Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wirtschaft

VW verdient trotz Autokrise überraschend viel Geld

VW überrascht inmitten einer Krise der Autobranche mit guten Zahlen. Der Lauf im Tagesgeschäft gibt Chef Herbert Diess Rückendeckung für den grundlegenden Konzernumbau. Doch Hürden bleiben. Und ein Gerichtsurteil bringt auch das Diesel-Dilemma wieder auf den Tisch.



VW-Halbjahreszahlen
Das VW-Verwaltungshochhaus in Wolfsburg.   Foto: Julian Stratenschulte

Oft waren es in den vergangenen Jahren selbstgelegte Stolpersteine, die den Volkswagen-Konzern bremsten.

Zuvorderst die Dieselaffäre, die bis heute 30 Milliarden Euro gekostet hat. Oder das Debakel um neue Abgas- und Verbrauchstests, weswegen viele Modelle monatelang gar nicht zu kaufen waren.

Nun steht aber gerade Volkswagen im größten Branchenabschwung seit der Finanzkrise als glänzender Vertreter der deutschen Autoindustrie da. Viele namhafte Hersteller und Zulieferer mussten schon Gewinnwarnungen ausgeben, darunter BMW, Continental und Daimler.

Volkswagen hingegen liegt nach sechs Monaten beim operativen Gewinn über den Planungen. Dabei rechnet der Konzern zwar die Milliarde, die auch dieses Jahr schon auf das Dieselkonto floss, heraus. Dennoch: Im Tagesgeschäft läuft es für den Konzern mit seinen zwölf Fahrzeugmarken rund.

Volkswagen-Finanzchef Frank Witter hat trotzdem guten Grund, vorsichtig zu bleiben. «Wir reden hier von Gegenwind, nicht von Rückenwind», beschrieb er die Lage am Donnerstag.

In China, dem wichtigsten Einzelmarkt von VW, gab es zwar im Juni seit längerem wieder einen Aufschwung bei den ausgelieferten Autos, doch der Konzern führt das auf anstehende Gesetzesänderungen zurück und bleibt skeptisch. In Europa sind die Pkw-Märkte ebenfalls unter Druck, und auch der US-Markt hat schon bessere Zeiten gesehen.

Doch die Zahlen bisher sind ordentlich: fast sieben Prozent Umsatzplus auf 65,2 Milliarden Euro, obwohl weniger Autos ausgeliefert wurden. Grund sind die teureren SUV-Modelle, deren Anteil VW stetig steigert. Der Konzern war spät dran mit den protzigen und beliebten Autos. Jetzt aber verkauften sich etwa T-Roc und T-Cross in Europa sowie der riesige Atlas in den USA prächtig, sagte Vertriebsmanager Jens Effenberger. Das hilft in der Flaute, weil VW genau das Segment stärker anbietet, das noch Käufer findet.

Unter dem Strich stand sogar ein deutliches Gewinnplus von fast einem Viertel auf 4,1 Milliarden Euro. Das aber vor allem, weil im Vorjahr 1,6 Milliarden Euro für den Dieselskandal anfielen.

Die Zwischenbilanz stärkt VW-Konzernchef Diess. Der Manager ist mit der Elektro-Offensive des Autoriesen zum Erfolg verdammt, weil spätestens 2021 Strafen wegen zu hohen CO2-Ausstoßes drohen.

Die neuen E-Modelle kosten viel Geld in der Entwicklung, und niemand weiß, ob die Kunden sie auch in der nötigen Menge kaufen. Auf Drängen der Arbeitnehmer hat der Konzern dennoch beschlossen, in die Batteriezellfertigung in Deutschland einzusteigen. Das ist ein milliardenschweres Unterfangen.

Ein weiteres teures Projekt: Eine Milliarde Euro schießt VW in die Ford-Tochter Argo und legt die eigene Tochter AID im Wert von 1,6 Milliarden noch obendrauf, um Zugriff auf die Argo-Technik fürs autonome Fahren zu bekommen. Ein Bereich, der zunächst kaum Geschäft abwerfen wird, weil die Technik noch Jahre braucht. Diess will mit den Investitionen heute aber die Umsätze von morgen sichern.

Und schließlich gibt es im VW-Reich auch sonst noch genug Probleme. So holt das Diesel-Dilemma die Wolfsburger auch am Donnerstag mal wieder ein. Das Arbeitsgericht Braunschweig gab einer früheren VW-Abteilungsleiterin Recht, die gegen ihre Kündigung geklagt hatte. VW hatte der Frau vorgeworfen, sie habe an der Manipulation von Abgassoftware mitgewirkt. Das Gericht urteilte aber: Den VW entstandenen Schaden durch den Dieselskandal müsse sich das Unternehmen wegen grob fahrlässiger Unkenntnis des damaligen Chefs Martin Winterkorn zu 100 Prozent selber zuschreiben.

Sorge bereitet zudem die Situation bei der Premiumtochter Audi, deren operativer Gewinn auch im zweiten Quartal zurückging. Über die kommenden Jahre will Audi insgesamt 15 Milliarden Euro einsparen. Doch die Werke sind nicht ausgelastet, und das kostet Geld.

Pläne für ein neues Werk in Osteuropa könnten dem Konzernbetriebsrat in diesem Zusammenhang sauer aufstoßen. In der engeren Auswahl sind noch Bulgarien und die Türkei - laut Berichten mit Vorteilen für die Türkei, die sich für einen Produktionsstandort ins Zeug legt und bei den Arbeitskosten noch günstiger ist.

Währenddessen läuft in Deutschland bei der Kernmarke in der Produktion aber auch noch ein Sparprogramm, das VW im Herbst 2016 mit der Arbeitnehmerseite verabredet hatte. Es sieht den weltweiten Abbau von 30.000 Stellen vor, 23.000 davon in Deutschland.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 07. 2019
16:52 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgase Arbeitsgericht Braunschweig Arbeitsgerichte Audi Auto Autobranche BMW Daimler AG Deutsche Autoindustrie Diesel-Skandal Gerichtsurteile Gewinnwarnung Herbert Diess Konzernbetriebsräte Konzerne Martin Winterkorn Porsche Produktionsunternehmen und Zulieferer VW Volkswagen AG
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Automarkt in den USA

12.06.2019

Krise in der Autoindustrie verschärft sich

Weltweit stehen der Branche große Umwälzungen bevor: China pusht Elektroantriebe, in der EU kommen strenge Vorgaben für das Treibhausgas CO2 - und in den USA lauern die Tech-Konzerne darauf, das Autofahren mit Robotaxis ... » mehr

Herbert Diess

14.05.2019

VW-Aktionäre wollen von der Konzernspitze Antworten

Dreieinhalb Jahre Diesel-Krise und kein Ende in Sicht: Die Aktionäre wollen die VW-Spitze zur Rede stellen. Konzernchef Diess richtet den Blick nach vorn. » mehr

ID.3

10.09.2019

VW präsentiert Elektrowagen ID.3

Die Autoindustrie tut inzwischen einiges für die Umstellung auf E-Antriebe - nach Meinung von Klimaschützern jedoch bei weitem nicht genug. Bei der Automesse IAA betonen VW und der Branchenverband ihren Willen zum Wandel... » mehr

VW-Logo

02.05.2019

«Dieselgate» bremst Volkswagen mit Milliardenkosten aus

Schwache Konjunktur, flaue Automärkte - damit haben fast alle Hersteller zu kämpfen, auch Volkswagen. Doch der Autogigant kommt mit der schwachen Konjunktur überraschend gut klar. Nur: «Dieselgate» stellt sich einmal meh... » mehr

Rupert Stadler

31.07.2019

Früherer Audi-Chef Stadler angeklagt

Gut 7000 Seiten dick sind die Ermittlungsakten, die die Münchner Staatsanwälte im Verfahren gegen Rupert Stadler zusammentrugen. Ob und wann es zum Prozess kommt, das dürfte sich erst im Winter klären. Die Vorwürfe sind ... » mehr

An der Fertigungsstrecke

21.08.2019

Neuer WLTP-Abgastest: Autobauer geben Entwarnung

Vor einem Jahr hat die Einführung des WLTP-Verbrauchstests die Autoindustrie in schwere Turbulenzen gestürzt. Am 1. September tritt schon die nächste Version in Kraft. Diesmal wird das Chaos jedoch ausbleiben, sagen die ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Feuerwehreinsatz Floh-Seligenthal

Feuerwehreinsatz an der Ebertswiese |
» 4 Bilder ansehen

Eröffnung der Sonderausstellung „Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche Entjudungsinstitut 1939-1945“

Eröffnung Sonderausstellung |
» 12 Bilder ansehen

Brand Hütte Suhl Suhl-Heinrichs

Brand Suhl-Heinrichs | 17.09.2019 Suhl-Heinrichs
» 16 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 07. 2019
16:52 Uhr



^