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Wirtschaft

Ökostrom-Umlage sinkt - keine Entwarnung für Stromkunden

Eigentlich ist es eine gute Nachricht für die Verbraucher: Die Ökostrom-Umlage sinkt, und das zum zweiten Mal in Folge. Die Sache hat aber einen Haken.



Ökostrom
Windräder drehen sich in einem Windpark in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern.   Foto: Jens Büttner

Stromkunden in Deutschland müssen trotz eines Rückgangs der Ökostrom-Umlage mit leicht steigenden Strompreisen rechnen.

Zwar fallen für die Förderung der erneuerbaren Energien im kommenden Jahr weniger Kosten an, dafür legen andere Bestandteile der Stromrechnung zu. Branchenexperten gehen davon aus, dass sich für viele Privathaushalte die Strompreise unterm Strich etwas erhöhen.

Die EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom in Deutschland sinkt zum zweiten Mal in Folge. Die Abgabe beträgt im kommenden Jahr 6,405 Cent pro Kilowattstunde, im Vorjahr waren es noch 6,79 Cent. Das teilten die Betreiber der großen Stromnetze mit.

Die Umlage ist ein wichtiger Bestandteil des Strompreises. Sie macht ungefähr ein Viertel aus und finanziert die festen Vergütungen, die Ökostrom-Produzenten für die Einspeisung ihres Stroms bislang unabhängig vom Marktpreis bekommen. Deswegen sinkt die Umlage oft, wenn die Strompreise im Großhandel steigen - und umgekehrt. Bestandteile des Strompreises für Privatkunden sind aber daneben noch Steuern, weitere Abgaben und Umlagen sowie Produktionskosten und die Netzentgelte.

«Es ist zwar erfreulich, dass die EEG-Umlage zum zweiten Mal in Folge für private Verbraucherinnen und Verbraucher sinkt», sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller. «Das macht sich für sie aber kaum im Geldbeutel bemerkbar, da die Börsenstrompreise parallel angestiegen sind.» Es bleibe dabei, dass Privathaushalte einen Großteil der Kosten schulterten. Müller forderte, die Stromsteuer solle «nahezu» abgeschafft, Privilegien der Industrie sollten reduziert und die Umlage müsste teils aus Steuern bezahlt werden.

Auch der Geschäftsführer Energie beim Verbraucherportal Check24, Oliver Bohr, forderte eine spürbare Entlastung bei staatlichen Bestandteilen oder Netznutzungsentgelten. Ansonsten gebe es für die Privathaushalte im kommenden Jahr wenig Hoffnung auf niedrigere Strompreise.

Nach Berechnungen von Check24 zahlt ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden 2019 aufgrund der sinkenden EEG-Umlage 23 Euro weniger. Im Gegenzug stiegen aber die Netznutzungsentgelte, die ebenfalls rund ein Viertel des Strompreises ausmachen. Ein Grund dafür ist, dass der Ausbau der Stromnetze nicht richtig vorankommt. Engpässe verursachen Kosten.

Der Energieverband BDEW hatte für die meisten Stromverbraucher im nächsten Jahr ebenfalls mit steigenden Kosten gerechnet. Treiber seien die höheren Großhandelspreise, zu denen die Energieversorger an der Strombörse einkaufen. Die zusätzlichen Kosten werden dann oft an die Endkunden weitergeben.

Die Bundesregierung hob Fortschritte bei der Energiewende hervor. Neu installierte Kapazitäten für erneuerbare Energien brauchten immer weniger Förderung, dadurch könne die EEG-Umlage zum zweiten Mal hintereinander sinken, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). «Das ist für die Energiewende eine gute Nachricht, weil wir zeigen, dass Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen können.»

Künftig erhalten die Betreiber von Ökostrom-Anlagen keine feste Förderung mehr, sondern müssen am Wettbewerb teilnehmen. Den Zuschlag erhält in der Regel, wer am wenigsten staatliche Zuschüsse verlangt. Infolge entsprechender Ausschreibungen soll die Förderung insgesamt günstiger werden und zum Rückgang der EEG-Umlage beitragen.

Die Ökostrom-Umlage war in den vergangenen Jahren meistens gestiegen. Sie steht oft im Mittelpunkt der Kritik an der deutschen Energiewende - also dem Umstieg auf Ökostrom vor allem aus Wind, Sonne und Biomasse. Rabatte gibt es unter anderem für energieintensive Industriebetriebe, um deren internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden. 2018 profitierten fast 2000 Unternehmen von solchen Nachlässen.

Die deutsche Industrie sieht aber keine Entwarnung beim Strompreis. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands BDI, Holger Lösch, sagte: «Derzeit sinkt ein Kostenblock leicht, dafür steigt aber ein anderer sehr deutlich - wie seit einiger Zeit die Netzkosten. Damit ist den Stromkunden nicht geholfen.»

Die Politik müsse stabile, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen schaffen. Auch mittelständische Industriefirmen mahnten, das Absinken der Umlage sei «kein Grund zur Entwarnung». Die Belastung der Unternehmen im internationalen Wettbewerb bleibe «unerträglich hoch».

Die großen Stromnetzbetreiber gaben am Montag auch die sogenannte Offshore-Netzumlage für 2019 bekannt, über die Verbraucher die Kosten für den Anschluss von Windkraftanlagen vor den Küsten an das Hauptstromnetz tragen. Sie beträgt 0,416 Cent pro Kilowattstunde.

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dpa

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15. 10. 2018
16:33 Uhr

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