sich offen für das von der Bundesregierung geplante staatliche Tierwohl-Label für Fleisch aus besserer Haltung. Er sei für jegliche Maßnahmen und auch Kennzeichnungen, um den Tierschutz zu erhöhen. Generell müsse man vorsichtig sein, keine Barrieren im EU-Binnenmarkt zu schaffen.

Das von Klöckner geplante Tierwohl-Kennzeichen sieht drei Stufen oberhalb des gesetzlichen Standards vor und soll voraussichtlich ab 2020 starten. Bauern sollen es freiwillig nutzen können. Die genauen Anforderungen und Kriterien werden noch erarbeitet.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 01. 2019
17:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Branchenmessen Brandenburger Tor CDU Digitalisierung Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen Internationale Grüne Woche Berlin Julia Klöckner Kommissar für Gesundheit Landwirte und Bauern Landwirtschaftspolitik Nachhaltige Landwirtschaft Polizei Robert Habeck Tierschutz Traktoren
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Grüne Woche 2019

18.01.2019

Merkel: Digitalisierung kann im Kampf gegen Hunger helfen

Mit dem Bilderbuch-Hof hat Landwirtschaft nicht mehr viel zu tun. Bauern arbeiten heute hoch technisiert. Auf der Grünen Woche betont die Bundeskanzlerin die Chancen, nennt aber auch Handlungsbedarf. » mehr

Internationale Grüne Woche 2019

17.01.2019

Grüne Woche startet: Tierwohl und Digitalisierung im Fokus

Essen soll schmecken. Doch viele Verbraucher interessieren auch Tierhaltungs-Bedingungen und wie «Dickmacher» leichter zu erkennen sind. Was «liefern» Politik und Branche beim Branchentreff in Berlin? » mehr

Getreide

28.01.2019

Klöckner warnt vor «Umweltstandard-Dumping»

Die EU-Agrarförderung soll ab 2021 neu aufgestellt werden, die EU-Kommission will den Staaten mehr Freiraum geben. Doch es gibt mahnende Stimmen, dass der Umweltschutz unter die Räder kommen könnte. » mehr

Julia Klöckner und Frank-Walter Steinmeier

23.01.2019

Steinmeier: Schnelles Internet auf dem Land essenziell

Auf dem Land wirtschaften nicht nur die deutschen Bauern. Viele kleinere Orte haben mit Abwanderung zu kämpfen, wenn Busverbindungen fehlen oder fixes Internet. Das Staatsoberhaupt drängt zum Handeln. » mehr

Küken

16.05.2019

Verwaltungsgericht urteilt nächste Woche zum Kükentöten

Gibt es einen vernünftigen Grund, jedes Jahr Millionen von Küken zu töten? Darüber hat das Bundesverwaltungsgericht verhandelt. Ob es die umstrittene Praxis stoppen wird, ist noch offen. » mehr

Küken

12.05.2019

Tierschützer hoffen beim Kükentöten aufs Verwaltungsgericht

Ethisch höchst fragwürdig: Weil sich ihre Aufzucht nicht rechnet, werden jedes Jahr Millionen männliche Küken getötet. Die Politik setzt auf ein Ende der Praxis im kommenden Jahr - nicht schnell genug für Tierschützer, d... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

25. Feuerwehr-Jugendleistungsmarsch in Eisfeld Eisfeld

25. Jugendleistungsmarsch | 25.05.2019 Eisfeld
» 11 Bilder ansehen

Schmalkalden feiert „Am Walperloh“ - Mit dem Schweizer Star-DJ Antoine Schmalkalden

Prachtparade Schmalkalden | 24.05.2019 Schmalkalden
» 20 Bilder ansehen

Fridays for Future

Fridays-Demo-MGN |
» 18 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 01. 2019
17:47 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".