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Wirtschaft

Schwarzarbeit lohnt sich weniger

Die Putzfrau nicht anmelden oder den Gärtner am Samstag Hecken schneiden lassen. Viele Menschen kommen im Alltag mit Schwarzarbeit in Berührung. Nun wird es offenkundig schwieriger, Angebote am Fiskus vorbei zu finden.



Haushaltshilfe
Über die sogenannte Schattenwirtschaft liegen naturgemäß keine belastbaren, statistischen Daten vor.   Foto: Franziska Kraufmann

Die gute Lage am Arbeitsmarkt macht Schwarzarbeit für viele Menschen weniger lukrativ.

Die niedrige Arbeitslosenquote und gute Verdienstmöglichkeiten sorgten dafür, dass weniger Menschen in Deutschland am Fiskus vorbei Jobs annähmen, so der Schluss einer Analyse des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz vom Mittwoch, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

«Für einen Fliesenleger ist es auch nicht so lustig, am Freitagabend oder Samstag zu arbeiten, wenn er auch so genug Geld verdienen kann», erklärt Friedrich Schneider von der Universität Linz, einer der Co-Autoren, die Entwicklung.

Der Prognose der Tübinger Forscher zufolge sinkt der Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland in diesem Jahr auf 319 Milliarden Euro. Das sind sechs Milliarden Euro weniger, als die Forscher für 2018 errechnet haben. Der Schaden ist allerdings immer noch immens, wie das Verhältnis der Schattenwirtschaft zum offiziellen Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigt. Die Quote liegt der Prognose zufolge bei 9,1 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Untersuchung Mitte der 90er Jahre. Deutschland liegt damit im internationalen Vergleich wieder im Mittelfeld. Am besten stehen den Forschern zufolge Österreich, die Schweiz und die USA da.

In ihren Schätzungen berufen sich die Forscher auf die wirtschaftliche Entwicklung, ein weiterer Indikator sind Bargeldreserven und die Arbeitslosenquote. Sie gehen dabei in diesem Jahr von einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland aus. Die Halbierung des Mindestbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung für Kleinselbstständige führt nach ihrer Berechnung außerdem dazu, dass etwa 1,4 Milliarden Euro an Wertschöpfung aus der Schattenwirtschaft in die offizielle Wirtschaft verlagert werden.

Verdi-Chefökonom Dierk Hirschel hält die Methode für umstritten. Die Modellannahmen seien völlig unrealistisch. «Richtig ist die Aussage, dass die Schwarzarbeit zurückgeht.» Das sei aber auf die kräftigen Lohnzuwächse des vergangenen Jahres und die Anhebung des Mindestlohns zurückzuführen. Außerdem gebe es weniger unsichere Jobs, was die Einkommenslage von Geringverdienern verbessert habe. «Dadurch können immer mehr Menschen von ihrer regulären Arbeit leben», so Hirschel.

Über die sogenannte Schattenwirtschaft liegen naturgemäß keine belastbaren, statistischen Daten vor. Das Statistische Bundesamt erfasst zwar Schwarzarbeit in der offiziellen Berechnung des Bruttoinlandprodukts. Dabei handelt es sich aber zum Teil auch um Schätzungen, explizit werden die Zahlen nicht ausgewiesen. Die Tübinger Forscher gehen Schneider zufolge von einem weitreichenderen Wert aus.

Schätzungen zu Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit beruhen zum Teil auch auf Umfragen. So errechnete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Anfang des Jahres auf Basis einer Umfrage unter Unternehmen die durch Schwarzarbeit entstandenen Umsatzeinbußen in Deutschland auf rund 300 Milliarden Euro. Andere Berechnungen des IW deuten darauf hin, dass trotz eines Rückgangs Schwarzarbeit noch weit verbreitet ist: Sie kommen zu dem Schluss, dass rund 88 Prozent der Haushalte in Deutschland ihre Haushaltshilfe nicht angemeldet haben.

«Es wäre vermessen, eine Punktlandung vorherzusehen», sagte Co-Autor Schneider und räumt ein, dass die Prognose auch Fehler enthalten kann. Mit den Annahmen für 2018 hätten die Forscher beispielsweise weitestgehend richtig gelegen.

Die aktuelle Prognose sei aber besonders schwierig, weil mit der Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump oder einem möglichen Brexit viele Unsicherheit mitschwängen. In den kommenden Jahren könnte der Abwärtstrend der Schwarzarbeit weitergehen, so Friedrich. Voraussetzung sei aber eine anhaltend positive wirtschaftliche Entwicklung. Einen nennenswerten Effekt hätte die Abschaffung des Solidaritätsbeitrags (Soli). Auch die von Sozialminister Hubertus Heil (SPD) ins Gespräch gebrachte Grundrente für Geringverdiener könnte sich positiv auswirken.

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dpa

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Veröffentlicht am:
06. 02. 2019
12:33 Uhr

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06. 02. 2019
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