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Prosieben.Sat1-Chef warnt vor Übermacht auf TV-Markt

Für die einen ein Wettbewerbsmotor, für die anderen eine Bedrohung für die TV-Vielfalt: Der Deal zwischen Vodafone und Liberty Global polarisiert weiter. Auf einer Podiumsdiskussion in Köln saßen sich am Mittwoch Entscheider beider Seiten gegenüber.



Conrad Albert
Prosieben.Sat1-Chef Conrad Albert.   Foto: Sven Hoppe

ProSiebenSat.1-Chef Conrad Albert hat angesichts der Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia durch Vodafone Warnungen vor einer Machtkonzentration auf dem deutschen Fernsehmarkt erneuert.

«Ihr hättet natürlich die Möglichkeit, durch eure mächtigen Strukturen Exklusivitäten aufzuzwingen», sagte Albert auf dem Breitbandkongress Anga Com in Köln bei einer Podiumsdiskussion zu Vertretern von Vodafone und Unitymedia. «Ihr hättet die Möglichkeit, gerade kleine Anbieter mit Preisen zu belegen, die ihnen quasi die Existenz auf euren Plattformen unmöglich machen.»

Die Unternehmen müssten ihren Taten Worten folgen lassen und für den Zuschauer und für die Sender dafür sorgen, dass die Angebotsvielfalt nicht abnehme. «Dann kann es gut sein», sagte Albert. Vodafone-Werbemanager Manuel Cubero ging auf der Veranstaltung auf die Kritik ein: «Im TV-Markt stehen wir für Meinungs- und Inhalte-Vielfalt, für freien Content und offene Plattformen für alle. Das ist so und wird auch in Zukunft so bleiben.»

Für 18,4 Milliarden Euro will Vodafone den Kabelnetzbetreiber Liberty Global kaufen, der mit Unitymedia in Deutschland aktiv ist. Damit hätte Vodafone rund zwei Drittel des deutschen Kabelmarkts in der Hand. Kritiker fürchten, dass das vor allem für Mieter von Wohnungsgesellschaften langfristig zu weniger Auswahl und zu höheren Kosten führen könnte. Zudem könnte die Position der Sender bei den Einspeisekonditionen aufgrund mangelnder Alternativen geschwächt werden. Der Übernahme müssen noch die Kartellbehörden zustimmen.

Unitymedia-Chef Lutz Schüler betonte auf der Veranstaltung hingegen, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb auf dem Breitbandmarkt ankurbeln und Deutschland beim Gigabit-Ausbau voranbringen werde. Vodafone will mit der Übernahme bis 2022 rund 25 Millionen Haushalte mit Gigabit-Geschwindigkeiten versorgen. «Und deswegen muss die Politik in meinen Augen, um Deutschland nach vorne zu bringen, diesen Zusammenschluss zulassen», sagte Schüler.

Das Ziel der Bundesregierung sieht vor, bis 2025 eine flächendeckende Versorgung mit Gigabit-Geschwindigkeiten zu gewährleisten. Am Montag teilte Vodafone auf der Cebit mit, dass bereits für acht Millionen Haushalte in den kommenden Monaten eine entsprechende Versorgung möglich sein soll. Um bei den Geschwindigkeiten mitzuhalten, müsse die Deutsche Telekom in Glasfaser investieren, sagte Schüler.

Vodafone glaube, dass das die Konkurrenz in Deutschland stärken werde, sagte auch Cubero. «Wenn wir diesen Zusammenschluss machen dürfen, was werden die Konkurrenten machen? (...) Wir glauben, sie werden mehr investieren.»

Die Deutsche Telekom freue sich über Wettbewerb, entgegnete Deutschlandchef Dirk Wössner. Auf dem Breitbandmarkt sei die Übernahme kein Thema. Kern des Problems für die Telekom sei die Dominanz auf dem Kabel-TV-Markt, die durch den Zusammenschluss vergrößert werde.

An der Podiumsdiskussion auf dem Fachkongress nahm auch Sky-Chef Carsten Schmidt teil. Auf der Anga Com trifft sich die internationale Telekommunikations- und Medienindustrie. Drei Tage lang diskutieren auf der Veranstaltung in Köln mit über 500 Ausstellern rund 2700 Teilnehmer über aktuelle Fragen rund um Breitband, Fernsehen und Telekommunikation.

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dpa

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Veröffentlicht am:
13. 06. 2018
16:43 Uhr

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