Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Onlinekonten am günstigsten - 22 Modelle gratis

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Kostenlos war gestern. Es gibt aber noch Ausnahmen.



Girokarte
Niedrigzinsen und Kosten für strengere Regulierung setzen die Finanzhäuser unter Druck.   Foto: Fabian Sommer

Gebühren fürs Geldabheben am Automaten oder für Überweisungen auf Papier: In der Zinsflaute sind Banken und Sparkassen erfinderisch geworden.

Dennoch gibt es nach wie vor Kreditinstitute, die kostenlose Girokonten anbieten. Einer Auswertung der Zeitschrift «Finanztest» zufolge sind noch 22 von rund 290 Kontomodellen gratis, die die Tester bei 122 Geldhäusern unter die Lupe nahmen. Vorausgesetzt: Kunden führen dieses Konto online und nutzen es als Gehalts- oder Rentenkonto.

In diesem Fall gibt es den Angaben zufolge bei den 22 Angeboten keinen monatlichen Grundpreis, alle Onlinebuchungen sind inklusive, die Girocard ist kostenlos. «Weitere 69 Girokonten sind mit Preisen von maximal 60 Euro pro Jahr noch recht günstig», heißt es in der September-Ausgabe der «Finanztest» von Stiftung Warentest.

Vor der Finanzkrise im Jahr 2008 habe es noch deutlich mehr kostenlose Girokonten gegeben, berichtete Stephanie Pallasch von Stiftung Warentest: «Sie dienten in erster Linie der Kundengewinnung. Denn, wenn der Kunde als einziges Produkt nur ein kostenloses Girokonto hat, kann sich das nicht rechnen. Dahinter steckt eine Dienstleistung, die Banken und Sparkassen Geld kostet.»

Inzwischen setzen Niedrigzinsen und Kosten für strengere Regulierung die Finanzhäuser unter Druck. Sie treten daher auf die Kostenbremse. So sinkt die Zahl der Filialen seit Jahren. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank verringerte sich ihre Zahl im vergangenen Jahr deutlich um 2239 auf 27.887 Zweigstellen. «Der Betrieb von Filialen ist für Kreditinstitute teuer. Es ist daher im Interesse von Banken und Sparkassen, dass die Kunden ihre Bankgeschäfte online selbst erledigen», erläuterte Pallasch.

Geschraubt werde derzeit vor allem an den Gebühren für Überweisungen in Papierform und beim Telefonservice, sagte die Stiftung-Warentest-Expertin. Bis zu 4,90 Euro kann «Finanztest» zufolge eine Überweisung auf Papier im Einzelfall kosten. Wer als Inhaber eines Onlinekontos mit einem Kundenberater telefonieren will, wird mitunter mit bis zu 3,50 Euro pro Telefonat zur Kasse gebeten. Ins Geld gehen kann bei einigen Online- und Direktbanken auch der Einsatz der Girocard (EC-Karte) zum Geldabheben. Gebührenfreies Bargeld gibt es bei manchen Instituten nur, wenn die Kreditkarte eingesetzt wird.

Kunden müssen also intensiv Preise vergleichen, wenn sie keine unnötigen Gebühren bezahlen wollen - keine leichte Aufgabe angesichts der Vielzahl der Modelle. Nach Einschätzung Pallaschs haben Verbraucher durch die seit 2018 vorgeschriebene jährliche Entgeltinformation aber mehr Durchblick im Gebührendschungel: «Die Informationen sind transparent und gut zu finden.»

Neben Gebühren verlangen einige wenige Institute bereits Strafzinsen von Privatkunden für besonders hohe Guthaben auf dem Giro- oder dem Tagesgeldkonto. Künftig könnte es mehr Verbraucher treffen. So warnte der Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbands, Peter Schneider: Sollten Europas Währungshüter die Zinsen noch weiter senken und nicht gegensteuern, führe auf breiter Front kein Weg daran vorbei, Geld für das Aufbewahren von Guthaben zu verlangen.

Banken müssen derzeit 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld parken. Die Notenbank hatte angedeutet, dieser Zins könnte verschärft werden. Damit wollen die Währungshüter die Kreditvergabe und so die Wirtschaft im Euroraum ankurbeln.

«Es könnte sein, dass viele Banken auf Dauer nicht mehr umhinkönnen, die zusätzlichen Belastungen auch in der Breite an Privatkunden weiterzugeben», sagte Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), jüngst der Funke Mediengruppe. Schon heute koste der Strafzins die deutschen Geldhäuser rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr. Allerdings seien die Möglichkeiten, die zusätzlichen Belastungen über Entgelte und Zinsen an die Kunden weiterzugeben, «begrenzt», stellte Krautscheid fest. «Aber der Druck steigt weiter, sie auszuschöpfen.»

Veröffentlicht am:
20. 08. 2019
12:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Krautscheid Banken Banken - Deutschland Bankgeschäfte Bankkunden Deutsche Bundesbank Euro Europäische Zentralbank Kreditinstitute Kreditvergaben Kunden Peter Schneider Sparkassen Stiftung Warentest Zentralbanken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kartenzahlung

17.08.2020

Kartenzahlung statt Bargeld kann ins Geld gehen

Für viele Bankkunden heißt es inzwischen: Kostenlos war gestern. Vor allem die Gebühren für bestimmte Serviceleistungen steigen. Manche Kosten fallen erst in der Corona-Krise richtig auf. » mehr

Überweisung

20.08.2019

Anruf beim Kundenberater könnte bald teuer werden

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Kostenlos war gestern. Es gibt aber noch Ausnahmen. » mehr

Privatbanken

15.10.2020

Deutsche Institute haben sich wetterfest gemacht

Wenn sich die Corona-Krise nochmal verschärft, kann es für viele Unternehmen im Lande eng werden. Deutschlands Privatbanken sehen sich gut darauf vorbereitet. » mehr

Deutsche Bank

22.09.2020

Reaktion auf Corona: Deutsche Bank schrumpft Filialnetz

Viele Bankenkunden gehen schon in normalen Zeiten kaum noch in die Filiale. In der Corona-Krise hat sich dieser Trend verstärkt. Deutschlands größtes Geldhaus zieht Konsequenzen. » mehr

Claudia Buch

13.10.2020

Bundesbank: Firmenpleiten werden kommen

Banken und Sparkassen haben in der Corona-Krise bislang ihre Aufgabe erfüllt, die Kreditvergabe läuft. Doch der eigentliche Härtetest steht dem Finanzsystem nach Einschätzung der Bundesbank noch bevor. » mehr

Trend zu Negativzinsen für hohe Sparsummen

09.09.2020

Trend zu Negativzinsen für hohe Sparsummen beschleunigt sich

Immer mehr Finanzinstitute bürden Sparern Negativzinsen auf. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl dieser Geldhäuser nahezu verzehnfacht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Flugzeugabsturz Kühndorf Dolmar

Flugzeugabsturz Dolmar | 19.10.2020 Dolmar
» 17 Bilder ansehen

Unfall Tunnel Hochwald

Unfall A71 Tunnel Hochwald |
» 25 Bilder ansehen

Unfall Reichmannsdorf

Unfall Reichmannsdorf |
» 9 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
20. 08. 2019
12:59 Uhr



^