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Wirtschaft

Streit um Stellenstreichung bei Airbus-Rüstungssparte

Die Rüstungs- und Raumfahrtsparte von Airbus steht mangels neuer Aufträge unter Druck. Der Konzern will jetzt mehr als 2300 Jobs abbauen. Aus dem Betriebsrat kommt Widerstand. Zudem schwebt noch ein weiteres Damoklesschwert über der Sparte.



Betriebsrat bei Airbus
Dirk Hoke, Vorstandsvorsitzender von Airbus Defence and Space. Der europäische Flugzeugbauer will in seiner Rüstungs- und Raumfahrtsparte 2362 Stellen streichen.   Foto: Matthias Balk/dpa

Der geplante Abbau von mehr als 2300 Stellen in der Rüstungs- und Raumfahrtsparte von Airbus stößt auf Widerstand des Betriebsrats.

Man lehne ihn «entschieden ab» und setze sich «für jeden Arbeitsplatz ein», betonten die Arbeitnehmervertreter in einem aktuellen Schreiben an die Belegschaft. «Betriebsbedingte Kündigungen müssen ausgeschlossen werden. Jeder der bleiben will, muss bleiben dürfen!», heißt es darin weiter.

Ein Sprecher des Unternehmens sagte am Donnerstag allerdings: «Wir können im Moment betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen, allerdings werden wir davor alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen.» Airbus hatte am Mittwochabend angekündigt, 2362 der gut 34 000 Stellen in der Rüstungs- und Raumfahrtsparte zu streichen. Mit dem Wegfall von 829 Stellen soll Deutschland mit derzeit rund 12 000 Mitarbeitern am stärksten betroffen sein. Die Gespräche drüber sollen laut Betriebsrat bis zum Sommer dauern.

Airbus begründet die geplanten Stellenstreichungen mit einem zu geringen Neugeschäft. Seit drei Jahren schrumpfe der Auftragsbestand, erklärte das Unternehmen. «Dadurch ist man jetzt zum Handeln gezwungen.» Hintergrund sind laut Airbus eine Stagnation im Raumfahrtmarkt sowie «verzögerte Vertragsabschlüsse im Verteidigungsgeschäft».

Der Betriebsrat sieht die Verantwortung für den zu geringen Auftragseingang beim Management und betont: «Das Unternehmen darf nicht auf Kosten der Belegschaft saniert werden.» In den nächsten Jahren werde die Sparte «große Projekte stemmen müssen». Jetzt sei «nicht der richtige Zeitpunkt, sich von Wissensträgern und Know-how zu verabschieden.» Neben Deutschland sind von den Abbauplänen weitere Länder betroffen - insbesondere Spanien mit 630 wegfallenden Jobs, Frankreich mit 404 und Großbritannien mit 357 Arbeitsplätzen.

Der größte Standort der Sparte in Deutschland ist Manching bei Ingolstadt mit 5500 Mitarbeitern. Weitere wichtige Standorte sind unter anderem in Ottobrunn bei München (2500 Beschäftigte), Friedrichshafen am Bodensee (2250) und Bremen (1200). Hinzu kommen 330 Mitarbeiter in Ulm. Das Eurofighter-Rumpfmittelteil wird bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec in Augsburg gefertigt, die aber von der jetzt beschlossenen Stellenstreichung nicht betroffen ist.

Die Rüstungs- und Raumfahrtsparte von Airbus steht unter Druck: Neben dem schrumpfenden Auftragsbestand gab zuletzt auch der Umsatz nach, und unter dem Strich stand im vergangenen Geschäftsjahr ein Verlust von 881 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern. Vorstandschef Dirk Hoke hatte bereits im Dezember Kostensenkungen, «robuste Maßnahmen» und Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern angekündigt.

Über die aktuelle Schwäche beim Auftragseingang hinaus schwebt noch ein weiteres Damoklesschwert über dem Rüstungsgeschäft von Airbus: Die Bundesregierung wird demnächst entscheiden, ob sie als Nachfolger des in die Jahre gekommenen Kampfflugzeugs Tornado den Eurofighter oder die amerikanische F-18 bestellt. Der Betriebsratschef der Airbus-Rüstungssparte, Thomas Pretzl, hat dazu kürzlich gewarnt: «Mit dem Kauf der F-18 riskiert man die Zukunft der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie.»

Ein Airbus-Sprecher betonte auf Nachfrage, dass die aktuelle Ankündigung von Stellenstreichungen nicht in Zusammenhang mit der Entscheidung über die Tornado-Nachfolge stehen.

Die Bundesluftwaffe hat derzeit 90 Tornados, die bis 2030 ausgemustert werden sollen. 20 davon sind für US-Atombomben zertifiziert. Da ein Teil der deutschen Flugzeuge, gemäß dem Nato-Konzept der «nuklearen Teilhabe», aber in der Lage sein muss, US-Atombomben zu transportieren, muss auch der Tornado-Nachfolger vom Nato-Partner USA zertifiziert werden. Beim europäischen Eurofighter dauert dies nach amerikanischen Aussagen aber drei bis fünf Jahre länger als bei der F-18.

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dpa

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Veröffentlicht am:
20. 02. 2020
15:50 Uhr

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20. 02. 2020
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