Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Siemens schickt Energiesparte an die Börse

Siemens entlässt sein Energiegeschäft in die Eigenständigkeit. Am Montag startet Siemens Energy an der Börse. Das neue Unternehmen steht vor großen Herausforderungen. Helfen soll Konzentration auf sich selbst.



Windrad von Siemens
Siemens schickt sein Energiegeschäft in die Eigenständigkeit.   Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Siemens verteilt 55 Prozent seines Energiegeschäfts an seine Aktionäre. Am Montag werden Hunderte Millionen Aktien der neuen Siemens Energy in den Depots auftauchen und der Handel an der Börse wird beginnen.

Das Unternehmen mit gut 90.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt 29 Milliarden Euro wird vor allem auf Basis einer Überzeugung in die Eigenständigkeit geschickt: Jeder für sich selbst klappt besser. Siemens Energy soll seinen Weg durch die anstehenden Herausforderungen alleine gehen - ohne den Schutz, aber auch ohne den Ballast des Konzerns.

Das Energiegeschäft hat eine lange Tradition bei Siemens, doch im Konzernverbund gab es ein zentrales Problem: Es ist mit seinen langfristigen Wartungsverträgen und riesigen Auftragsbeständen zwar robust gegen kurzfristige Schwankungen, doch weniger margenträchtig als beispielsweise das Industriegeschäft. Das machte es im konzerninternen Wettbewerb um Investitionen schwierig.

Zum Abschied hat Energy nun noch einmal eine solide Finanzierung mitbekommen. Künftig kann und muss sich der im Frühjahr angetretene neue Energy-Chef Christian Bruch das Geld selbst am Kapitalmarkt holen, wenn auch wegen eines etwas schlechteren Ratings zu voraussichtlich etwas ungünstigeren Konditionen als Siemens.

Und die Aufspaltung könnte Risiken mit sich bringen: So warnte der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser schon auf der außerordentlichen Hauptversammlung zur Abspaltung, dass bestimmte Einspar- und Größeneffekte verloren gehen. Und vor allem ist Energy in einem sich stark wandelnden Markt unterwegs, der zudem auch politischen Schwankungen unterliegt.

Ein Champion im Energiegeschäft mit einzigartiger Breite und Tiefe - so sieht man bei Siemens das neue Unternehmen. Doch diese Breite ist auch Herausforderung, denn der neue Konzern hat zwar mit der gut zwei Drittel schweren Beteiligung an Siemens Gamesa ein starkes Windenergiegeschäft und ist auch in der wichtig bleibenden Stromübertragung tätig, doch gleichzeitig liefert und wartet er Turbinen und andere Technik für Gas- und vor allem Kohlekraftwerke. Es geht um einen Markt der über die kommenden Jahrzehnte schrumpfen und wegbrechen wird.

Kaeser, der Energy als Aufsichtsratschef weiter begleitet, hat dem Vorstand bereits aufgegeben, einen Plan zum Ausstieg aus der Kohle zu entwickeln - verantwortungsvoller als Aktivisten dies forderten und «konsequenter, als Zögerlinge dies für notwendig halten». Eine Gefahr dabei: Am Ende dürfte der Plan von beiden Seiten Kritik bekommen.

Die hat sich Bruch auch schon mit seinen Plänen für Kosteneinsparungen bei Energy eingehandelt. Er will unter anderem die bei Siemens geltende Vereinbarung zur Standortsicherung nicht übernehmen und Standorte abbauen. Das soll Produktionsketten vereinfachen, argumentiert man beim Unternehmen. Die Gewerkschaft reagierte alles andere als amüsiert und sprach von «versteckten Drohungen» auf der Zielgeraden zur Abspaltung.

Ganz trennen wird sich Siemens nicht: Gut 35 Prozent an Energy behält der Konzern zunächst selbst, knapp 10 Prozent gehen an den Pensionsfonds des Konzerns. Beide Positionen werden über die Zeit schrumpfen, Siemens will aber Ankeraktionär mit einem Anteil von rund 25 Prozent bleiben.

Angesichts seiner Größe könnte Siemens Energy in absehbarer Zeit neben der alten Mutter Siemens Teil des Aktienindex Dax werden. Weil das auch für die andere große Siemens-Abspaltung Healthineers gilt, könnten Ende des kommenden Jahres drei Unternehmen mit dem Namen Siemens in der obersten Liga der Deutschen Börse spielen.

Doch davor liegt erst einmal der Börsenstart am Montag und der könnte alleine aus technischen Gründen turbulent werden. Jeder Siemens Aktionär bekommt pro zwei Siemens-Aktien eine von Siemens Energy hinzu. Doch nicht jeder kann oder will die neuen Papiere auch behalten. So müssen beispielsweise Fonds, die den Dax abbilden, die Aktie, die derzeit nicht im Dax ist, abstoßen. In Siemens-Kreisen rechnet man mindestens für zwei bis drei Wochen mit größeren Schwankungen. Erst dann werde der Kurs des neuen Unternehmens wirklich etwas über seinen Wert aussagen können - und der kombinierte Börsenwert von Siemens und Siemens Energy etwas darüber, ob Einzelteile wirklich mehr wert sind als ein Ganzes.

© dpa-infocom, dpa:200923-99-671316/2

Veröffentlicht am:
23. 09. 2020
07:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktien Aktienindizes Aktionäre Börsenwert Deutscher Aktien Index Gamesa Corporación Tecnológica Joe Kaeser Kohlekraftwerke Siemens AG Siemens-Chefs Unternehmen Wertpapierbörsen Wirtschaftsbranche Energieerzeugung und -Versorgung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Joe Kaeser

09.07.2020

Siemens-Aktionäre billigen Aufspaltung

Siemens wird wie geplant aufgespalten. Die Aktionäre haben die Ablösung des Energiegeschäfts mit großer Mehrheit genehmigt. Davor hatten sie viele Fragen - und Siemens-Chef Joe Kaeser forderte einen Weg aus der Kohle. » mehr

Siemens Energy

28.09.2020

Siemens Energy: Einzeln mehr wert als gemeinsam

Siemens Energy hat sein Debüt an der Börse gegeben. Die abgespaltene Energiesparte wird zwar eher niedrig bewertet, doch für die Siemens-Aktionäre hat sich der Schritt gelohnt. » mehr

Joe Kaeser

06.08.2020

Siemens überraschend stark in der Krise

Verluste im Energiegeschäft halbieren den Siemens-Gewinn. Aber die Sparte soll nächsten Monat an die Börse, und im Kerngeschäft läuft es erstaunlich gut beim Technologiekonzern. Der designierte Vorstandschef Roland Busch... » mehr

Siemens Healthineers

02.08.2020

Siemens Healthineers will US-Konzern Varian kaufen

Es ist die bisher größte Übernahme in der Geschichte des Erlangener Unternehmens. Für weitere Geschäfte in der Krebsforschung und den geplanten Erwerb eines US-Spezialisten greift der Konzern tief in die Tasche. » mehr

Siemens Energy will Standorte abbauen

28.08.2020

Siemens Energy will Zahl der Standorte reduzieren

Noch ist Siemens Energy nicht vom Mutterkonzern abgespalten, und schon gibt es Uneinigkeiten um mögliche Standortschließungen. Das Unternehmen will dadurch Kosten sparen. Die IG Metall ist vor den Kopf gestoßen. » mehr

Zetsche

27.09.2020

Ex-Chef Zetsche wird doch nicht Daimler-Aufsichtsrat

Als Dieter Zetsche im vergangenen Jahr als Daimler-Vorstandschef abtrat, war sein Wiedereinstieg schon fest vereinbart. 2021 sollte er neuer Chefaufseher beim Autobauer werden. Doch daraus wird nichts. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Güllelaster Rudolstadt

Umgekippter Güllelaster Rudolstadt |
» 2 Bilder ansehen

Flugzeugabsturz Kühndorf Dolmar

Flugzeugabsturz Dolmar | 19.10.2020 Dolmar
» 17 Bilder ansehen

Unfall Tunnel Hochwald

Unfall A71 Tunnel Hochwald |
» 25 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
23. 09. 2020
07:14 Uhr



^