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Wirtschaft

Volkswirte: Arbeitslosigkeit geht weiter nach oben

Läden sind offen, die Menschen sitzen wieder in Cafés und machen Urlaub: Es gibt erste Anzeichen für ein Überwinden der Corona-Krise. Doch der Arbeitsmarkt leidet weiter.



Agentur für Arbeit
«Viele Firmen werden schlussendlich doch nicht um Kapazitätsanpassungen, sprich Jobstreichungen oder gar eine Insolvenz, herumkommen», prognostiziert eine Volkswirtin.   Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Volkswirte führender deutscher Finanzinstitute erwarten eine weiter steigende Arbeitslosigkeit in Deutschland im Zuge der Corona-Krise.

«Die Zahl der Arbeitslosen dürfte in den nächsten Monaten weiter steigen, denn es wird weitere Entlassungen geben und die Unternehmen stellen weniger ein», sagte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der staatliche Förderbank KfW.

«Es kommt in den kommenden Monaten darauf an, dafür zu sorgen, dass sich die Arbeitslosigkeit nicht verfestigt und zu bleibenden Nachteilen führt», betonte sie. Dies gelte vor allem für junge Leute ohne Berufsabschluss. Die Ausbildung werde in der Corona-Krise wegen wirtschaftlicher Probleme, aber auch wegen praktischer Erfordernisse des Social Distancing zu einer Herausforderung.

Auch Katharina Utermöhl, Volkswirtin bei der Allianz-Gruppe, geht von steigender Arbeitslosigkeit aus. «Viele Firmen werden schlussendlich doch nicht um Kapazitätsanpassungen, sprich Jobstreichungen oder gar eine Insolvenz, herumkommen», sagte sie. «Daher besteht für rund jeden fünften Kurzarbeiter in Deutschland weiterhin ein erhöhtes Risiko, in die Arbeitslosigkeit zu rutschen.»

Nach Berechnungen der Allianz wird die Zahl der Insolvenzen in Deutschland bis Ende 2021 vor allem wegen der Corona-Krise um zwölf Prozent im Vergleich zu Ende 2019 steigen. Utermöhl erwartet eine Welle von Ende des Jahres an, wenn im 4. Quartal die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht endet. «Sollte man um Insolvenzen herumkommen, werden dennoch Kapazitäten verringert.» Sie schlug deshalb Hilfen zur Einstellung neuen Personals vor und nannte den in Österreich praktizierten Einstellungsbonus als Beispiel.

Marc Schattenberg von der Deutschen Bank sieht trotz der Aufhellung bei der Konjunktur keinen Grund zur Entwarnung. Ein Minus von neun Prozent bei der Wirtschaftsleistung sei für 2020 noch immer zu erwarten. Die exportorientierten Branchen, etwa der Maschinenbau und die Fahrzeugindustrie hätten es weiterhin schwer - während in Asien die Wirtschaft schon wieder laufe, seien die Fragezeichen etwa in den USA nicht kleiner geworden.

Schattenberg geht im Juni von knapp drei Millionen Arbeitslosen aus - ein Plus von rund 130.000 im Vergleich zum Vormonat. Die Zahl der Kurzarbeiter werde sich Ende Mai bei knapp acht Millionen bewegen. Damit liegt die Deutsche Bank etwas über der Prognose der Allianz, die 2,869 Millionen Arbeitslose in Deutschland erwartet. Damit würde der höchste Stand seit 2013 erreicht.

© dpa-infocom, dpa:200627-99-583350/3

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Veröffentlicht am:
27. 06. 2020
17:38 Uhr

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27. 06. 2020
17:38 Uhr



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