Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Real ist verkauft - doch 34.000 Beschäftigte bangen weiter

Nach monatelangem Tauziehen sind die Verträge für den Verkauf von Real endlich unterschrieben. Die Supermarktkette soll nun zerschlagen werden. Doch bis Kunden und Mitarbeiter Klarheit über das Schicksal einzelner Filialen haben, kann es noch Monate dauern.



Supermarkt Real
Steht die Supermarktkette mit 276 Real-Märkten und 34.000 Beschäftigten vor der Zerschlagung.   Foto: Oliver Berg/dpa

Die Supermarktkette Real ist nach monatelangem Tauziehen endlich verkauft: Doch für die 34.000 Beschäftigten in den 276 Filialen und für Millionen Real-Kunden geht die Ungewissheit weiter.

Es dürfte noch Monate dauern, bis sie Klarheit bekommen, ob «ihre» Filiale weiterbetrieben, verkauft oder geschlossen wird. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sprach am Mittwoch von einem «bitteren Tag für die Real-Beschäftigten». Die Gewerkschafterin warnte vor der möglichen Vernichtung von mehr als 10.000 Arbeitsplätzen im Zuge der Übernahme.

Der neue Real-Besitzer, der Finanzinvestor SCP, will Real nach der Übernahme zerschlagen, wie SCP und Metro nach der Vertragsunterzeichnung in der Nacht zum Mittwoch in einer gemeinsamen Mitteilung bekräftigten. Ein Großteil der 276 Real-Märkte soll an Wettbewerber wie Kaufland, Globus oder Edeka verkauft werden. Nur ein Kern von 50 Filialen soll noch 24 Monate unter dem Namen Real weitergeführt werden. Rund 30 Filialen sollen mangels Zukunftsperspektiven geschlossen werden.

Mit welcher Filiale was geschehen soll, ließen die Beteiligten allerdings zunächst offen. Da ein Weiterverkauf vom Bundeskartellamt geprüft werden müsste, kann es auch noch dauern, bis hier Klarheit herrscht.

Bei der Gewerkschaft Verdi ließen die Ankündigungen von SCP und Metro aber die Alarmglocken schrillen. Der Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel, Orhan Akman, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Es wirkt wie eine Beruhigungspille, dass angeblich nur 30 Filialen geschlossen werden sollen. Wir befürchten, dass die Zahl noch deutlich steigen könnte. Denn was am Ende aus den 50 Filialen wird, die erst einmal weiterbetrieben werden sollen, ist völlig unklar. Die SCP hat ja keinerlei Erfahrung mit dem Lebensmittelhandel.»

SCP-Group-Chefin Marjorie Brabet-Friel kündigte an, der Finanzinvestor werde versuchen, «Schließungen und Entlassungen so weit wie möglich zu vermeiden». Doch hänge das weitere Vorgehen von SCP auch vom künftigen Engagement der anderen Beteiligten, von den Mitarbeitern, Betriebsräten und Gewerkschaften über die Politik bis hin zu den Vermietern ab.

Dem «Handelsblatt» sagte Brabet-Friel, «wir treffen keine überhasteten Entscheidungen und geben Real eine faire Chance». Ziel ist es, «so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten». Keine Zukunft sieht sie für den Onlinemarktplatz real.de im Unternehmen: »Den wollen wir nicht selber betreiben, für diesen Teil des Unternehmens suchen wir einen Käufer.»

Die Supermarktkette Real war zuletzt das Sorgenkind bei dem Düsseldorfer Handelsriesen und hatte im Geschäftsjahr 2018/19 für tiefrote Zahlen bei der Metro gesorgt. Die meist auf der grünen Wiese gelegenen Hypermärkte litten seit Jahren unter den veränderten Einkaufsgewohnheiten in Deutschland. Immer öfter ließen die Kunden die Hypermärkte links liegen und kauften lieber in Supermärkten und bei Discountern in ihren Wohnvierteln.

Die Metro erwartet durch den Verkauf einen Netto-Mittelzufluss in Höhe von rund 300 Millionen Euro. Das sind 200 Millionen Euro weniger als noch vor wenigen Monaten erhofft.

Metro-Chef Koch zeigt sich erleichtert, dass der größte Teil der Real-Standorte nach den Plänen des Käufers auch in Zukunft weiter für Einzelhandel genutzt werden soll. «Viele der erfahrenen und qualifizierten Real-Mitarbeiter haben eine gute Chance auf Weiterbeschäftigung», meinte er. Für Beschäftigte, die aus betrieblichen Gründen ihre Stelle verlieren, wurde eine Abfindungsregelung vereinbart. Für die Metro sei der Verkauf der letzte große Schritt auf dem Weg zum reinen Großhändler, betonte Koch.

Der Vertrag steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Aufsichtsgremiums der russischen Sistema PJSFC, die die Finanzierung der Übernahme sicherstellt. Sistema teilte ebenfalls am Dienstag in Moskau mit, dass man dafür bis zu 263 Millionen Euro zur Verfügung stelle. Auch die Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen.

Die Metro hatte bereits 2018 angekündigt, die Supermarktkette abgeben zu wollen, um sich ganz auf das Großhandelsgeschäft mit Gastronomen und kleinen Händlern konzentrieren zu können. Doch erwies sich der Verkaufsprozess als deutlich schwieriger als erwartet.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 02. 2020
18:08 Uhr

Aktualisiert am:
19. 02. 2020
08:19 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aldi Gruppe Arbeitnehmer Betriebsräte Bundeskartellamt Deutsche Presseagentur Edeka-Gruppe Einzelhandel Gewerkschaften Gewerkschafter Großhändler Handelsblatt Kartellämter Kaufland Lidl Metro AG Mitarbeiter und Personal Rewe Gruppe Sistema Supermärkte Unternehmensgruppe Schwarz: Schwarz Beteiligungs GmbH
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
SB-Warenhauskette Real

16.11.2020

Real: Kartellamtsbedenken gegen Übernahmepläne von Kaufland

Kaufland will zahlreiche Filialen seines Konkurrenten Real übernehmen. Die Pläne könnten allerdings den regionalen Wettbewerb empfindlich stören, befürchten die Kartellwächter. » mehr

Real

25.06.2020

Russischer Finanzinvestor hat ab sofort das Sagen bei Real

Der neue Besitzer will die Kette rasch zerschlagen. Käufer für mehr als 140 Märkte und den Online-Shop hat er bereits gefunden. Doch was aus den anderen Filialen und den Mitarbeitern dort werden soll, ist noch ungewiss. » mehr

Real-Märkte

17.09.2020

Zerschlagung von Real: Globus steigt in Verkaufspoker ein

Die Real-Warenhäuser sind bald Geschichte, die Zerschlagung ihres Filialnetzes läuft längst. Bisher meldeten sich die Branchengrößen Edeka und Kaufland als Käufer, nun kommt ein Wettbewerber aus dem Saarland hinzu. » mehr

Real-Verkauf

24.06.2020

Für Real rückt die Zerschlagung näher

Am Donnerstag soll der russische Finanzinvestor SCP die Kontrolle bei der SB-Warenhauskette übernehmen. Er hat bereits Käufer für 141 Filialen und den Online-Marktplatz real.de gefunden. Für viele Beschäftigte ist die Zu... » mehr

SB-Warenhauskette Real

10.07.2020

Kartellamt prüft Verkauf von Real-Filialen genauer

Bevor der Verkauf von Real-Supermärkte an Kaufland über die Bühne gehen kann, gibt es noch einiges zu klären, sagt das Bundeskartellamt. Nun werden die Übernahmepläne unter die Lupe genommen. » mehr

Toilettenpapier

22.10.2020

Nachfrage nach Toilettenpapier steigt

Kaum steigen die Corona-Zahlen, gibt es auch wieder erste Bilder von leeren Toilettenpapier-Regalen im Lebensmittelhandel. Psychologisch ist das vielleicht verständlich - doch nötig ist es nach Angaben der Handelsketten ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall A73 Suhl Suhl A73

Unfall A73 Suhl | 27.11.2020 Suhl A73
» 7 Bilder ansehen

Holz Lkw Schleusingen Schleusingen

Holzlaster Unfall | 27.11.2020 Schleusingen
» 8 Bilder ansehen

Verkehrsbehinderungen A73 Suhl A 73/Suhl

Verunreinigung A73 | 26.11.2020 A 73/Suhl
» 3 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 02. 2020
18:08 Uhr

Aktualisiert am:
19. 02. 2020
08:19 Uhr



^