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Wirtschaft

Rückversicherer blicken auf 2018

Auch Versicherungen haben Versicherungen. Einmal im Jahr treffen sich diese sogenannten Rückversicherer und loten mit ihren Kunden die Verträge für das kommende Jahr aus. Eins steht fest: An Geld mangelt es der Branche nicht.



Hurrikan «Irma»
Verwüstungen durch Hurrikan «Irma» auf der niederländischen Antilleninsel im Jahr 2017.   Foto: Gerben Van Es/Dutch Defense Ministry/AP

Hurrikans, Erdbeben, Dürreperioden: Wetterextreme sind für Versicherungen ein erhebliches Risiko.

Ein Jahr, nachdem die Wirbelstürme «Harvey», «Irma» und «Maria» in Teilen der USA und der Karibik Milliardenschäden anrichteten und Millionen Menschen in die Flucht trieben, geht es beim Treffen der Rückversicherungsbranche in Monte Carlo ab diesem Wochenende wieder darum, wer für die Folgen solcher Katastrophen künftig geradesteht - und wie viel Geld er dafür bekommt. Auch Katastrophen in Deutschland, etwa der Wintersturm «Friederike» im Januar, werden ein Thema sein. Klar ist: Trotz der hohen Schäden tobt in dem Geschäft weiter ein heftiger Wettbewerb.

Das Rendezvous der Rückversicherer («Rendez-Vous De Septembre») im Fürstentum Monaco gibt es seit mehr als 60 Jahren. In den Luxushotels von Monte Carlo loten Rückversicherer wie Munich Re und Hannover Rück mit Großkunden wie Allianz oder AIG immer im September die Vertragskonditionen für das nächste Jahr aus. Von hier aus, wo schon ein Glas Bier an die 20 Euro kostet, verfolgten Assekuranz-Vertreter 2017 bei bestem Wetter die Ereignisse in den USA mit großer Spannung. Dort toste Hurrikan «Irma» an der Westküste Floridas und beeinflusste tausende Kilometer entfernt die Verhandlungen an der Côte d'Azur.

Denn bei allem Mitgefühl für die Betroffenen trieb die Vertreter von Erst- und Rückversicherern die Frage um, wie tief ihre Unternehmen für die Schäden in die Tasche greifen müssen - und ob die Ereignisse die Preise für Rückversicherungsschutz nach jahrelangem Sinkflug wieder nach oben treiben würden. Doch von einem Preisanstieg auf breiter Front kann kaum die Rede sein.

Obwohl Naturkatastrophen die weltweite Versicherungsbranche 2017 mit rund 135 Milliarden US-Dollar so teuer zu stehen kamen wie nie zuvor, dürften die Preise für Rückversicherungsschutz in diesem Jahr allenfalls um null bis fünf Prozent steigen, sagt Branchenexperte Johannes Bender von der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P). Und 2019, schätzt er, dürfte diesem Trend schon wieder die Puste ausgehen.

Dort, wo die Wirbelstürme «Harvey», «Irma» und «Maria» in den USA und der Karibik gewütet hatten, konnten die Rückversicherer zwar stärker an der Preisschraube drehen. Am harten Wettbewerb in dem Geschäft mit den Risiken habe dies aber kaum etwas geändert, heißt es bei der auf Versicherer spezialisierten Rating-Agentur A.M. Best. Als Gründe dafür gelten die gute Kapitalausstattung der Branche und die seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsen.

Nach Berechnungen des Rückversicherungsmaklers Aon Benfield standen Ende März weltweit insgesamt 610 Milliarden Dollar für Rückversicherungsrisiken bereit, rund 5 Milliarden mehr als im Vorjahr - und das trotz der hohen Katastrophenschäden. Zwar verharrte das Kapital klassischer Rückversicherer wie Munich Re und Hannover Rück mit rund 515 Milliarden Dollar auf dem Niveau der beiden Vorjahre. Doch Großanleger wie Pensions- und Hedgefonds pumpten weiteres Geld in Katastrophenanleihen und andere Finanzvehikel, mit deren Hilfe sie vor allem im Geschäft mit Katastrophenrisiken mitmischen.

Inzwischen summiert sich dieses sogenannte alternative Kapital im Rückversicherungsmarkt auf fast 100 Milliarden Dollar - obwohl viele Anleger infolge der Hurrikan-Schäden ihr investiertes Geld verloren hatten. In den Vorjahren hatten sie dafür allerdings fette Zinsen von im Schnitt bis zu acht Prozent eingestrichen. Die jüngsten Katastrophenschäden konnten sie offenbar nicht verschrecken.

«Das Jahr 2017 hat gezeigt, dass das alternative Kapital bleibt», sagt S&P-Analyst Bender mit Blick auf die Pensions- und Hedgefonds. «Wir glauben, dass der Risikoappetit dort ungebrochen ist.»

Der Klimawandel treibt die Branche um, die sich mit den Risiken von Stürmen, Hochwasser und Dürre bestens auskennt. Es gebe immer mehr unwetterbedingte Großschäden, resümiert die Rating-Agentur Moody's. «Dies gibt den Rückversicherern Gelegenheit, sich das Nachfragewachstum zunutze zu machen, das mit neuen Konzepten zur Anpassung an Klimarisiken einhergeht.»

Dass die diesjährigen Dürreschäden im Deutschland bei den Versicherern bisher kaum zu Buche schlagen, liegt daran, dass hiesige Landwirte ihre Felder eher gegen Hagel als gegen Dürre versichert haben. Das liege auch an den hohen Prämien, die sich «kaum ein Landwirt leisten kann», räumt Rainer Langner ein, Vorsitzender der Kommission Sachversicherung Landwirtschaft beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Weltweit verlief das Jahr 2018 für die Rückversicherungsbranche bisher recht glimpflich. Der Munich Re zufolge beliefen sich die versicherten Naturkatastrophenschäden im ersten Halbjahr auf 17 Milliarden US-Dollar. Und Wintersturm «Friederike», der im Januar in Deutschland und anderen Ländern Europas wütete, brachte mit 1,7 Milliarden Euro den höchsten Schaden. Am Dienstag wurde Japan von dem schwersten Taifun seit 25 Jahren getroffen. Wassermassen überschwemmten den Flughafen Kansai in der westlichen Provinz Osaka. Derweil kann die gefährliche Hurrikan-Saison in der Karibik noch bis November dauern - für eine Entwarnung ist es noch viel zu früh.

Veröffentlicht am:
07. 09. 2018
15:12 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
07. 09. 2018
15:12 Uhr



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