Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wirtschaft

Post feiert 10.000. Elektro-Lieferwagen

Als die Deutsche Post 2014 begann, Elektrotransporter im größeren Stil auf die Straße zu schicken, war die Aufmerksamkeit groß. Seither hat der Konzern seinen Stromeranteil aufgestockt. Doch Experten sind nicht allzu begeistert.



10 000. Streetscooter
Ein Streetscooter steht vor der Zustellbasis. Bei der Elektrifizierung ihrer Transporterflotte kommt die Deutsche Post schrittweise voran.   Foto: Oliver Berg

Köln (dpa) - Die Deutsche Post DHL kommt bei der Elektrifizierung ihrer Transporterflotte schrittweise voran.

Der Bonner Konzern stellte in Köln den 10.000. Elektro-Lieferwagen des Modells Streetscooter vor, der von einer Tochterfirma in Aachen gefertigt wurde und künftig Pakete in der Domstadt zustellt. Zuletzt hatte der Konzern von 9000 E-Transportern in der eigenen Flotte gesprochen, nun sind es 1000 mehr.

Die ersten Fahrzeuge für den Regelbetrieb übernahm die Post 2014. Insgesamt hat der Konzern in Deutschland 50.500 Transporter für die Zustellung auf den Straßen, jeder fünfte ist nun ein Stromer.

Post-Vorstand Tobias Meyer sagte, sein Unternehmen sei «klarer Marktführer in der grünen Logistik» - man meine es ernst «mit unserem ambitionierten Null-Emissionen-Ziel bis 2050». Die Post hat derzeit nach eigenen Angaben 13.500 Elektro-Ladesäulen und damit das größte private Ladesäulennetz hierzulande. Lobende Töne gab es auch aus der Politik: NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sagte bei dem Termin in Köln, der Streetscooter sei «eine einzigartige Erfolgsgeschichte für die Elektromobilität in Nordrhein-Westfalen».

In NRW sind den Angaben zufolge 1750 gelbe Elektro-Transporter unterwegs, in Bayern sind es rund 1400 und in Baden-Württemberg und Niedersachsen jeweils 1200. Die Konkurrenz der Post bemüht sich ebenfalls um eine klimaschonendere Paketzustellung, sie ist aber noch nicht so weit wie der Branchenführer aus Bonn.

Streetscooter wurde im Jahr 2010 von Professoren der Aachener Universität RWTH gegründet. 2014 kaufte die Post das Unternehmen, um ihre Flotte klimaschonender machen. Anfangs war das medial ein Coup - der Schritt hin zur Herstellung eigener Stromer wurde als Beleg gewertet, dass klassische Autobauer beim Elektrothema nicht aus den Puschen kamen. 2017 wurde neben Aachen ein zweites Werk in Düren gebaut, damit stiegen die Produktionskapazitäten pro Jahr auf bis zu 20.000 Fahrzeuge.

Unklar ist, wie viele Streetscooter bis heute verkauft wurden - klar ist aber, dass die Kapazitäten bei Weitem nicht ausgeschöpft wurden. Die Post gibt nur die Eigenkäufe bekannt - also die Zahl der Fahrzeuge für die eigene Paketzustellung. Hinzu kommen noch externe Käufer, etwa Stadtwerke.

Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), die vom CAR Institut der Universität Duisburg-Essen ausgewertet wurden, sind insgesamt nur 11.722 Streetscooter in Deutschland zugelassen. Hinzu kommen noch Aufträge aus dem Ausland, so kaufte eine japanische Logistikfirma 500 Exemplare. Allzu oft werden solche Auslandsaufträge allerdings nicht bekanntgegeben.

Unter Experten gibt es Zweifel, dass der Streetscooter ohne interne Subventionen am Markt bestehen könnte. Das Fahrzeug sei technisch sehr simpel gehalten, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

«Die Reichweite ist überschaubar, und die Herstellung in der Manufakturarbeit dürfte sehr teuer sein.» Der Professor verwies auf die aus seiner Sicht insgesamt niedrigen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). «Das ist nach meiner Einschätzung alles andere als eine Erfolgsgeschichte für die Post.» Man brauche hohe Stückzahlen und eine stabile Nachfrage. «Eigengeschäfte wie die jetzt mitgeteilten 10.000 Fahrzeuge sind ebenfalls nicht unbedingt ein Ausweis für hohe Profitabilität.»

Offen ist, wie es mit dem Streetscooter weitergeht. Schon seit längerem erwägt die Konzernspitze einen Verkauf der Sparte oder eine Zusammenarbeit mit einer anderen Firma. Seit Mai hat die Tochterfirma mit ihren rund 500 Mitarbeitern einen neuen Chef. Ein Post-Sprecher sagte, man sei «aktuell im Gespräch mit international agierenden Partnern». Man werde das neue Streetscooter-Management «auf dem weiteren Wachstumspfad unterstützen». Als Eigentümer stehe man unter keinem Zeitdruck, so der Sprecher.

Veröffentlicht am:
30. 08. 2019
16:41 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Andreas Pinkwart DHL Deutsche Post AG Deutsche Presseagentur FDP Fahrzeuge und Verkehrsmittel Ferdinand Dudenhöffer Konkurrenz Konzernführung Kraftfahrt-Bundesamt Professoren Transport und Logistik Universität Duisburg-Essen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Streetscooter der Post

06.09.2019

Große Auslandspläne: Streetscooter steuert China und USA an

In Sachen klimaschonende Paketzustellung fährt die Deutsche Post DHL vorneweg - schon jeder fünfte Transporter in Deutschland fährt elektrisch. Dennoch war der Streetscooter bisher keine lupenreine Erfolgsgeschichte. Doc... » mehr

Caravan Salon

30.08.2019

Filmstars sollen junge Käufer für Caravaning begeistern

Zum Campen mit dem Wohnmobil fahren galt einmal als altbacken. Seit einiger Zeit interessieren sich auch wieder jüngere Kunden für Caravan und Co. Branchenriese Thor will deshalb zusammen mit Hymer und prominenter Unters... » mehr

Briefträger

vor 23 Stunden

Keine Briefe mehr an Montagen? Diskussion nimmt Fahrt auf

Heute schon in den Briefkasten geguckt? Für viele Menschen ist das ein alltägliches Ritual - auch wenn Briefe im Digitalzeitalter an Bedeutung verlieren. Geht es nach der FDP, kann man sich das Nachschauen am Wochenanfan... » mehr

Ausbau des Mobilfunknetzes

06.09.2019

Vertrag mit dem Bund: Mobilfunkfirmen wollen Netz verbessern

Deutschlands Mobilfunk-Firmen wollen mehr Tempo machen, um Funklöcher auf dem Land zu beseitigen. So sieht es ein Vertrag zwischen Bund und Wirtschaft vor. Also Grund zum Feiern? Oppositionspolitiker und manch ein Expert... » mehr

Pakete und Päckchen

26.06.2019

Paketboom geht weiter: 3,5 Milliarden Sendungen verschickt

Kein Ende der Paketflut in Sicht: Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Sendungen in Deutschland wieder deutlich zugenommen. Kommunen, Händler und Zusteller ringen weiter um Lösungen, um die Innenstädte zu entlasten. » mehr

VW startet Vorbestellungen für neues Elektroauto

08.05.2019

Volkswagen startet Vertrieb für Elektroauto im Internet

Volkswagen setzt voll auf bezahlbare E-Mobilität. Experten sehen den Konzern auf einem guten Weg, sprechen aber auch von einem enormen Erfolgsdruck. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Baumesse Suhl

Baumesse Suhl | 19.10.2019 Suhl
» 18 Bilder ansehen

Gegenveranstaltungen Ilmenau Ilmenau

Protest Ilmenau | 20.10.2019 Ilmenau
» 9 Bilder ansehen

Einsatzübung Hildburghausen Hildburghausen

Einsatzübung Helios Hildburghausen | 18.10.2019 Hildburghausen
» 14 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
30. 08. 2019
16:41 Uhr



^