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Wirtschaft

Trüber Jahresausklang für Export und Maschinenbau

Die November-Bilanz deutscher Exporteure und Maschinenbauer fällt mau aus. Eine baldige Konjunkturerholung wird nicht erwartet. Aus Sicht der Wirtschaft sind die Risiken sogar gestiegen. Einen kleinen Lichtblick gibt es immerhin.



Export spürt weiter Gegenwind - Ausfuhren gesunken
Schwacher November für Deutschlands Exporteure - hier am Containerterminal Tollerort der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA).   Foto: Christian Charisius/dpa

Der Export schwächelt, Maschinenbauer erhalten weniger Aufträge und die Weltbank senkt ihre Konjunkturprognose: Ein baldiges Ende der Flaute scheint vorerst nicht in Sicht.

Globale Handelskonflikte und die Abkühlung der Weltkonjunktur belasteten die deutsche Exportbilanz auch im November. Einen Lichtblick gab es bei der Industrieproduktion. Ökonomen sehen darin aber noch keine Trendwende. Zudem beurteilt die Weltbank die globalen Wachstumsperspektiven skeptischer als zuletzt.

Im November lieferten die Unternehmen Waren «Made in Germany» im Wert von 112,9 Milliarden Euro ins Ausland, das waren 2,9 Prozent weniger als im November 2018, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Die Einfuhren verringerten sich um 1,6 Prozent auf 94,6 Milliarden Euro.

«Die Rückgänge bei den deutschen Ex- und Importen verdeutlichen einmal mehr, dass die Handelskonflikte und die eintrübende Weltkonjunktur deutliche Spuren in der Gesamtbilanz 2019 hinterlassen werden», erläuterte Holger Bingmann, Präsident des Außenhandelsverbandes BGA.

Vor allem der Handelskrieg zwischen den USA und China belastet die globale Wirtschaft. Unternehmen sind verunsichert und halten sich mit Investitionen zurück, worunter Deutschland als große Exportnation besonders zu leiden hat.

In den ersten elf Monaten legten die Ausfuhren insgesamt nur um 0,7 Prozent auf 1229,6 Milliarden Euro zu. Von den Wachstumsraten der Boomjahre ist der Export damit weit entfernt. Der BGA rechnete zuletzt mit einem Exportwachstum im Gesamtjahr 2019 von maximal 0,5 Prozent.

Mit Sorge sieht die Wirtschaft die Zuspitzung des Konfliktes zwischen den USA und Iran. «Die Risiken für die Weltwirtschaft haben sich zu Jahresbeginn erneut verschärft», sagte Bingmann. Die Eskalation im Nahen Osten bedeute einen weiteren Unsicherheitsfaktor für die Unternehmen.

Ähnlich beurteilte der Außenwirtschaftschef des Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, die Perspektiven. «2020 bleiben globale Unsicherheiten durch Handelskonflikte, Sanktionen oder dem Brexit bestehen.» Die neuerlichen Spannungen im Nahen Osten verdüsterten die Aussicht auf eine baldige Erholung des Auslandsgeschäfts.

Zwar stieg die Industrieproduktion nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im November im Vergleich zum Vormonat um 1,1 Prozent und damit stärker als von Analysten erwartet. Konjunkturexperten sehen darin aber noch keine Trendwende. «Insgesamt dürften zwar die stärksten Einbrüche hinter uns liegen, die Industrierezession ist aber noch nicht überwunden», erklärte Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Auch Commerzbank-Experte Marco Wagner sieht keinen Anlass für Entwarnung angesichts zuletzt gesunkener Auftragseingänge.

Deutlich zu spüren bekommen exportorientierte deutsche Schlüsselindustrien den Gegenwind, wie beispielsweise der Maschinenbau. Im November sank der Auftragseingang nach Angaben des Branchenverbandes VDMA um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. «Damit setzt sich die negative Entwicklung der vergangenen Monate fort», sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Die Schwäche der Industrie bremst auch das Wirtschaftswachstum der größten Volkswirtschaft Europas. Konjunkturexperten und die Bundesregierung rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vergangenen Jahr in Deutschland lediglich um etwa 0,5 Prozent gewachsen ist, nach 1,5 Prozent 2018. Der jahrelange Aufschwung ist damit vorerst beendet. Erste Daten für 2019 gibt das Statistische Bundesamt am Mittwoch (15. Januar) bekannt.

Auch die Zukunftsaussichten wirken eher trübe. So senkte die Weltbank ihre Prognose für das globale Wirtschaftswachstum für dieses und kommendes Jahr leicht. Die Erwartungen wurden um jeweils 0,2 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent (2020) und 2,6 Prozent (2021) verringert. Damit dürfte die Weltwirtschaft in diesem Jahr etwas stärker zulegen als im vergangenen Jahr - ausgehend jedoch von dem schwächsten Wachstum seit der Finanzkrise vor etwa zehn Jahren, wie die Weltbank betonte.

Angesichts der globalen Konjunkturschwäche rechnet der Kreditversicherer Euler Hermes in diesem Jahr mit einem weltweiten Anstieg der Firmenpleiten um rund sechs Prozent. Zwar habe sich der Anstieg im Vergleich zu 2019 etwas verlangsamt, dafür sei er jedoch fast überall zu beobachten, berichtete die Allianz-Tochter. In Europa wie auch in Deutschland erwartet Euler Hermes ein Plus von drei Prozent. Damit steigen die Firmeninsolvenzen in Deutschland erstmals seit zehn Jahren wieder.

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 01. 2020
14:59 Uhr

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09. 01. 2020
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