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Wirtschaft

Wegen Pannenserie: Airline Small Planet meldet Insolvenz an

Dem Chaos-Sommer folgt die Insolvenz. Der Charterflieger kann die Entschädigungsansprüche der Passagiere nicht mehr bedienen. Die werden wohl in die Röhre schauen.



Small-Planet-Maschine
«Angespannte finanzielle Situation»: Die Small Planet GmbH hat Insolvenz angemeldet.   Foto: Todor Stavrev/BTA

Nach einem pannenreichen Sommer ist die Charter-Airline Small Planet in die Insolvenz geflogen. Unter dem Druck millionenschwerer Entschädigungsforderungen enttäuschter Passagiere hat das Unternehmen die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.

Der Flugbetrieb solle unverändert weitergehen, sämtliche Tickets blieben gültig, versicherte das Unternehmen aber. Man wolle den Flugbetrieb langfristig aufrecht erhalten.

Auf ihrer Webseite nannte die deutsche Tochtergesellschaft der litauischen Small Planet Airlines die «angespannte finanzielle Situation durch die Ereignisse des laufenden Sommers» als Grund. Gemeint sind zahlreiche Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb, die zu hohen Entschädigungsansprüchen der betroffenen Passagiere geführt haben. Die gesamte Branche kämpft in diesem Sommer mit Streiks, überlasteten Flughäfen, Engpässen bei der Flugsicherung und negativen Wetterphänomenen.

Bei Small Planet sollen Branchenkreisen zufolge interne Organisationsprobleme hinzugekommen sein. Die Airline war zuletzt mit Mietflugzeugen schnell gewachsen, um die von Air Berlin hinterlassene Angebotslücke zu schließen. In den vergangenen Monaten hatte es zahlreiche, teils mehrtägige Verspätungen gegeben. Anfang September saßen beispielsweise rund 200 Ägyptenurlauber wegen einer defekten Maschine mehr als 50 Stunden fest, bevor sie ihren Rückflug antreten konnten.

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bestätigte am Mittwoch den Antragseingang und die Bestellung des Rechtsanwalts Joachim Voigt-Salus zum vorläufigen Sachwalter. Sollte das Insolvenzverfahren nach eingehender Prüfung eröffnet werden, müssten sich die Passagiere mit ihren Forderungen bei den übrigen Gläubigern einreihen und würden möglicherweise kaum etwas erhalten. Die deutsche Small Planet beschäftigt rund 400 Mitarbeiter und betreibt neun Maschinen.

Small Planet versicherte, dass alle Flugpläne und verkauften Tickets gültig bleiben. Sämtliche Flüge würden durchgeführt. Zu den Kunden zählt auch der Reisekonzern Tui, der für seine Kunden allein mehrere tausend Plätze bei dem Ferienflieger gebucht hat. Auch der Veranstalter Thomas Cook/Neckermann Reisen schickt Gäste mit den Maschinen von Small Planet zu den Urlaubszielen.

Grund zur Aufregung sieht man dort aber bisher nicht. Alle Flüge ab und nach Deutschland fänden planmäßig statt und würden weiterhin von Small Planet Airlines Deutschland durchgeführt, sagte eine Thomas-Cook-Sprecherin. Dies gelte auch für Flüge mit dem Thomas-Cook-Ferienflieger Condor von und nach Köln, bei dem ein Flugzeug von Small Planet Airlines zum Einsatz komme. Die Gäste seien bei Veranstalterreisen «auf jeden Fall gut abgesichert», erklärte eine Sprecherin von FTI-Touristik. Sollte es zu Einschränkungen kommen, werde man alternative Flüge anbieten.

Beim Kongress der Touristik-Fachzeitschrift «fvw» in Köln zeigten sich Veranstalter von der Small-Planet-Pleite kaum überrascht. «Was uns auffiel, waren hohe Unregelmäßigkeiten im Flugplan und damit hohe Entschädigungsansprüche der Kunden», sagte der Geschäftsführer von Schauinsland Reisen, Gerald Kassner.

Ab drei Stunden Flugverspätung haben Kunden nach der EU-Fluggastrechteverordnung in vielen Fällen Anspruch auf eine Entschädigung von 250 bis 600 Euro. Bei Flügen ans Mittelmeer übersteigen diese Ansprüche oft die Summe, die der Kunde für sein Flugticket bezahlt hat. Im Nachhinein sei die Pleite von Small Planet zu erwarten gewesen, resümierte auch der Geschäftsführer des Reiseveranstalters LMX, Lars Ludwig.

Nach Informationen des Fluggast-Sofortentschädigers EUflight.de sind bei der Airline Entschädigungsforderungen von mehr als 20.000 Passagieren aufgelaufen. «Wir gehen von rund 9 Millionen Euro gemäß EU-Fluggastrechte-Verordnung bestehender Ansprüche aus», sagte Geschäftsführer Lars Watermann. Für seine Firma wie auch für Fluggäste sei die Insolvenz nicht absehbar gewesen, weil Small Planet in der Vergangenheit regelmäßig gezahlt habe.

EUflight.de hat nach eigenen Angaben bis vor Kurzem Forderungen von Passagieren gegen Small Planet angekauft und muss nun mit einem weitgehenden Verlust rechnen. «Die vollständige Übernahme des Ausfallrisikos von den Fluggästen gehört zu unserem Geschäftsmodell», erklärte Watermann.

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 09. 2018
19:24 Uhr

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