Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Viele Betriebe noch weit von Normalität entfernt

Verbands-Umfragen belegen es: Viele Betriebe werden länger kämpfen müssen, um die Folgen der Corona-Krise zu bewältigen. Das wird auch Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt haben, wie Ökonomen vorhersagen.



Baustelle
ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer sorgt sich «mit Blick auf die kommenden Monate, dass die Aufträge - besonders in den Bau- und Ausbaugewerken - nicht im notwendigen Maße reinkommen».   Foto: Patrick Seeger/dpa

Unternehmen und Handwerksbetriebe in Deutschland stellen sich trotz erster Lichtblicke in der Corona-Krise noch auf eine längere Durststrecke ein.

Nach einer Umfrage des DIHK erwartet die Hälfte der Unternehmen frühestens im nächsten Jahr eine Rückkehr zur geschäftlichen Normalität. Nur etwa ein Drittel rechne damit bereits in diesem Jahr. Das Handwerk meldet im Zuge der Lockerungen zwar weiter anziehende Geschäfte. Für eine Entwarnung ist es aus Sicht des Handwerksverbandes ZDH aber zu früh. Die nur allmähliche Erholung in der Wirtschaft wird aus Sicht von Volkswirten auch die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland weiter steigen lassen.

Eine DIHK-Befragung von rund 8000 Unternehmen ergab, dass die Unternehmen bei der Frage nach der Erholung von den Auswirkungen der Corona-Krise pessimistischer sind als zuletzt. Während Anfang Mai 28 Prozent der Firmen erst 2021 mit einer Rückkehr zum normalen Geschäft gerechnet haben, seien es aktuell rund 40 Prozent. Weitere 10 Prozent erwarteten sogar eine noch spätere Normalisierung. «Wir sehen deutlich: Viele Betriebe werden länger hart kämpfen müssen, um die Folgen der Corona-Krise zu bewältigen» sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. «Wir werden einen langen Atem brauchen, um am Ende gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen.»

Noch immer könnten nicht alle Betriebe von den Lockerungen der Corona-Beschränkungen profitieren: 20 Prozent berichteten nach wie vor von einem kompletten oder weitreichenden Stillstand ihres Geschäfts. «Darunter sind Busunternehmen, Veranstalter von Messen, Konzerten oder Schausteller. Bei diesen Betrieben müssen die Hilfen aus dem Konjunkturpaket jetzt schnell ankommen», forderte Wansleben.

Eine Befragung von mehr als 1500 Handwerksbetrieben im Juni wiederum hat nach Angaben des ZDH ergeben, dass nach dem Ende des Lockdowns pandemiebedingte Beeinträchtigungen des Geschäftsbetriebs zwar weiter nachgelassen hätten und «Tendenzen für eine Aufwärtsbewegung» erkennbar seien. Allerdings meldeten Betriebe weiter hohe Umsatzeinbußen, teilte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mit. «Die Umsatzausfälle der Betriebe bleiben insgesamt hoch, weil die Konsum- und Kaufzurückhaltung der Verbraucher auch bei Produkten und Dienstleistungen im Handwerk spürbar ist», sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer. Hinzu komme, dass die Auftragspolster nach wie vor schrumpfen und viele Mitarbeiter noch immer nicht oder nur eingeschränkt verfügbar seien.

An der Befragung vom 18. bis zum 23. Juni haben sich nach Angaben des ZDH 1538 Betriebe beteiligt. Demnach melden mit 42 Prozent für den Monat Mai deutlich weniger Betriebe einen geringeren Umsatz als im Vergleich zur Situation vor dem Corona-Lockdown. 41 Prozent berichteten, dass die Umsätze auf dem für die Jahreszeit typischen Niveau liegen. Bei 17 Prozent seien die Umsätze im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit sogar gestiegen. Die Mehrzahl der Betriebe rechne nicht damit, dass die pandemiebedingten Umsatzausfälle bis zum Jahresende aufgeholt werden können.

Am häufigsten von Umsatzrückgängen betroffen waren den Angaben zufolge Lebensmittelbetriebe (70 Prozent) sowie das Gesundheits- und Kfz-Handwerk (je 66 Prozent). Umsatzzuwächse hätten vor allem «persönliche Dienstleister» (37 Prozent) gemeldet. Teils sei dies aber auch auf Sondereffekte zurückzuführen, da etwa viele Friseure - als sie wieder öffnen durften - einen Kundenansturm verbuchten.

«Sorge bereitet mit Blick auf die kommenden Monate, dass die Aufträge - besonders in den Bau- und Ausbaugewerken - nicht im notwendigen Maße reinkommen», sagte der ZDH-Präsident. «Schaffen wir hier keine Trendumkehr, dann steht vor allem den Baugewerken die Konjunkturdelle oder gar der Konjunktureinbruch erst noch bevor.» Besonders die öffentliche Hand als wichtigster Auftraggeber müsse ihrer Vorbildfunktion gerecht werden.

«Die Zahl der Arbeitslosen dürfte in den nächsten Monaten weiter steigen, denn es wird weitere Entlassungen geben und die Unternehmen stellen weniger ein», sagte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der staatliche Förderbank KfW. Auch aus Sicht von Katharina Utermöhl, Volkswirtin bei der Allianz-Gruppe, werden viele Firmen «schlussendlich doch nicht um Kapazitätsanpassungen, sprich Jobstreichungen oder gar eine Insolvenz, herumkommen».

Marc Schattenberg von der Deutschen Bank geht im Juni von knapp drei Millionen Arbeitslosen aus - ein Plus von rund 130.000 im Vergleich zum Vormonat. Die Zahl der Kurzarbeiter werde sich Ende Mai bei knapp acht Millionen bewegen. Damit liegt die Deutsche Bank etwas über der Prognose der Allianz, die 2,869 Millionen Arbeitslose in Deutschland erwartet. Damit würde der höchste Stand seit 2013 erreicht.

© dpa-infocom, dpa:200628-99-590570/3

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 06. 2020
15:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allianz SE Arbeitslose Arbeitslosenquote Deutsche Bank Deutscher Industrie- und Handelskammertag Dienstleister Friseure Handwerk Handwerksbetriebe KfW Bankengruppe Kraftfahrzeughandwerk Umsatzrückgang Unternehmen Volkswirte Zentralverband des Deutschen Handwerks
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Agentur für Arbeit

27.06.2020

Volkswirte: Arbeitslosigkeit geht weiter nach oben

Läden sind offen, die Menschen sitzen wieder in Cafés und machen Urlaub: Es gibt erste Anzeichen für ein Überwinden der Corona-Krise. Doch der Arbeitsmarkt leidet weiter. » mehr

Prämie für Übernahme von Azubis

26.05.2020

Corona-Prämie für Firmen bei Übernahme von Azubis

Wegen Corona droht auch auf dem Ausbildungsmarkt eine Krise. Hunderttausende Betriebe sind in Schwierigkeiten geraten. Die Azubis sollen die Auswirkungen aber nicht spüren. » mehr

Container Terminal Altenwerder

25.07.2020

Volkswirte: Konjunktur in Deutschland auf Erholungskurs

Die deutsche Wirtschaft könnte sich schneller vom Corona-Schock erholen, als viele dachten. Aufgrund vielversprechender Frühindikatoren sind Volkswirte optimistisch. Sie warnen aber vor vorschnellem Jubel. » mehr

Restaurant Yosoy

28.04.2020

Mittelständler verlieren 75 Milliarden Euro Umsatz

Mittelständische Firmen gelten als eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft. Auch sie trifft die Corona-Krise hart. Die Förderbank KfW bescheinigt den Unternehmen aber eine gestiegene Widerstandskraft. » mehr

Container

23.02.2020

Coronavirus könnte Aufschwung bei Konjunktur verzögern

Die Konjunktur in Deutschland ist schon länger zweigeteilt: Dienstleistungen boomen, die Industrie schwächelt. Nun könnte der Coronavirus vor allem das Leiden der Exporteure verlängern. » mehr

Noch geschlossen

15.04.2020

Erste Lockerungen in Corona-Krise für einige Branchen

Seit rund vier Wochen steht das wirtschaftliche Leben in Deutschland teilweise still. Jetzt gibt es erste kleine Lockerungen. Der Kampf ums Überleben geht für viele Unternehmen aber weiter. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Tödlicher Unfall Streufdorf Streufdorf

Tödlicher Unfall Streufdorf | 07.08.2020 Streufdorf
» 12 Bilder ansehen

Ilmenau

Radprofis | 06.08.2020 Ilmenau
» 53 Bilder ansehen

Nena Erfurt Steigerwaldstadion Erfurt

Nena live in Erfurt | 04.08.2020 Steigerwaldstadion Erfurt
» 14 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 06. 2020
15:35 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.