Lade Login-Box.
Topthemen: Südthüringen kocht 2020Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wirtschaft

US-Prozess: Telekom muss um Mega-Fusion von T-Mobile bangen

Seit Jahren bemüht sich die Deutsche Telekom, ihre Tochter T-Mobile mit einem US-Rivalen zu vermählen. Endlich ist ein Deal fix, doch der muss wegen kartellrechtlicher Bedenken vor Gericht bestehen. Beim Prozessauftakt wurde auch Telekom-Boss Höttges als Zeuge vernommen.



T-Mobile US
Für die Deutsche Telekom gehen die jahrelangen Bemühungen um eine Fusion ihrer Tochter T-Mobile US in eine entscheidende Runde.   Foto: Christoph Dernbach/dpa

US-Bundesstaaten klagen gegen die Fusion der Telekom-Tochter T-Mobile US mit dem kleineren Rivalen Sprint - jetzt muss der Mega-Deal vor Gericht durchgeboxt werden.

Am Montag (Ortszeit) begann in New York der mit Spannung erwartete Prozess, als einer der ersten Zeugen sagte Telekom-Chef Tim Höttges aus. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten T-Mobile-Mitarbeiter der Gewerkschaft CWA gegen den über 26 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss. Höttges zeigte sich indes zuversichtlich, vor Gericht zu bestehen.

Insgesamt 13 Bundesstaaten und der Regierungsbezirk Washington wollen die im April 2018 vereinbarte Hochzeit der dritt- und viertgrößten US-Telefonanbieter verhindern. «Die Mega-Fusion von T-Mobile und Sprint würde den Wettbewerb im Mobilfunkmarkt einschränken und wäre schlecht für Verbraucher, Arbeiter und Innovationen», verkündete New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia «Tish» James. Die Konsumenten müssten vor «ungehemmter Dominanz von Unternehmen» geschützt werden.

Das von James und dem kalifornischen Staatsanwalt Xavier Becerra angeführte Bündnis der Kläger will den Zusammenschluss von T-Mobile und Sprint richterlich blockieren lassen, obwohl die US-Regierung den Milliarden-Deal schon unter Auflagen genehmigt und auch die Branchenaufsicht FCC bereits grünes Licht gegeben hat. Der Fall ist politisch hochbrisant, da der Widerstand von demokratisch regierten Bundesstaaten ausgeht, die sich damit auch gegen die republikanische Regierung von US-Präsident Donald Trump stellen.

Richter Marrero machte zum Auftakt der Verhandlungen klar, dass er beim Prozess keine Zeit verlieren will. Er strich kurzerhand die Eröffnungsplädoyers von der Tagesordnung und beorderte direkt die ersten Zeugen zur Vernehmung. Zuerst kam Sprints Marketingchef Roger Sole an die Reihe, für den es rasch unangenehm wurde. Die Klägeranwälte präsentierten eine WhatsApp-Nachricht aus dem Jahr 2017, in der er es darum ging, dass eine Fusion mit T-Mobile die monatlichen Erlöse pro Kunde um bis zu fünf Dollar steigern könne. Sole entgegnete, er habe nur ein hypothetisches Szenario skizziert.

Als einer der ersten Zeugen geladen war auch Telekom-Chef Höttges. «Wir sind optimistisch», sagte Höttges der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Gerichtsverhandlung. Die Fusion sei schließlich gut für die US-Wirtschaft. Am Nachmittag musste der Spitzenmanager dann selbst in den Zeugenstand. «Entschuldigung für meinen deutschen Akzent», eröffnete Höttges und erntete damit einige Lacher. «Sie sprechen besser Englisch als ich Deutsch», entgegnete Richter Marrero. Ansonsten war der Unterhaltungswert aber eher gering.

Höttges lieferte sich mit einem Klägeranwalt eine kurze Diskussion darüber, ob das starke Wachstum von T-Mobile in den vergangenen Jahren aus eigener Kraft oder auch durch Zukäufe zustande gekommen sei. Höttges wies mehrmals darauf hin, dass erst die Übernahme der US-Marke Metro PCS 2013 es ermöglicht habe, ausreichend Bandbreite zu erlangen, um den dortigen Markt aufzurollen. Zudem habe die Telekom als Mutterkonzern kräftig nachgeholfen: «Wir haben fast 40 Milliarden Dollar in die US-Infrastruktur investiert». Bevor die Vernehmung Fahrt aufnehmen konnte, beendete Marrero den ersten Verhandlungstag.

Vor dem Gerichtsgebäude protestierten Vertreter der Gewerkschaft CWA gegen den Zusammenschluss. Sie befürchten, dass durch die Fusion 30 000 Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Der Deal war von Anfang an kartellrechtlich umstritten. Die Unternehmen hatten ihre Fusionspläne unter anderem deshalb zuvor schon zweimal wieder abgeblasen. Auch diesmal dürfte es knapp werden, wenngleich der Auftakt des Prozesses noch keine Richtung erkennen ließ. «Die Staaten haben die besseren Karten, aber T-Mobile hat die besten Kartellrechtsanwälte, die es in den USA gibt», sagte ein Analyst am Rande der Verhandlungen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 12. 2019
07:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Presseagentur Deutsche Sprache Deutsche Telekom AG Donald Trump Gerichtsverhandlungen Gewerkschaften Kläger Mobilfunkmarkt Präsidenten der USA Regierungen und Regierungseinrichtungen Staatsanwälte T-Mobile US-Justizministerium US-Regierung Wirtschaft in den USA Zeugen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
T-Mobile und Sprint

09.12.2019

Showdown vor Gericht: Besteht T-Mobiles Mega-Fusion?

Für die Deutsche Telekom gehen die jahrelangen Bemühungen um eine Fusion ihrer Tochter T-Mobile US in eine entscheidende Runde. Der Fall wird jetzt vor Gericht in New York verhandelt. » mehr

T-Mobile und Sprint

14.12.2019

T-Mobile-Chef warnt Richter vor Scheitern von Sprint-Fusion

T-Mobile-Chef John Legere hat beim wichtigen US-Prozess um die kartellrechtlich umstrittene Fusion der Telekom-Tochter mit dem kleineren Rivalen Sprint vor einem Scheitern des Mega-Deals gewarnt. » mehr

Erste Einigung

15.01.2020

China und USA besiegeln erstes Handelsabkommen

Rechtzeitig zum US-Wahljahr einigen sich Peking und Washington auf ein erstes Handelsabkommen. Viele Probleme bleiben damit weiter bestehen. Doch vorerst ist keine weitere Eskalation zu befürchten. Und Trump feiert sich ... » mehr

US-Flagge in China

01.01.2020

Trump: Unterzeichnung des Abkommens mit China in zwei Wochen

Der Handelskrieg der Großmächte bremst die Weltwirtschaft. Jetzt soll ein erstes Handelsabkommen auch wirklich unterschrieben werden. Das dürfte Präsident Trump zehn Monate vor der Wahl Rückenwind geben. » mehr

Ausländische Computer

09.12.2019

Sollen Chinas Behörden ausländische Computertechnik meiden?

Im Zuge ihres Handelskrieges verfolgen die USA eine «Entkoppelung» von China. Selbst Peking will seine Abhängigkeit von US-Technologie verringern. Aber lässt sich alles einfach auswechseln? » mehr

Pharmakonzern Bayer

17.01.2020

Glyphosat-Klagen gegen Bayer drastisch gestiegen

Steht der Agrarchemie- und Pharmariese Bayer im Mammut-Rechtsstreit mit US-Klägern vor einem Kompromiss? Der als Schlichter agierende Staranwalt Ken Feinberg schürt Hoffnungen auf eine zügige Einigung. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Max Raabe in der Erfurter Messehalle Erfurt

Max Raabe in Erfurt | 19.01.2020 Erfurt
» 18 Bilder ansehen

brand saalborn Saalborn

Wohnhausbrand Saalborn | 17.01.2020 Saalborn
» 29 Bilder ansehen

Platz 1:Auferstanden

Blende 2020 "Verkehrte Welt" |
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 12. 2019
07:53 Uhr



^