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Wirtschaft

Puzzeln mit Scheinen - Zentrum für beschädigtes Geld

Mal ist es ein verkohltes Häufchen, mal ein von Flüssigkeiten zusammengeklebter Klumpen. In Mainz nehmen Bundesbank-Experten beschädigte Geldscheine unter die Lupe und entscheiden, ob sie ersetzt werden. Dahinter stecken oft bizarre Geschichten.



Analysezentrum der Bundesbank
Frank Herzog, Sachverständiger für beschädigtes Bargeld, hält im Nationalen Analysezentrum der Bundesbank eine 10-Euro- sowie 50-Euro- Banknote.   Foto: Silas Stein

Mit einer Pinzette rückt Frank Herzog einen verklebten Klumpen vermoderter Geldscheine unter ein Mikroskop. Kleine Wurzeln ranken sich darum.

Lange lagen die Scheine in einem Blumentopf auf einem Balkon, irgendwo in Deutschland, wurden vergessen. Wasser und Witterung haben ihnen zugesetzt, nun hat sie der Besitzer wiedergefunden, an das Nationale Analysezentrum der Bundesbank in Mainz geschickt und möchte sie gerne ersetzt bekommen. Dort checken Experten wie Herzog, ob ein Anspruch darauf besteht.

In dem Zentrum unweit der Mainzer Fußball-Arena sitzt unter anderem die Fachstelle der Bundesbank für beschädigtes Geld. Hier kommt alles Mögliche an, seien es Geldreste, die nach einem Todesfall von den Erben in einem Keller oder auf einem Dachboden gefunden wurden oder welche, die in einer Hausmüll-Verbrennungsanlage herausgefischt wurden. Mal kommt bei Haus- oder Autobränden in Mitleidenschaft gezogenes Geld herein, mal kaum noch erkennbare Scheine aus gesprengten Geldautomaten. Die Palette der Fälle sei riesig, sagt Herzog. «Und es steckt immer eine Geschichte dahinter.»

Einen Ersatz für beschädigte Euro- oder auch alte D-Mark-Banknoten oder Teile davon leistet die Bundesbank, wenn mehr als die Hälfte des Scheines noch vorliegt oder nachgewiesen werden kann, dass die fehlenden Teile vernichtet wurden. Doch ob tatsächlich die Hälfte erhalten ist, lässt sich in Einzelfällen gar nicht so einfach sagen.

Die Arbeit von Herzog und seinen 14 Kollegen in der Abteilung wird häufig zu einem komplizierten Puzzlespiel, Schnipsel werden in teils wochenlanger Kleinstarbeit zusammengesetzt, mal computerunterstützt, meist jedoch in bloßer Handarbeit. Immer zwei Mitarbeiter schauen sich unabhängig voneinander einen Fall an, das mündet in eine Art Gutachten, damit am Ende alles rechtssicher ist.

Grundsätzlich gebe es drei Arten von Schäden, erklärt Herzog, der seinen Job bereits seit zehn Jahren macht. Feuer, Feuchtigkeit und mechanische Schäden, zum Beispiel durch Schredder oder Tiere. Wenn etwa ein Hund mal Scheine gefressen habe, rate man den Betroffenen: «Warten Sie 24 Stunden.» Dann komme das mit den Ausscheidungen wieder zum Vorschein. Entsprechend erreichten durchaus mal Sendungen mit einem Mix aus Geld und Fäkalien das Mainzer Zentrum. Auch Mäuse in Kellern knabberten Geld gerne ein, sagt Herzog. «Die lieben Scheine. Sie benutzen diese zum Nestbau.»

Anträge auf eine Erstattung von beschädigtem Geld gibt es viele. Pro Jahr gehen der Bundesbank zufolge rund 30 000 in Mainz ein, sie kommen per Post von Privatpersonen oder Unternehmen oder wurden in Bundesbank-Filialen abgegeben. Die Erstattungssumme liegt pro Jahr bei rund 40 Millionen Euro, wie Michael Erbert sagt. Er ist Leiter der Gruppe Beschädigtes Bargeld. Bei den meisten Anträgen drehe es sich um Beträge unter 1000 Euro. In der Regel wird ein Antrag binnen vier bis sechs Wochen bearbeitet, ist er komplizierter, gibt es Erbert zufolge nach spätestens drei Monaten einen Zwischenbescheid.

Dass beschädigtes Geld - sofern die Anforderungen erfüllt sind - ersetzt wird, sei wichtig für das Vertrauen der Bürger in die Währung, sagt Erbert. Und es sei unverzichtbar für einen «sauberen Zahlungsverkehr», dass beschädigte Banknoten aus dem Verkehr gezogen und vernichtet würden.

Bei den Anträgen müssen auch geldwäscherechtliche Belange geprüft werden, so dass bei Verdacht auf eine Straftat gegebenenfalls die Polizei eingeschaltet wird. Aufmerksam werde man, wenn der Einsender einen offensichtlich falschen Grund für den Schaden angebe. So sehe Schwarzschimmel etwa auf den ersten Blick aus wie ein Brandschaden. Experten sähen den Unterschied aber schnell. «Das macht neugierig.»

Herzog hat noch den Fall einer Frau im Gedächtnis, die Scheine einreichte, die angeblich an Weihnachten von Wunderkerzen beschädigt worden sein sollten. Unter dem Mikroskop zeigte sich, dass rund um die beschädigten Stellen Mini-Metallkügelchen waren. «Das lässt auf heiße Arbeit schließen», sagt er schmunzelnd. Das Geld sei aus einem aufgeschweißtem Tresor gewesen. Die Frau habe auf Nachfrage erzählt, das Geld von ihrem Sohn erhalten zu haben. «Der bekam dann Besuch von der Polizei.»

Neben Herzogs Mikroskop am Schreibtisch ist ein beweglicher Luftabzug. Denn er und seine Kollegen müssen mit allerlei üblen Gerüchen auskommen. Der faulige Geruch der nass gewordenen Scheine mit Wurzelresten sei harmlos, sagt Herzog. Es komme auch Geld aus Portemonnaies von Leichen herein. Zudem seien viele eingereichte Scheine kontaminiert, erklärt Erbert. Vereinzelt müssten die in einem hauseigenen Labor, im Extremfall mit Schutzanzug näher angeschaut werden. Allein schon eine geplatzte Farbpatrone aus dem Koffer eines Geldtransports beinhalte sehr aggressive Farbe, erklärt Erbert. «Die Sicherheit der Mitarbeiter geht bei uns vor.»

Veröffentlicht am:
24. 09. 2018
10:36 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
24. 09. 2018
10:36 Uhr



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