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Wirtschaft

Ölkartell Opec steht vor schwierigen Verhandlungen

Der Bedarf an Opec-Öl wird im kommenden Jahr laut der Internationalen Energieagentur deutlich sinken. Das Kartell könnte gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern mit strengeren Förderbeschränkungen reagieren. Doch vor allem ein Schwergewicht will da nicht mitziehen.



Opec
Die 14 Opec-Staaten haben im Oktober etwa 29,7 Millionen Barrel Öl pro Tag aus dem Boden gepumpt - das entspricht etwa 30 Prozent der weltweiten Ölproduktion.   Foto: Lisi Niesner/epa/dpa

Das Ölkartell Opec steht vor schwierigen Verhandlungen über die Strategie für das kommende Jahr.

Vor dem Treffen der zuständigen Minister am Donnerstag und Freitag in Wien war noch nicht genau absehbar, ob sich die 14 Opec-Staaten und die 10 Kooperationspartner auf eine Verlängerung der derzeit geltenden Förderbeschränkung einigen können.

Die 14 Opec-Mitglieder verhandeln am Donnerstag zunächst in kleiner Runde, am Freitag kommt dann die größere «Opec+»-Runde, zu der auch Russland gehört, zusammen. Das Treffen ist für die Verbraucher von Bedeutung, da es Einfluss auf die Benzin- und Ölpreise haben könnte.

Vor einem Jahr hatten sich die «Opec+»-Staaten nach langen Verhandlungen darauf verständigt, 1,2 Millionen Barrel (159 Liter) Öl pro Tag weniger als im Oktober 2018 aus dem Boden zu pumpen. Diese Vereinbarung wurde im Juli verlängert und gilt noch bis Ende März 2020. Zuletzt wurde darüber diskutiert, diese Vereinbarung erneut zu verlängern, der irakische Minister forderte sogar eine Verschärfung um weitere 400.000 Barrel Öl am Tag. Der russische Energieminister Alexander Nowak hatte sich derweil dafür ausgesprochen, eine Entscheidung zu vertagen. Derzeit sei es zu früh, um solche Entscheidungen zu treffen.

«Ich glaube, der kleinste gemeinsame Nenner ist eine Verlängerung bis Juni 2020», sagt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. Eine Verlängerung für das gesamte Jahr 2020 wäre eine Überraschung. Eine noch stärkere Förderbeschränkung hält de la Rubia für unwahrscheinlich. «Das ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit, dass man sich dann an nochmal niedrigere Zahlen halten würde», sagte de la Rubia.

Schließlich produzierten etwa der Irak und auch Russland derzeit zu viel Öl, auch Nigeria falle es schwer, sich an die Begrenzung zu halten. Das Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien hat seine Produktion dagegen deutlich stärker gekürzt als vereinbart.

Die 14 Opec-Staaten haben im Oktober etwa 29,7 Millionen Barrel Öl pro Tag aus dem Boden gepumpt - das entspricht etwa 30 Prozent der weltweiten Ölproduktion. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur liegt der Bedarf an Opec-Öl im ersten Halbjahr 2020 aber nur noch bei 28,3 Millionen Barrel am Tag.

«Mit Blick auf den Ölbedarf müsste die Opec mindestens um eine weitere Million Barrel kürzen», erklärt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Der bereits erwähnte Vorschlag des Iraks, der vermutlich wenig Chancen auf Erfolg hat, sei daher noch zu wenig. «Wie man glaubt, so den Ölmarkt im Gleichgewicht halten zu können, ist mir schleierhaft», sagt Fritsch. Vor allem die Russen sähen aber offenbar für sich keinen Nutzen in einer weiteren Kürzung.

Nach Ansicht der beiden Analysten spielt zudem der anstehende Börsengang des Ölriesen Saudi Aramco eine große Rolle. Am Donnerstag soll der Ausgabepreis der Aktien festgelegt und verkündet werden. «Da wäre für Saudi-Arabien die Botschaft schlecht, dass der Preis unter Druck steht», sagt de la Rubia. «Ich bin skeptisch, dass man sich einigen kann, wenn es um die eigenen Interessen, also den Börsengang von Saudi Aramco, geht», sagt Fritsch.

Aramco wurde 1933 als California-Arabian Standard Oil Company gegründet. 1988 verwandelte die saudische Regierung die Firma unter dem Namen Saudi Arabian Oil Company oder Saudi Aramco in einen Staatskonzern. Sitz ist Dhahran im Osten Saudi-Arabiens. Ende 2018 waren die nachgewiesenen Erdölvorkommen Aramcos nach eigener Aussage fünfmal größer als die der fünf großen internationalen Ölkonzerne, also ExxonMobil, Shell, BP, Chevron und Total. Der Börsengang könnte der größte aller Zeiten werden.

Die Opec steht vor ihrem Treffen in Wien letztlich vor einem Dilemma: Mit einer verlängerten oder gar verschärften Förderkürzung könnte das Ölkartell auf die zu erwartende, geringere Nachfrage reagieren. Gleichzeitig könnten die Staaten so Marktanteile im globalen Ölgeschäft verlieren. «Allein der Ausbau des Frackings in den USA ist gewaltig», betont de la Rubia. Die Opec-Verhandlungen könnten daher besonders zäh werden.

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dpa

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Veröffentlicht am:
05. 12. 2019
08:32 Uhr

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