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RWE erwartet Milliardenentschädigungen für Braunkohle-Aus

RWE soll Braunkohlekraftwerke abschalten und den Hambacher Forst stehen lassen. Das erwartet die Kohlekommission von dem Essener Energiekonzern. RWE-Chef Schmitz hat jetzt Preisschilder beschriftet.



Rolf Martin Schmitz
RWE-Chef Rolf Martin Schmitz.   Foto: Ina Fassbender

Der Energiekonzern RWE geht mit der Forderung nach Entschädigungen in Milliardenhöhe in die Gespräche mit der Bundesregierung über die vorzeitige Abschaltung von Braunkohlekraftwerken.

Eine Kompensation von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro pro Gigawatt abgeschalteter Leistung sei fair, sagte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz am Donnerstag in Essen. Im Vergleich zur Ökostromförderung seien Entschädigungen für abgeschaltete Kraftwerke aber überschaubar.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hat vorgeschlagen, bis 2022 rund 3 Gigawatt Braunkohlekapazität zusätzlich vom Netz zu nehmen. RWE geht davon aus, dass der Großteil der Abschaltungen auf das Rheinische Revier entfällt, wo der Essener Konzern die Kraftwerke und Tagebaue betreibt. Ein erstes Gespräch mit dem Bundeswirtschaftsministerium habe es am Mittwoch gegeben. Schmitz rechnet mit mehrmonatigen Verhandlungen.

Der RWE-Chef begründete die Höhe der erwarteten Entschädigungen mit den Auswirkungen von Kraftwerksabschaltungen auf die Tagebaue. Deshalb müssten die Zahlungen mindestens doppelt so hoch ausfallen wie für die bereits in die Sicherheitsbereitschaft überführten Braunkohlekraftwerke. Wenn RWE im geforderten Umfang Kraftwerke stilllegen und die Braunkohleförderung zurückfahren solle, müssten rund 2700 Arbeitsplätze im rheinischen Revier abgebaut werden, sagte Schmitz weiter.

Auch für den Erhalt des Hambacher Forsts müsste «eine Menge Geld aufgebracht werden», sagte der RWE-Chef. Einen konkreten Betrag nannte er nicht. Das Unternehmen werde prüfen, ob es mit Blick auf Standsicherheit, Rekultivierung und Wasserwirtschaft möglich sei, das Waldstück am Tagebau Hambach stehen zu lassen, auch wenn das wirtschaftlich und betrieblich nicht sinnvoll sei. «Symbole haben ihren Preis», sagte Schmitz. Der Hambacher Forst ist zum Symbol des Widerstands von Umweltschützern gegen die Braunkohleverstromung geworden.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte die Forderungen. «RWE pokert um milliardenschwere Entschädigungen, ohne einen eigenen Beitrag für die Energiewende in Deutschland leisten zu wollen», sagte Greenpeace-Energieexperte Karsten Schmid. RWE sollte sich aktiv am Ausbau der klimaschützenden Energien beteiligen und die nach einer Verkleinerung der Tagebaue nicht benötigten Flächen für erneuerbare Energien ausschreiben.

Im vergangenen Jahr haben schwächere Geschäfte mit Braunkohle und Kernenergie RWE belastet. Unter dem Strich verdiente der Energiekonzern mit 591 Millionen Euro etwa 40 Prozent weniger als 2017. RWE hatte planmäßig weniger Strom erzeugt und konnte nur bedingt von den höheren Großhandelspreisen für Strom profitieren.

In diesem Jahr werde man durch den Deal mit Eon «ein neues Kapitel in der Geschichte von RWE schreiben», sagte Schmitz. Die Konkurrenten haben ein umfangreiches Tauschgeschäft vereinbart, bei dem die RWE-Tochter Innogy zerschlagen wird. RWE bekommt dabei die erneuerbaren Energien von Innogy und Eon und wird dadurch nach eigenen Angaben zum drittgrößten europäischen Erzeuger von Strom aus erneuerbaren Energien. In Deutschland wird der Anteil von RWE an der Ökostrom-Erzeugung aber vorerst nur gering ausfallen. Von den rund 100 Gigawatt erneuerbarer Energien in Deutschland habe RWE ein Gigawatt, sagte Schmitz.

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dpa

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Veröffentlicht am:
14. 03. 2019
14:16 Uhr

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14. 03. 2019
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