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Wirtschaft

Staat will Condor erneut vor dem Absturz bewahren

Die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus bringen weltweit die Fluggesellschaften ins Trudeln. Eine deutsche Reise-Ikone kann sich aber der staatlichen Unterstützung sicher sein.



Condor-Flieger
Eine Boeing 757-300 der Fluggesellschaft Condor.   Foto: Marcel Kusch/dpa/Archiv

Der deutsche Staat will den privaten Ferienflieger Condor ein weiteres Mal retten. Der Kreditrahmen für die Gesellschaft soll von zuletzt 380 Millionen Euro auf 550 Millionen Euro erweitert werden, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen in Berlin erfuhr.

Noch seien aber Details ungeklärt und auch die EU-Kommission müsse dem Plan noch zustimmen, hieß es einschränkend. Auch Condor meldete noch keine endgültige Einigung.

Die Rettung durch den Staat ist international keineswegs selbstverständlich, wie mehrere aktuelle Beispiele zeigen. Bei erwarteten Umsatzrückgängen von mehr als 55 Prozent im laufenden Jahr und knappen Barmittel-Reserven rechnet der Airlineverband IATA damit, dass ohne umfassende Staatshilfen mindestens 30 Airlines weltweit vom Markt verschwinden.

Auf der Kippe steht aktuell die skandinavische Billig-Airline Norwegian, bei der bereits vier Personalgesellschaften für die Crews aus Dänemark und Schweden mit zusammen 4700 Beschäftigten Insolvenz angemeldet haben. Ob die Muttergesellschaft eine gewagte Umschuldung überlebt, ist ebenso ungewiss wie das Schicksal der Virgin Australia, der weitere Staatshilfe versagt wurde und die am Dienstag prompt Insolvenz angemeldet hat. Mit-Inhaber Richard Branson bangt auch in Großbritannien um Staatshilfe für seine Gesellschaft Virgin Atlantic, zeigt sich aber weiterhin entschlossen, die Krise zu bewältigen.

In Afrika steht nach jahrelangen Verlusten der Ausverkauf der traditionsreichen Fluggesellschaft South African Airways (SAA) an, die bereits vor der Corona-Krise unter Gläubigerschutz stand. Die Lufthansa-Partnerin könnte die erste Airline des Kontinents werden, die unter dem Druck der momentanen Restriktionen abstürzt. Die Regierung des klammen Kap-Staates versagte ihr weitere finanzielle Unterstützung - und besiegelte damit nach Ansicht von Analysten das Schicksal der 86-jährigen Traditionsgesellschaft.

Die neuerliche Rettung der Condor war im Verlauf der Corona-Krise notwendig geworden: Am Ostermontag hatte die polnische Luftfahrt-Holding PGL die bereits im Januar vereinbarte Übernahme des deutschen Ferienfliegers abgesagt. Die wichtigste PGL-Gesellschaft Lot ist wie zahlreiche andere Airlines durch die Corona-Krise geschwächt und muss wohl selbst Staatshilfe in Anspruch annehmen.

Das Frankfurter Unternehmen Condor mit rund 4900 Beschäftigten und mehr als 50 Flugzeugen war nach der Pleite des britischen Mutter-Konzerns Thomas Cook im September 2019 in ein Schutzschirmverfahren gegangen und dort saniert worden. Um die Fixkosten zu senken wurden Mietverträge gekündigt, Verwaltungsbeschäftigte entlassen und Krisen-Tarifverträge mit den Gewerkschaften abgeschlossen. Der Schutzschirm als Insolvenz in Eigenverwaltung sollte mit dem Einstieg der PGL beendet werden. An ihre Stelle tritt nun möglicherweise ein Treuhänder, der das Unternehmen provisorisch als Investor führen und gleichzeitig die Einlagen des Staats schützen könnte.

Der im Herbst 2019 vergebene, von Bund und Land Hessen verbürgte KfW-Überbrückungskredit über 380 Millionen Euro wird dem Vernehmen nach verlängert und mit einer neuen Finanzierung ergänzt. Weitere Mittel könnten nach Ende des Schutzschirmverfahrens von einem Treuhandkonto fließen, auf dem Kundengelder für Condor-Tickets nach dem 1. April gelandet sind. Aus diesem Topf müssen allerdings auch Erstattungsansprüche von Urlaubern geleistet werden.

Die Gewerkschaften Verdi und Vereinigung Cockpit verlangen, dass die Staatshilfen für die Luftverkehrsbranche an den Erhalt der Arbeitsplätze gekoppelt werden. «Staatshilfe ist, wenn's alle schützt. Wir erwarten für den Luftverkehr daher die Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen», erklärte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle. Sie kritisierte unter anderem die Einstellung des Lufthansa-Teilbetriebs Germanwings und den Austritt des Passagierabfertigers AHS aus dem kommunalen Arbeitgeberverband Hamburg.

Vor der Corona-Krise galt der Ferienflieger besonders wegen seines Angebots zu touristischen Langstreckenzielen in Übersee als unentbehrlich für die Reisebranche, die stets einen Gegenpol zur mächtigen Lufthansa haben wollte. Nach der Thomas-Cook-Pleite hatten große Veranstalter sogar erwogen, sich selbst an der Fluggesellschaft zu beteiligen. Mit dem fortgesetzten Stillstand erwarten die meisten Experten, dass sich der internationale Luftverkehr eher langsam von dem Corona-Schock erholen wird.

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dpa

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21. 04. 2020
15:54 Uhr

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