Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

VW teilt gegen Ex-FBI-Chef aus

Louis Freeh leitete in der Ära Clinton die US-Bundespolizei FBI. Der Jurist machte sich später als Rechtsberater einen Namen und war kurz davor, in der Aufarbeitung der Dieselaffäre mit VW anzubandeln. Jetzt ist das Tischtuch endgültig zerschnitten - es gibt schwere Vorwürfe.



VW geht gegen Ex-FBI-Chef Freeh vor
Louis Freeh, Ex-Direktor des FBI, wird von Volkswagen verdächtigt. Der Autokonzern will dessen Berufung zum Gutachter in Schadenersatz-Prozessen in den USA vereiteln.   Foto: Matthew Cavanaugh/EPA/dpa

Volkswagen verdächtigt den früheren FBI-Chef Louis Freeh des Geheimnisverrats und will dessen Berufung zum Gutachter in Schadenersatz-Prozessen in den USA vereiteln.

Der ehemalige Leiter der amerikanischen Bundespolizei arbeitet nach seiner Karriere im öffentlichen Dienst als juristischer Vermittler in Wirtschaftsskandalen - bei VW hatte er Anfang 2016 Aussicht auf einen Beratervertrag und sollte in der Aufklärung der Dieselaffäre helfen.

Doch dazu kam es nicht. Nun ist Freeh für Anwälte privater Kläger tätig. Der Vorwurf der Wolfsburger: Er soll interne Informationen des Managements an diese weitergegeben oder gar verkauft haben, wie das Online-Wirtschaftsmagazin «Business Insider» am Mittwoch berichtete.

Bei Volkswagen hieß es, man lehne Freeh als hinzugezogenen Experten bei Diesel-Klagen in den Vereinigten Staaten ab. Ein entsprechender Antrag sei bei einem Gericht in San Francisco eingereicht worden. Es gebe klare Hinweise, die darauf schließen ließen, dass er seine derzeitigen Auftraggeber mit vertraulichen Unterlagen und Aussagen aus der Zeit der Verhandlungen mit dem deutschen Konzern versorgte.

In dem Gerichtsantrag heißt es, Freeh habe vor vier Jahren 15 Millionen Dollar an garantierten Bezügen gefordert, um VW im US-Rechtsstreit zu vertreten. Darüber hinaus habe er noch zusätzliche 10 Prozent aller «Ersparnisse» gewollt, die er dem Konzern bei den Verhandlungen hätte verschaffen können. VW habe dies abgelehnt.

Eigentlich sind die wesentlichen Prozesse rund um «Dieselgate» in den USA inzwischen abgeräumt. Nach einem auch strafrechtlichen Schuldeingeständnis wegen des Abgasbetrugs hatte sich VW Anfang 2017 mit der Regierung in Washington auf einen Milliardenvergleich verständigt. Auch zahlreiche Kunden und Händler wurden - anders als in Europa - entschädigt, der Konzern verbuchte mittlerweile mehr als 30 Milliarden Euro an Rechtskosten. Einige Kläger lehnten die Vergleiche jedoch ab und versuchen weiter, VW vor Gericht zur Rechenschaft zu ziehen. In San Francisco steht derzeit ein solcher «Opt-out»-Prozess an, bei dem Freeh als Experte aussagen könnte.

In der Gutachtertätigkeit sehen die Wolfsburger hier allerdings einen schwerwiegenden Interessenkonflikt. Denn der Ex-Staatsanwalt, der nun die Klägerseite vertritt, war im Januar 2016 aufgrund seiner hohen Honorarforderungen und nach Widerstand aus dem Betriebsrat bei VW durchgefallen. Einer seiner Anwälte sagte dem Magazin, man sitze an einer Erwiderung zum VW-Antrag, Freeh nicht als Gutachter zuzulassen. Bislang liegt dieser Konter noch nicht vor. Richter Charles Breyer hat den Klägern eine Frist bis zum 27. Januar gesetzt, um Stellung zu beziehen. Die nächste Anhörung soll am 6. Februar stattfinden.

Der heute 70-jährige Freeh - während der Amtszeit Bill Clintons als US-Präsident (1993 bis 2001) Direktor des FBI - war auch schon als «Aufpasser» von US-Behörden nach einer Schmiergeldaffäre bei Daimler aktiv und saß dort in einem «Integritätsbeirat». Beim Konkurrenten Volkswagen wacht dagegen Larry Thompson, einst Staatssekretär im US-Justizministerium, über die Umsetzung schärferer Verhaltensregeln und Informationspflichten, zu denen sich der Autohersteller nach dem Auffliegen des Dieselskandals bereiterklärt hatte. Thompson stellte VW im vergangenen September ein verbessertes Zwischenzeugnis aus, im Sommer soll sein Abschlussbericht folgen. Auch um Thompsons Job als «Monitor» soll Freeh sich laut VW vor drei Jahren beworben haben.

Die Anwälte des Konzerns stellen den Ex-FBI-Chef in Gerichtsdokumenten als eine Art gierigen Söldner dar, der bei entsprechendem Honorar die Seiten wechselt. Um als Experte gegen VW auszusagen, solle Freeh eine Zahlung von 50 000 Dollar erhalten. Dazu kämen 1850 Dollar für jede Stunde seines Verhörs. «Überdies ist die Meinung von Herrn Freeh in der Sache selbst unsachgemäß und sollte nicht zugelassen werden.» Freeh habe von VW «privilegierte und vertrauliche» Informationen erhalten, was ihn als Gutachter disqualifiziere.

Volkswagen hält das gesamte anstehende Gerichtsverfahren in San Francisco für ein Manöver von besonders hartnäckigen Klägern und Anwälten, die auf einen «unberechtigten» Zusatzgewinn spekulierten. Mehr als 99,9 Prozent der Kunden in den USA hätten den von Richter Breyer als «fair, angemessen und vernünftig» eingestuften Vergleich akzeptiert und ihre Schadenersatzansprüche geregelt, sagte ein US-Sprecher des Autobauers. Die Klägerseite ist hingegen der Meinung, dass VW bei den Vergleichen mit Kunden und Behörden in den USA nicht hart genug bestraft worden sei - und fordert weitere Konsequenzen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 01. 2020
15:11 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bill Clinton Bundespolizei Daimler AG Deutsche Konzerne Diesel-Skandal FBI FBI-Chefs Gerichtsprozesse und Gerichtsverfahren Gutachterinnen und Gutachter Kläger Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte Regierungen und Regierungseinrichtungen Schmiergeld-Affären US-Justizministerium VW Verhöre Volkswagen AG
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Auspuff eines VW

27.03.2020

Großes Interesse an Vergleichsangeboten für VW Diesel

Bei vielen Teilnehmern der Diesel-Musterklage gegen Volkswagen scheint das Interesse an einem schnellen Vergleich groß. » mehr

Musterfeststellungsklage gegen VW

14.02.2020

830 Mio. für VW-Dieselkunden - aber der Streit geht weiter

Die gute Nachricht: Kläger im Diesel-Musterverfahren sollen jetzt doch Geld von VW bekommen. Die schlechte: Konzern und Verbraucherschützer zoffen sich heftig. Und noch weiß niemand, wie die Kunden an ihr Geld kommen. » mehr

Produktion der S-Klasse

07.01.2020

Dieselskandal: Anleger wollen 896 Millionen Euro von Daimler

Im Zuge der Dieselaffäre verlor der Autobauer Daimler an öffentlichem Rückhalt und die Aktie an Wert. Anleger mussten mitansehen, wie der Kurs nach unten ging - nun ziehen einige Investoren vor Gericht. » mehr

Dudenhöffer

04.01.2020

Experte erwartet VW-Vergleich in zwei bis drei Monaten

Lange hatte sich Volkswagen geziert, jetzt verhandelt der Autoriese doch über einen möglichen Schadenersatz für Hunderttausende Dieselfahrer. Autoexperte Dudenhöffer macht den Klägern Hoffnung. » mehr

T-Mobile und Sprint

09.12.2019

Showdown vor Gericht: Besteht T-Mobiles Mega-Fusion?

Für die Deutsche Telekom gehen die jahrelangen Bemühungen um eine Fusion ihrer Tochter T-Mobile US in eine entscheidende Runde. Der Fall wird jetzt vor Gericht in New York verhandelt. » mehr

Volkswagen

13.12.2019

VW ändert Manager-Boni - jetzt mit Garantie

Viele Manager bei Volkswagen verdienen üppig. Nach Kritik auch im Zusammenhang mit der Abgaskrise richtet man die Gehälter nun stärker am langfristigen Erfolg des gesamten Konzerns aus. Die Verkäufe laufen gut - aber ein... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sperrung vor Neustadt am Rennsteig Neustadt am Rennsteig

Sperrung Neustadt am Rennsteig | 23.03.2020 Neustadt am Rennsteig
» 4 Bilder ansehen

Brand in Katzhütte Katzhütte

Brand Katzhütte | 23.03.2020 Katzhütte
» 4 Bilder ansehen

inbound3887575027251749210

#Ichbleibdaheim |
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 01. 2020
15:11 Uhr



^