Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Wirtschaft

Wirtschaftsweise Schnitzer für Deutschland zuversichtlich

Reißt die Corona-Krise die Wirtschaft in den Abgrund oder kann Deutschland dem Sturm trotzen? Die vor kurzem in den exklusiven Kreis der Wirtschaftsweisen berufene Monika Schnitzer hat eine klare Meinung.



Moninka Schnitzer
«Ich erwarte, dass die Wirtschaft mit der langsamen Lockerung der Maßnahmen auch rasch wieder ins Laufen kommt», sagt Monika Schnitzer.   Foto: Peter Kneffel/dpa

Die neue Wirtschaftsweise Monika Schnitzer ist zuversichtlich, dass Deutschland gut aus der Corona-Krise kommen wird.

«Ich erwarte, dass die Wirtschaft mit der langsamen Lockerung der Maßnahmen auch rasch wieder ins Laufen kommt», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Der Anreiz, wieder aktiv zu werden bei den Unternehmen und auch der Nachholbedarf der Konsumenten seien groß.

All dies gelte aber nur, wenn es gelinge, die Infektionen so unter Kontrolle zu bekommen, dass keine zweite Infektionswelle drohe, betonte die Wirtschaftswissenschaftlerin. Doch dafür sei «gerade Deutschland mit seinem starken Gesundheitssystem gut aufgestellt». Allerdings werde nicht alles gleich schnell wieder ins Laufen kommen. «Aber dafür haben wir Rücklagen und Hilfen, um dort für Ausgleich zu sorgen, wo es nötig ist.»

Die aktuellen Lockerungen der Maßnahmen hält Schnitzer für eine «sehr gute Mischung» zwischen Schutz und einer vorsichtigen wirtschaftlichen Öffnung. Dass einzelne Bundesländer dabei eigene Wege gehen, hält sie teilweise für verständlich, fände es aber grundsätzlich besser, wenn es einheitliche Lösungen gäbe. «Auf diese Weise könnte man Neid vermeiden, wenn die Einen etwas schon dürfen, die Anderen aber noch nicht. Und es verringert die Gefahr, dass die Menschen denken, die Maßnahmen seien übertrieben.»

Größere Sorgen als um Deutschland macht sie sich um den internationalen Bereich: «Wenn unsere Absatzmärkte wie China und die USA einbrechen und im Krisenmodus bleiben, wird es uns schwerfallen, wieder auf die Umsatzzahlen zu kommen, die wir vorher hatten.»

In diesem Zusammenhang plädiert Schnitzer auch für europäische Solidarität. «Es ist extrem wichtig, dass wir dafür sorgen, dass die von der Corona-Krise besonders stark betroffenen Länder nicht noch stärker in Schwierigkeiten kommen. Das ist auch in unserem eigenen Interesse, denn unsere Wirtschaft ist gerade in Europa sehr stark verflochten. Wir werden also nicht alleine aus der Krise kommen.»

Gemeinsame Anleihen der Euroländer - sogenannte Corona-Bonds - hält die Wirtschaftswissenschaftlerin dennoch nicht für das Mittel der Wahl. Ihr Einsatz würde schlicht zu lange dauern, sagte sie. Sinnvoller sei der Euro-Rettungsschirm (ESM). Wichtig sei dabei aber, dass man sich von der aktuell noch mit diesem Instrument verbundenen Stigmatisierung löse. Und auch auf Auflagen, wie sie bei der Euro-Rettung gemacht wurden, müsse verzichtet werden. «Man sollte bei der Wahl des Instruments pragmatisch sein», sagte Schnitzer. «Mein Eindruck ist aber, dass im Moment sehr dogmatisch diskutiert wird. Das hilft nicht.»

Grundsätzlich sieht die Wirtschaftsweise «keine Veranlassung» für die Befürchtung, dass Deutschland die finanziellen Lasten durch die verschiedenen Rettungsmaßnahmen nicht tragen könne. Es sei aber wichtig, diese Lasten nicht nur den kommenden Generationen, sondern auch den jetzigen aufzubürden.

Das oberste Ziel staatlicher Hilfen müsse sein, die drohende Insolvenzwelle zu vermeiden, sagte Schnitzer, mahnte aber auch: «Man sollte jetzt nicht zwanghaft Insolvenzen vermeiden von Unternehmen, die schon vor der Krise kurz vor dem Konkurs waren.» Hier müsse man die Spreu vom Weizen trennen - auch im Hinblick darauf, ob die Geschäftsmodelle nach der Corona-Krise noch tragfähig seien. Das müsse aber pragmatisch und zügig geschehen. «Es ist offensichtlich, dass man hier nicht mit der gleichen Gründlichkeit wie im Normalfall vorgehen kann. Es wird also Streuverluste und Kredite geben, die nicht zurückgezahlt werden.»

Staatlichen Beteiligungen an kriselnden Unternehmen gegenüber äußerte sich Schnitzer zurückhaltend. «Man muss sich immer auch fragen, wie kommt der Staat da wieder heraus. Und das ist typischerweise gar nicht so einfach.» Dennoch könne dies in bestimmten Fällen das richtige Mittel sein.

Schnitzer setzt bei der Bewältigung der Krise auch auf die Kreativität der Menschen. «Das kann der Fitnesstrainer sein, der seine Kurse online anbietet, oder die Künstlerin, die auf Instagram Live-Konzerte für ihre Fans gibt», sagte sie. «Es muss nicht alles vom Staat kommen. Hier ist auch die Initiative von Privatleuten gefragt - und die sind erstaunlich erfinderisch.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 04. 2020
06:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Presseagentur Euro-Rettung Fitnesstrainer Insolvenzen Krankheitswellen Krisen Krisenbewältigung Maßnahmen Rettungsmaßnahmen Staaten Staatliche Unterstützung und Förderung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Condor-Flieger

21.04.2020

Staat will Condor erneut vor dem Absturz bewahren

Die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus bringen weltweit die Fluggesellschaften ins Trudeln. Eine deutsche Reise-Ikone kann sich aber der staatlichen Unterstützung sicher sein. » mehr

Pleite

11.05.2020

Bislang weniger eröffnete Insolvenzverfahren trotz Corona

Ist es die Ruhe vor dem Sturm? Noch entwickelt sich die Zahl der Insolvenzen in Deutschland moderat. Mancher Experte erwartet infolge der Corona-Krise jedoch eine Welle von Firmenpleiten. » mehr

Lufthansa-Maschinen

10.04.2020

Ministerium: Verhandlungen mit Lufthansa «Bewährungsprobe»

Die Corona-Krise hat die Lufthansa besonders hart getroffen. Der Konzern braucht wohl staatliche Unterstützung. Laut «Spiegel» liegen mehrere Optionen auf dem Tisch. Innerhalb der Regierung weist das Wirtschaftsministeri... » mehr

Eric Schweitzer

27.03.2020

Wirtschaft erwartet noch deutlich stärkere Corona-Einbußen

Viele Firmen ächzen unter der Corona-Krise - und die Probleme dürften sich noch verschärfen. Möglichst rasch sollen nun staatliche Hilfen fließen. Einige denken aber auch schon an die Zeit des Neustarts. » mehr

Vapiano

20.03.2020

Pasta, aber zuhause - Vapianos leere Kasse

In der Krise essen alle Nudeln - allerdings nicht mehr im Restaurant, sondern zuhause. Das kann Vapiano, schon vor Corona-Zeiten angeschlagen, nun das Genick brechen - wenn der Staat sich nicht beeilt. » mehr

Condor-Übernahme geplatzt

14.04.2020

Nach geplatzem Deal fordern Condor-Beschäftigte Staatshilfe

Bangen um den Ferienflieger: Die Condor kann nach der Absage des Investors aus Polen wohl nur noch mit staatlicher Hilfe überleben. Es kursieren immerhin noch Planspiele für die Zeit nach der Krise. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Verkehrsunfall Hildburghausen Hildburghausen

Verkehrsunfall Hildburghausen | 07.07.2020 Hildburghausen
» 11 Bilder ansehen

Motorradunfall Streufdorf Streufdorf

Motorradunfall Streufdorf | 04.07.2020 Streufdorf
» 7 Bilder ansehen

Kellerbrand Benshausen Benshausen

Kellerbrand Benshausen | 03.07.2020 Benshausen
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 04. 2020
06:54 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.