Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Zahl der Reisenden im Fernverkehr der Bahn geht zurück

Die rasant steigenden Infektionszahlen in Deutschland drücken die Fahrgastzahlen im Fernverkehr der Bahn AG wieder erheblich nach unten. Dennoch will der bundeseigene Konzern sein Angebot nicht voreilig verringern - und sich für die Weihnachtszeit rüsten.



Kontrolle in der Bahn
Ein Mitarbeiter der DB-Sicherheit kontrolliert in einem ICE, ob die Fahrgäste einen Mund-Nasen-Schutz tragen.   Foto: Axel Heimken/dpa

Angesichts rapide steigender Infektionszahlen und schärferer Vorgaben in der Corona-Krise verzichten wieder mehr Menschen auf das Bahnfahren.

«Seit Anfang Oktober registrieren wir eine zunehmende Verunsicherung unserer Kunden im Fernverkehr, während das Verkehrsaufkommen im Regionalverkehr stabil geblieben ist», teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage mit. Besonders betroffen seien im Fernverkehr Geschäftsreisen sowie längerfristige Buchungen, «was angesichts der aktuellen Entwicklungen und Diskussionen nicht verwunderlich ist».

Nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) sind die Buchungszahlen im Fernverkehr der Deutschen Bahn seit Anfang Oktober um ein Drittel eingebrochen. Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit fahren nur noch halb so viele Menschen mit ICE und IC. «Das geht alles nicht spurlos an uns vorüber», sagte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber dem Blatt.

Im Frühjahr, als bundesweit erhebliche Reise- und Ausgehbeschränkungen galten, war die Nachfrage bei der Deutschen Bahn nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Dennoch hielt der bundeseigene Konzern einen Großteil des Angebots aufrecht. Im Frühjahr saßen laut Bahn nur noch 10 bis 15 Prozent der Fahrgäste in den Zügen. Mit den Lockerungen im Sommer stieg auch die Nachfrage wieder. Zwischenzeitlich lag das Verkehrsaufkommen im Fernverkehr laut dem Sprecher wieder bei rund 75 Prozent des vor Corona üblichen Niveaus. Nun geht der Trend wieder in die andere Richtung.

«Durch die Verschärfung der Lage seit Anfang Oktober und auch durch den Appell der Bundesregierung, möglichst nicht zu reisen, sind wir hier jetzt sehr schnell auf 50 Prozent zurückgefallen», sagte Huber. Umgerechnet auf die Auslastung bedeutet das, dass in den Fernzügen im Schnitt nur noch etwa ein Drittel der Sitzplätze besetzt ist.

Derzeit fährt die Bahn 90 bis 95 Prozent der Fernzüge des Fahrplans aus Vor-Corona-Zeiten. «Wir wollen das auch nicht voreilig verringern», sagte Huber. «Die Kunden sollen in der Pandemie die Chance haben, sich in den Zügen zu verteilen. Bei einer Auslastung von 35 Prozent ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der benachbarte Platz frei bleibt.» Die Masken-Disziplin sei in den vergangenen Wochen größer geworden. Es gebe zudem «keinerlei Nachweis über eine besondere Ansteckungsgefahr in Zügen».

Im Weihnachtsreiseverkehr will die Bahn nach einem Bericht der «Welt am Sonntag» die Sicherheit erhöhen, indem mehr Plätze angeboten werden. «Sicheres Reisen mit bestmöglichem Abstand wollen wir in jedem Fall gewährleisten», sagte ein DB-Sprecher dem Blatt. «In diesem Jahr werden wir für die Reisezeit vor den Weihnachtsfeiertagen über eine noch größere Zugflotte verfügen.» Man plane mit mehr Verbindungen, dichteren Zugfolgen und mehr neuen Zügen mit täglich 13.000 zusätzlichen Sitzplätzen.

Um den besonders starken Rückgang bei Geschäftsreisen besser abzufedern, prüft die Deutsche Bahn eine engere Zusammenarbeit mit der Lufthansa. «Gerade in diesen schwierigen Zeiten könnte mancher Fluggast auf den Zug umsteigen», sagte Huber der FAZ. «Deshalb prüfen wir, wie wir Flug und Zug noch besser vernetzen können - besonders am Knotenpunkt Frankfurt.»

Auch aufgrund der niedrigen Nachfrage wird für dieses Jahr ein Milliardenverlust bei dem Staatskonzern erwartet. Der Bund unterstützt das eigene Unternehmen mit einer Eigenkapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro, die aber von Wettbewerbern kritisiert wird und von der EU-Kommission geprüft werden muss. Um einen eigenen Sparbeitrag zu leisten, verhandelt die Bahn derzeit mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in einem Schlichtungsverfahren über Möglichkeiten.

© dpa-infocom, dpa:201025-99-74527/2

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 10. 2020
15:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Berthold Huber Deutsche Bahn AG Deutsche Lufthansa AG Europäische Kommission Fernverkehr Fluggäste GDL Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer Gewerkschaften Kunden Lokführer Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Regionalverkehr Welt am Sonntag Zeitungen Züge
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Platzeck

11.11.2020

Schlichtung zwischen Bahn und GDL gescheitert

Wegen der Corona-Krise muss die Bahn auch bei den Personalkosten sparen. Mit der Gewerkschaft GDL ist darüber nun ein wichtiger Gesprächsversuch gescheitert. Streiks drohen keine - zumindest vorerst. » mehr

Leerer ICE-Führerstand

22.10.2020

Lokomotivführer in Deutschland fordern mehr Lohn

4,8 Prozent mehr Lohn, eine Einmalzahlung und ein dreijähiger Verzicht des Managements auf Boni: Mit diesen Forderungen ist die GDL in das Schlichtungsverfahren mit der Bahn getreten. Und das, obwohl der Konzern in der K... » mehr

Neue Regeln bei Bahn

26.11.2020

Neue Regeln bei Bahn - vorerst keine Reservierungspflicht

Mehr Züge, dafür weniger Reservierungmöglichkeiten: Nach dem Bund-Länder-Beschluss zur Corona-Krise passt die Deutsche Bahn ihr Angebot im Fernverkehr an. Die von vielen Seiten kritisierte Reservierungspflicht ist vorers... » mehr

Bahn und EVG einigen sich

18.09.2020

Bahn-Mitarbeiter bekommen mehr Geld

Die Corona-Krise verändert die Lage bei der Bahn: Der Spardruck ist kräftig gewachsen, auch auf das Personal. Deshalb steigen die Einkommen langsamer als früher. Aber sie steigen. » mehr

ICE

31.10.2020

Bahn will Angebot aufrecht erhalten

Wenn alle zu Hause bleiben sollen, fahren die Menschen wieder weniger mit der Bahn. Trotzdem soll der Fahrplan nicht abgespeckt werden. » mehr

Fernzug

25.11.2020

EVG warnt vor Reservierungspflicht - Bahn mit Verlust

Neue Vorschläge des Bundes in der Corona-Krise stoßen auf Kritik der Gewerkschaft EVG: Demnach sollen die reservierbaren Plätze in Zügen begrenzt werden. Entschieden ist aber noch nichts. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Verkehrsunfall A71 Suhl Meiningen Autobahn 71

Unfall A71 Suhl/Meiningen | 29.11.2020 Autobahn 71
» 7 Bilder ansehen

Unfall A73 Suhl Suhl A73

Unfall A73 Suhl | 27.11.2020 Suhl A73
» 7 Bilder ansehen

Holz Lkw Schleusingen Schleusingen

Holzlaster Unfall | 27.11.2020 Schleusingen
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 10. 2020
15:53 Uhr



^