Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

Wirtschaft

Tech-Plattformen im Visier von US-Wettbewerbshütern

US-Wettbewerbshütern wurde lange vorgeworfen, zu lasch gegenüber Tech-Giganten zu sein. Die Schonzeit scheint jetzt vorbei: Die Plattformen geraten ins Visier einer großen Untersuchung. Das Timing hat aber auch einen politischen Beigeschmack.



Tech-Plattformen
Amazon, Google und Facebook: Das US-Justizministerium will untersuchen, ob große Online-Plattformen den Wettbewerb behindert haben.   Foto: Reed Saxon/AP

Große Online-Plattformen geraten erstmals ins Visier einer weitreichenden Wettbewerbsuntersuchung in den USA. Das Justizministerium will unter anderem untersuchen, ob sie die Konkurrenz behindern.

Namen von Unternehmen wurden bei der Ankündigung nicht genannt. Aber aus den erwähnten Bereichen - Websuche, soziale Medien, Online-Einzelhandel - wird klar, dass es zumindest um Google, Facebook und Amazon gehen dürfte. Inwieweit auch andere Tech-Schwergewichte wie Apple oder Microsoft ins Visier der Untersuchung geraten könnten, wurde aus der Ankündigung zunächst nicht deutlich.

Man wolle der Besorgnis von Verbrauchern und Unternehmern nachgehen, erklärte das Justizministerium am Dienstag. Es gehe um die Frage, wie die Plattformen ihre Marktmacht erreicht hätten und ob sie Innovationen gebremst und Verbrauchern geschadet hätten. Aktien der Tech-Unternehmen gaben im nachbörslichen Handel am Dienstag nach.

Unter anderem Google und Amazon stehen im Mittelpunkt von Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission. Amerikanischen Behörden wurde oft vorgeworfen, Tech-Konzernen gegenüber zu lasch zu sein.

Zugleich hat die Eröffnung einer US-Wettbewerbsuntersuchung zum jetzigen Zeitpunkt aber auch einen politischen Beigeschmack. Präsident Donald Trump wirft unter anderem Facebook und Google seit längerer Zeit vor, Stimmen aus dem konservativen Lager zu unterdrücken. Das Silicon Valley gilt traditionell als größtenteils liberal. Eine Kartelluntersuchung im Präsidentschaftswahlkampf 2020 könnte den Druck auf die Plattformen verstärken, Trumps Anhängern mehr Platz einzuräumen.

Amazon war ebenfalls häufiges Ziel von Trumps Attacken. Amazons Gründer und Chef Jeff Bezos gehört die Tageszeitung «Washington Post», die Trump kritisch gegenübersteht.

Zugleich wird schon lange darüber diskutiert, ob zumindest einige Tech-Plattformen womöglich so groß und mächtig geworden sind, dass neben ihnen kein neuer Herausforderer entstehen kann.

Als ein Paradebeispiel gilt Facebook: Das Online-Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren immer größer, während kleinere Konkurrenten einer nach dem anderen aus dem Geschäft gingen. Inzwischen hat die Facebook-Plattform rund 2,4 Milliarden Nutzer.

Größe spielt bei Online-Netzwerken eine wichtige Rolle: Nutzer landen bei dem Dienst, bei dem sie die meisten ihrer Freunde finden. Zudem zögerte Facebook nicht lange mit Übernahmeangeboten, wenn potenzielle Rivalen auftauchten. So kaufte das Online-Netzwerk die Foto-Plattform Instagram und den Chat-Dienst WhatsApp.

Diese Zukäufe wurden seinerzeit von den Wettbewerbshütern bewilligt. Heute argumentiert unter anderem die demokratische Präsidentschaftskandidaten Elizabeth Warren, das sei ein Fehler gewesen und Facebook müsse zerschlagen werden. Das Online-Netzwerk entgegnet, es gebe genug Wettbewerb im Netz.

Einige Suchmaschinen-Konkurrenten werfen Google vor, sie zu benachteiligen. Die EU-Kommission sieht zudem unfairen Wettbewerb beim meistgenutzten Smartphone-System Android, das bei Google entwickelt wird. Das Bewertungs-Portal Yelp bezichtigt Google schon seit Jahren, ein Geschäft mit Inhalten der Firma aufgebaut zu haben. Der Internet-Konzern erklärt dagegen, man habe viel neuen Wettbewerb im Netz entstehen lassen.

Im bisher größten Wettbewerbsverfahren in der Tech-Industrie vor rund zwei Jahrzehnten ging es um Microsoft. Der Konzern hatte den Web-Browser Internet Explorer mit seinem Windows-Betriebssystem gebündelt. Das US-Justizministerium argumentierte damals, dass angesichts der dominierenden Marktposition von Windows Browser-Rivalen wie Netscape durch diese Praxis aus dem jungen Markt gedrängt wurden.

Ein Richter ordnete zwischenzeitlich die Zerschlagung von Microsoft an, was jedoch von einem Berufungsgericht gekippt wurde. Am Ende einigten sich das Justizministerium und Microsoft auf mildere Auflagen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 07. 2019
12:13 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amazon Apple Browser Donald Trump Europäische Kommission Facebook Google Internet Internet Explorer Jeff Bezos Konkurrenz Marktpositionen Microsoft Netscape Communications Social Media Unternehmer Webportale Websuche Wettbewerbshüter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Sergey Brin und Larry Page

04.12.2019

Google-Gründer Page und Brin treten ab

Schon seit Jahren war von Google-Mitgründer Larry Page kaum etwas zu hören, obwohl er an der Spitze des Dachkonzerns Alphabet stand. Jetzt bekommt Google-Chef Sundar Pichai auch die Führung bei der Mutter - in einer schw... » mehr

Straßenschild

01.05.2020

Verschnaufpause nach Kursrally an US-Börsen

Nach dem neuerlichen Kursschub vom Vortag ist den US-Börsen am Donnerstag erst einmal die Kraft ausgegangen. Der US-Leitindex Dow verlor 1,17 Prozent auf 24.345,72 Punkte. Immerhin hat er sich vom Crash-Tief von Mitte Mä... » mehr

T-Mobile US

06.05.2020

Wie die Telekom den US-Markt erobern will

Der deutsche Telekom-Konzern will mit seiner Tochter T-Mobile die Nummer Eins in den USA werden. Nachdem die Fusion mit dem Konkurrenten Sprint vollzogen wurde, sind die Ambitionen groß. Auch Experten sehen gute Chancen,... » mehr

USA drohen Frankreich wegen Digitalsteuer mit neuen Strafzöllen

03.12.2019

Zölle auf Wein und Käse: USA drohen Frankreich

Amerikanische Internetriesen machen in Frankreich gute Geschäfte, zahlen aber nur wenig Steuern. Das will die Regierung in Paris nicht hinnehmen. Was wiederum die USA auf den Plan ruft. » mehr

Hauptsitz von Alphabet

17.01.2020

Auch Google-Mutter Alphabet knackt Billionen-Dollar-Marke

Nur ganz wenige Unternehmen - vor allem amerikanische Tech-Firmen - waren jemals mehr als eine Billion Dollar wert. Nun gehört auch die Google-Mutter Alphabet zu dem exklusiven Klub. » mehr

US-Internetkonzerne

04.06.2019

US-Behörden und Kongress knöpfen sich Tech-Riesen vor

Lange konnten sich US-Internetfirmen auf das Wohlwollen heimischer Regulierer verlassen, jetzt brechen für sie härtere Zeiten an. Sowohl US-Behörden als auch der Kongress werden aktiv. Dabei könnten Google, Facebook und ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis Zella-Mehlis

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis | 27.05.2020 Zella-Mehlis
» 12 Bilder ansehen

Brennender Lkw A73 Eisfeld-Nord

Lkw-Brand A73 Eisfeld | 26.05.2020 Eisfeld-Nord
» 28 Bilder ansehen

Unfall Schleusingen Schleusingen

Unfall Schleusingen | 25.05.2020 Schleusingen
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 07. 2019
12:13 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.