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Wirtschaft

Privates Geldvermögen steigt so stark wie seit Jahren nicht

Sparfleiß und Aktiengewinne haben die Menschen in Deutschland in der Summe reicher gemacht. Trotz der Zinsflaute erreicht das Geldvermögen im vergangenen Jahr einen Rekordwert. Ob sich der Trend in der Corona-Krise fortsetzt, ist jedoch fraglich.



Geldscheine und Sparbuch
Deutschlands Sparer setzten weiter vor allem auf Bargeld und Bankeinlagen.   Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Die Menschen in Deutschland haben vor dem Ausbruch der Corona-Krise in der Summe so viel auf der hohen Kante gehabt wie nie.

Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen summierte sich Ende des vierten Quartals 2019 auf den Rekordwert von rund 6458 Milliarden Euro. Das war ein Anstieg um 126 Milliarden Euro oder 2,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie die Deutsche Bundesbank am Freitag in Frankfurt mitteilte.

Gegenüber dem Vorjahreszeitraum war es mit 7,2 Prozent das stärkste Plus seit dem ersten Quartal 2004. Vor allem Sparfleiß und Aktiengewinne trugen zu dem Anstieg bei.

Wie sich das Sparverhalten der Menschen in der Corona-Krise entwickelt, lässt sich schwer vorhersagen. Ökonomen rechnen mit steigender Arbeitslosigkeit, Verbraucher hätten weniger Geld zum Sparen. Manche wollen allerdings auch ihren Konsum einschränken, um Geld für eine kommende Rezession zu sparen, wie aus einer jüngst veröffentlichten Umfrage der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervorgeht. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008/2009 war das Geldvermögen der Privathaushalte geschrumpft.

Im vierten Quartal 2019 setzten Sparer der Bundesbank zufolge unter anderem weiter auf Bargeld und Bankeinlagen, die zwar wegen der Zinsflaute kaum noch etwas abwerfen, auf die sie aber schnell zugreifen können. Insgesamt hatten die Privathaushalte 2590 Milliarden Euro (3. Quartal rund 2542 Mrd.) als Bargeld oder Bankeinlagen auf der hohen Kante. Ihre Anlagen in Sparbriefen und Spareinlagen reduzierten die Privathaushalte allerdings weiter - um 4 Milliarden auf 574 Milliarden Euro Ende 2019.

Weiterhin sehr beliebt sind Versicherungen und andere Produkte zur Altersvorsorge. Ende 2019 steckten rund 2331 Milliarden Euro in diesen Produkten, 18 Milliarden Euro mehr als im dritten Quartal. Auch wenn die Privathaushalte mehr in Aktien und Investmentfonds investierten, ist das Gesamtvolumen weiterhin vergleichsweise gering. Ende 2019 steckten rund 703 Milliarden Euro in Aktien und sonstigen Anteilsrechten sowie 680 Milliarden Euro in Investmentfonds.

Die Zahl der Aktionäre in Deutschland war trotz des Börsenbooms 2019 wieder gesunken. Knapp 9,7 Millionen Menschen besaßen nach Angaben des Deutsche Aktieninstituts im vergangenen Jahr Anteilsscheine von Unternehmen und/oder Aktienfonds. Sowohl 2017 als auch 2018 war die Zahl der Aktionäre zum Vorjahr gestiegen. Im vergangenen Jahr dagegen kehrten unter dem Strich gut 660 000 Menschen der Börse den Rücken.

Wie schon in der Vergangenheit nutzen die Menschen die Niedrigzinsen, um sich billig Geld zu leihen. Allerdings fiel die Neuverschuldung geringer aus als im dritten Quartal. Insgesamt lagen die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte zum Ende vergangenen Jahres bei 1876 Milliarden Euro. Netto, nach Abzug der Schulden, stieg das Geldvermögen deutlich um 111 Milliarden auf rund 4583 Milliarden Euro.

Wie das Geldvermögen verteilt ist, geht aus den Bundesbank-Daten nicht hervor. Eine Studie des Deutschen Instituts der Wirtschaft (DIW) war im vergangenen Herbst zu dem Ergebnis gekommen, dass die reichsten zehn Prozent mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens (56 Prozent) besitzen. Die ärmere Hälfte hat dagegen nur einen Anteil von 1,3 Prozent.

Neben Betriebsvermögen - also dem Besitz eines Unternehmens oder einer Beteiligung daran - machen Immobilien dem DIW zufolge einen entscheidenden Unterschied. Menschen, die in den eigenen vier Wänden wohnen, profitierten vom Immobilienboom - ihr Vermögen wuchs besonders kräftig. Allerdings besitzen früheren Angaben der Bundesbank zufolge nur 44 Prozent der Privathaushalte in Deutschland Wohneigentum. In anderen Ländern ist die Quote teils deutlich höher.

Die Bundesbank berücksichtigt bei der vierteljährlichen Berechnung des Geldvermögens Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche an Versicherungen - nicht jedoch Immobilien.

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dpa

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17. 04. 2020
14:27 Uhr

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